Winston Churchill, Clement Attlee und David Lloyd George zieren als Statuen die Abgeordneten-Halle des Parlaments in London. Aber auch Hinterbänkler lassen sich für viel Geld porträtieren – auf Kosten der Steuerzahler.
London - Dass britischen Premierministern ein Denkmal gesetzt wird im Palast von Westminster, ist eine allseits akzeptierte Tradition. Winston Churchill, Clement Attlee und David Lloyd George zum Beispiel zieren als Statuen die Abgeordnetenhalle des Parlaments in London. Margaret Thatcher hat sich ihnen hinzugesellt. Ein Porträt Tony Blairs hängt wiederum im Portcullis House, gleich über der Straße. Das Parlamentsgebäude vis-à-vis Big Ben zeigt die Bilder zeitgenössischer Politiker – nicht nur die bedeutenden Namen, sondern im Grunde alles, was sich an selbstverliebten Volksvertretern gern für die Nachwelt porträtieren lässt.
Die Gänge quellen über von Politiker-Porträts
Nun hat Portcullis House zunehmend Schwierigkeiten, die Fülle der Hängewünsche zu bewältigen. Die Gänge quellen über von Politikerporträts. Selbst Labour-Hinterbänklern wie Diane Abbott und Dennis Skinner ist künstlerische Überhöhung wichtig. Konservativen Kabinettsgrößen wie Iain Duncan Smith oder Kenneth Clarke ist Verewigung in Öl eh selbstverständlich. 10 000 Pfund hat das Gemälde des einen und 8000 Pfund das des anderen gekostet. Der Staat – der Steuerzahler – zahlt. Das Parlament hat dem Erwerb der Bilder nur zuzustimmen. Erst jetzt aber hat die Nation entdeckt, dass seit der Millenniumswende eine Viertelmillion Pfund in diese Art von Kunst geflossen ist. Der Sprecher des Unterhauses etwa, John Bercow, hat sich für 22 000 Pfund porträtieren lassen. Weitere 15 000 Pfund sind für den Rahmen und ein Wappen draufgegangen. Im Gegensatz dazu hat der Altsozialist Tony Benn einen Spartarif von 2000 Pfund vereinbart. Immerhin: seit 2010 hat sich die Zahl der Porträtierten deutlich verringert.
Die Bilder kosten vier- oder fünfstellige Summen
Mit dieser Praxis, meint der Verband der britischen Steuerzahler, müsse nun endlich Schluss sein. Zu lange sei den Wählern verschwiegen worden, dass ihre Repräsentanten hier „vier- oder fünfstellige Summen“ ausgegeben hätten – für nichts als für „kostspielige Eitelkeit“. Harriet Harman, der gegenwärtigen Vizechefin der Labour Party, muss das plötzlich auch eingeleuchtet haben. Harman hatte schon Sitzungen für ein Ölgemälde arrangiert. Als Presseleute nach den Kosten fragten, stornierte sie ihre Pläne. „Das wirtschaftliche Klima“, fand sie, sei dafür nicht länger geeignet.