Polizei gibt Auskunft Hier werden im Kreis Esslingen die meisten Straftaten begangen

, aktualisiert am 05.04.2026 - 10:05 Uhr
Nach einer Brandserie in Unterensingen hat die Polizei im vergangenen Jahr einen Tatverdächtigen ermittelt. Foto: Imago

Die Zahl der Straftaten im Kreis Esslingen ist 2025 zurückgegangen. Die neue Polizeistatistik zeigt, in welchen Orten sich die meisten Fälle ereigneten – und wo die wenigsten.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

„Die Sicherheitslage in der Region ist gut.“ Das sagt Udo Vogel, der Präsident des Polizeipräsidiums Reutlingen. „Die Gesamtzahl der Straftaten in unserem Zuständigkeitsbereich ging 2025 erneut zurück, genauso wie die Kriminalitätsbelastung, die weit unter dem Landesschnitt liegt.“ Der Landkreis Esslingen ist Teil von Vogels „Revier“ – und auch hier ist die Entwicklung positiv. So manche Zahl in der jüngst vorgelegten polizeilichen Kriminalstatistik überrascht allerdings.

 

Im vergangenen Jahr wurden im gesamten Esslinger Kreisgebiet 23 074 Straftaten erfasst – das sind 483 weniger als 2024. In 30 von 44 Städten und Gemeinden gingen die Zahlen zurück, am stärksten in Schlaitdorf (-30,2 Prozent), Reichenbach (-28,5) und Wernau (-26,2). Die meisten Fälle wurden in den sechs Großen Kreisstädten verzeichnet: 4115 Straftaten waren es in Esslingen, 2147 in Nürtingen, 2008 in Kirchheim, 1552 in Filderstadt, 1358 in Ostfildern und 1278 in Leinfelden-Echterdingen (ohne die spezifische Kriminalität am Flughafen und der Messe). Es folgen Plochingen (792 Fälle), Wendlingen (740), Denkendorf (533), Neuhausen (320) und Wernau (316).

Am sichersten lebt es sich demnach in der mit knapp 1700 Einwohnern kleinsten Gemeinde des Kreises: Neidlingen. Gerade mal 20 Straftaten wurden hier im vergangenen Jahr registriert. Aber: Die Polizei verbucht einen Anstieg um 33,3 Prozent – was besorgniserregend klingen mag. Konkret waren es fünf Straftaten mehr als im Vorjahr. Genauere Aussagen über die im Ort begangenen Delikte liefert die Statistik nicht. Aufschluss darüber geben allenfalls die täglichen Presseberichte des Reutlinger Polizeipräsidiums.

23 074 Straftaten hat die Polizei im vergangenen Jahr im Landkreis Esslingen erfasst

So wurde im Laufe des vergangenen Jahres über zwei Brände aus unbekannter Ursache in Neidlingen informiert: Im April stand eine 1300 Quadratmeter große Fläche in einem Waldstück in Flammen, im Oktober wurde ein alter Bauwagen, der als Jugendtreffpunkt genutzt wurde, durch ein Feuer zerstört. Für Aufsehen sorgte auch eine körperliche Auseinandersetzung unter Angehörigen, bei der im März drei Personen verletzt wurden.

Täter bringen Opferim Kreis Esslingen um ihr Geld

In Owen weist die Kriminalstatistik einen Anstieg der Straftaten um ganze 58,2 Prozent auf. Die Zahl schoss von 67 Fällen im Jahr 2024 auf 106 im vergangenen Jahr. Einige Einbrüche in Wohnhäuser und eine Bäckerei sowie ein Streit, bei dem ein Mann im Juli einen Kontrahenten auf offener Straße mit einer Schreckschusswaffe bedroht hatte, machte die Polizei im vergangenen Jahr öffentlich. Bürgermeisterin Verena Grötzinger beteuert jedoch: „Man lebt in Owen weiterhin sicher.“

Um die Gründe für die Zunahme zu erforschen, hat sie beim Leiter des zuständigen Polizeipostens Lenningen nachgehakt und erfahren, dass es vermehrt Fälle von Waren- und Kreditbetrug gegeben hat. „Hier handelt es sich in der Regel um Straftaten im virtuellen Raum, bei welchem der Täter sein Opfer im Internet um sein Geld bringt“, teilt Grötzinger mit. Zumeist wurde online bestellte und bereits bezahlte Ware nicht geliefert. Kreisweit hat die Polizei im vergangenen Jahr 1245 solcher Delikte erfasst.

