Politiker machen sich für Mundart stark Kinder sollen Dialekt-Angebot bekommen

Sind Dialekte die Dinosaurier der Sprache? Foto: Peter Ruge
Sind Dialekte die Dinosaurier der Sprache? Foto: Peter Ruge

49 Landtagsabgeordnete aus vier Fraktionen wollen die Dialekte in Baden-Württemberg fördern. Jetzt haben sie eine Erklärung vorgelegt.

Lokales: Jan Sellner (jan)
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Stuttgart - Im Landtag von Baden-Württemberg gibt’s nicht nur eine Koalition von Grünen und CDU, sondern bei bestimmten Themen sogar ein Viererbündnis mit SPD und FDP. Zu den Themen mit großer Schnittmenge zählt der Dialekt. Schon seit vergangenem Jahr ist auf den Impuls des Grünen-Abgeordneten und bekennenden Schwäbisch-Sprechers Markus Rösler hin eine interfraktionelle Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Fraktionen mit Ausnahme der AfD am Werk, um sich für die Förderung der Dialekte in Baden-Württemberg einzusetzen.

Jetzt hat diese Parlamentsgruppe „Dialekte in Baden-Württemberg“ eine „Präambel“ vorgelegt, die als erste gemeinsame Erklärung zu verstehen ist. Ziel ist es laut Rösler, darauf aufbauend weitere Erklärungen zu Einzelthemen zu erarbeiten. In ihrer „Präambel“ fordern Rösler (Grüne), Karl-Wilhelm Röhm (CDU), Reinhold Gall (SPD) und Jochen Haußmann (FDP) stellvertretend für insgesamt 49 Landtagsabgeordnete, „dem Dialekt mehr Raum im Bildungssystem, in den Medien sowie in der gesamten Gesellschaft zu geben“. Besonders Kinder und Jugendliche haben sie bei der Dialektförderung im Blick. „Bis heute sucht man in Baden-Württemberg weitgehend vergeblich nach Musik, Büchern, Hörspielen oder anderen Angeboten im Dialekt speziell für Kinder und Jugendliche“, stellen die Parlamentarier fest.

Kretschmann hatte einen Runden Tisch Dialekt einberufen

Die interfraktionelle Gruppe will dem Dialekt zu seinem Recht verhelfen, nicht als Alternative zur Standardsprache, sondern als Ergänzung. Es gehe darum, „neben der sowieso gesprochenen Standardsprache auch einen Dialekt zu beherrschen – bevor dieses identitätsbildende Kulturgut weiter verschwindet“, heißt es in der Erklärung. Mit dieser Mehrsprachigkeit könne der teils heute noch stattfindenden Stigmatisierung von Dialektsprechern entgegengewirkt werden. Außerdem führe das Beherrschen von Dialekt und Standardsprache zu einem besseren Sprachverständnis und erleichtere das Erlernen von Fremdsprachen.

Die Abgeordneten betrachten ihr Dialekt-Engagement als eigenständige legislative Initiative. Parallel dazu hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine Mundart-Initiative gestartet und einen Runden Tisch Dialekt ins Leben gerufen. Dieser hat im Februar und März fünf Mal getagt, ehe Corona den weiteren Fahrplan durcheinanderbrachte. Angestrebt wird ein Positionspapier der Landesregierung über die Stärkung der Dialekte im Land.

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