Politik beim Leonberger Pferdemarkt Der Chef oben blickt sauer auf die Vize unten
Cohns Schiff legt am Marktplatz an, um Promis eine schöne Aussicht zu gewähren. Doch mit einer Besucherin hat der OB nicht gerechnet.
Cohns Schiff legt am Marktplatz an, um Promis eine schöne Aussicht zu gewähren. Doch mit einer Besucherin hat der OB nicht gerechnet.
So maritim ist der Pferdemarkt noch nie gewesen. Die „MS Leonberg II“, jener 11 000 Euro teure Einkauf des Oberbürgermeisters im hessischen Bruchköbel, beschert nicht nur den Zuschauern am Marktplatz ein Umdenken. Das Schiff beflügelt auch die Kreativität der Fraktionen, die am Umzug teilnehmen. Doch der Reihe nach.
Harald Lutz muss schon viel erklären, noch bevor er offiziell in Aktion tritt. Der Ehrenpräsident der Gesellschaft Engelberg, der traditionell am Marktplatz den Umzug kommentiert, muss mehrmals jene Menschen vorwarnen, die sich an der Südwestseite des Platzes postiert haben: „Da legt gleich das Schiff an, dann sehen Sie nichts mehr.“
Tatsächlich ist ein großes Stück für die „MS Leonberg II“ reserviert, der erste große Wagen des Festzuges, der nach seiner Jungfahrt durch die Stadt am Marktplatz vor Anker gehen soll, auf dass dort die Ehrengäste vom Oberdeck aus den weiteren Verlauf des Zuges verfolgen können.
Pünktlich kommt das Schiff, dessen Bullaugen nur teilweise mit Fotos von Leonbergern geschmückt sind, wofür die Stadt geworben hatte, am oberen Marktplatz an. Die Schüler, die als Anerkennung für ihr soziales Engagement während des Zugwegs an Bord sein durften, müssen abheuern. Jetzt sind die Promis am Zug.
Das Deck füllt sich nur langsam. Schließlich sind die Wichtigsten an Bord: Oberbürgermeister Martin Georg Cohn nebst Partnerin, Landrat Bernhard, Baubürgermeister Klaus Brenner, die Vertreter aus den Partnerstädten und andere Ehrengäste. Sie alle blicken auf das „MS Rettungsboot“ der Freien Wähler mit der klaren Botschaft: „Wir retten Leonberg. Ohne Wenn und ,OB’er.“ Einen Eisberg hat die Fraktion auch noch im Schlepptau. Ähnlich deutlich die Botschaft der CDU: Sie zeigt karikaturartig Cohn und seine von ihm kaltgestellte Stellvertreterin Josefa Schmid auf der „MS Leonberg II“ mit der Warnung: „Achtung Eisberg!“ Am Schluss schwimmen beide in der kalten See. Dazu läuft eine auf Cohn umgedichtete Version des Marianne Rosenberg-Hits „Marleen, eine von uns beiden muss nun gehen.“ Auch der Kirbeverein Eltingen spielt mit dem Bild vom Schiff und dem Eisberg.
All das hätte der Gastgeber an Bord wohl locker weggesteckt, wäre nicht eine Zugteilnehmerin aus ihrer Kutsche ausgestiegen und hätte sich direkt vor das Schiff gestellt: Doch genau das lässt sich Josefa Schmid nicht nehmen. Sie ist extra zum Pferdemarkt gekommen, „weil der so schön ist“, wie sie nachher sagt. Lächelnd steht sie für den Rest des Umzuges lange 90 Minuten vor dem Vorzeigeobjekt des Oberbürgermeisters und winkt den Leuten zu.
Der OB ist alles andere als amüsiert. Gelegentlich treffen sich die Blicke des Chefs oben und seiner zwangsbeurlaubten Vize unten. „Diese Blicke hätten töten können“, meint ein Beobachter.