92 Brandstiftungen im gesamten Kreis hatten die Feuerwehren 2025 beschäftigt (Symbolfoto). Foto: imago/Jochen Tack

Polizei warnt in Deizisau vor Kriminellen

In Deizisau wurden 211 Straftaten (plus 41) registriert, ein Anstieg um 24,1 Prozent. Auch dort waren verstärkt Kriminelle am Werk. So warnte die Polizei im November die Bewohner des Ortes vor einer Welle von betrügerischen Telefonanrufen, bei denen sich die Anrufer als Polizeibeamte oder andere Amtspersonen ausgaben und mit erfundenen Geschichten versuchten, ihren Opfern Geld oder Wertgegenstände abzuknöpfen.

In Unterensingen erhöhte sich die Zahl der Straftaten von 80 auf 91, ein Plus von 13,8 Prozent. Ein Grund dafür dürfte eine Brandserie sein: Im Juni, Juli und August standen landwirtschaftliche Flächen in Flammen – bis umfangreiche Ermittlungen zu einem 42-jährigen Tatverdächtigen führten. Überhaupt haben Brandstiftungen die Polizeibeamten im vergangenen Jahr häufig beschäftigt: Im gesamten Kreis Esslingen wurden 92 Fälle registriert, 18 mehr als 2024.

Kriminalität in kleinen Gemeinden im Kreis Esslingen

Die absolute Zahl der Straftaten ist nur ein wichtiger Wert in der Polizeistatistik. Eine andere zentrale Kennziffer zur Bewertung der Kriminalitätsbelastung ist die sogenannte Häufigkeitszahl, die das Aufkommen von Straftaten im Verhältnis zur Bevölkerung darstellt. Sie gibt an, wie viele Fälle rein rechnerisch auf 100 000 Einwohner kommen. So können große und kleine Städte besser miteinander verglichen werden.

Schlusslicht in der Rangliste aller 44 Kreiskommunen ist demnach Plochingen (14 500 Einwohner). Denkendorf (11 000 Einwohner) liegt auf Platz 42, Neckartenzlingen (6200 Einwohner) auf Platz 36, Bempflingen (3300 Einwohner) auf Platz 28, Altenriet (1900 Einwohner) auf Platz 19, Aichtal (9500 Einwohner) auf Platz 12 und Baltmannsweiler (5500 Einwohner) auf Platz 6. Am geringsten war die Kriminalitätsbelastung im vergangenen Jahr in Lichtenwald (2500 Einwohner).

Straftaten im Kreis Esslingen

Erfasste Delikte
Laut der polizeilichen Kriminalstatistik ereigneten sich im vergangenen Jahr im Landkreis Esslingen 22 Straftaten gegen das Leben. Dazu zählen Mord, Totschlag oder fahrlässige Tötung, etwa im Straßenverkehr. Erfasst wurden unter anderem 29 Vergewaltigungen und 93 Fälle von sexuellem Missbrauch, zudem 2680 Körperverletzungen, 5475 Diebstähle und 2153 Betrugsdelikte.

Aufklärungsquote
Von den insgesamt registrierten 23 074 Straftaten im Kreis Esslingen wurden im vergangenen Jahr 15 332 Fälle aufgeklärt. Die Aufklärungsquote stieg von 63,7 Prozent im Jahr 2024 auf 66,4 Prozent an.

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