Polizei informiert Hier lauern Gefahren für Senioren

Von Eileen Breuer 

Die Polizei klärt in einer Sprechstunde auf, wie man Betrüger erkennt und sich im Straßenverkehr sicher fortbewegt.

Immer wieder rufen Betrüger bei Senioren an, und geben sich als Polizisten aus. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Immer wieder rufen Betrüger bei Senioren an, und geben sich als Polizisten aus. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Vaihingen - Mit einem Schlag verlor eine Seniorin aus Stuttgart-Vaihingen im Januar mehrere Zehntausend Euro Bargeld sowie Schmuck im Wert von mehreren Tausend Euro. Die 82-Jährige ist Opfer eines falschen Polizisten geworden. Ein Mann hatte sich am Telefon als Polizeibeamter ausgegeben und die Seniorin davon überzeugt, dass ihr Hab und Gut in ihrer Wohnung aufgrund einer Einbrecherbande nicht mehr sicher sei. Einem Komplizen des Anrufers übergab die Seniorin daraufhin die Wertsachen sowie das Bargeld. Später kamen der Frau Zweifel, sie verständigte die Polizei.

„Die meisten fallen zum Glück nicht auf solche Betrüger rein. Aber wer darauf reinfällt, verliert sein Vermögen. Die Schadensumme ist dann exorbitant“, sagt Hermann Volkert, Erster Polizeihauptkommissar im Polizeipräsidium Stuttgart. Um solche Einzelfälle zu verhindern, klären Polizeibeamte in einer Sprechstunde gemeinsam mit dem Stadtseniorenrat Vaihingen über Gefahren für die ältere Generation auf. Denn die Polizei sei nicht nur für die Ermittlung nach solchen Straftaten zuständig: „Es ist Polizeiaufgabe, Straftaten zu verhindern“, sagt Volkert.

Mit der Sprechstunde wendet sich die Polizei bewusst an Senioren, denn sie geraten immer wieder ins Visier von Betrügerbanden. Der Grund dafür: „Man vermutet bei Senioren viel Geld im Gegensatz zu 20-Jährigen“, sagt Volkert.

Polizei ruft nie unter der Nummer 110 an

Die Täter täuschen die Senioren damit, Rufnummern wie die 110 zu verwenden. Wenn diese Nummer auf dem Display des Telefons auftaucht, sollten die Alarmglocken schrillen. Denn die Polizei rufe niemals unter dieser Rufnummer an, sagt Volkert. Außerdem fordere ein Polizist niemals dazu auf, Wertsachen oder Bargeld herauszugeben. Konrad Horstmann, Delegierter des Stadtseniorenrats für den Stadtbezirk Vaihingen, hat einen Tipp für Senioren parat: „Sie müssen lernen, unhöflich zu sein und einfach aufzulegen.“

Im Anschluss sollen die Senioren auf keinen Fall die Rückruftaste wählen, um die Polizei zu informieren, dann geraten sie nämlich wieder an die Betrüger. Stattdessen sollen sie die 110 eintippen – auch dann, wenn sie die Masche durchschaut und kein Geld rausgerückt haben: „Ich muss nicht zum Opfer geworden sein, es reicht, wenn der Versuch unternommen wurde“, sagt Volkert.

Sich als falscher Polizist auszugeben, ist nicht die einzige Strategie der Betrüger, um an das Geld von Senioren zu gelangen. Deshalb sei ein gesundes Misstrauen wichtig, erklärt Volkert. Die Polizei appelliert an die Familien der Senioren: „Es ist wichtig, sich innerhalb der Familie auszutauschen, sodass die Senioren erst mal Sohn oder Tochter kontaktieren, bevor sie 100 000 Euro von der Bank abheben“, sagt Volkert.

Tipps rund um die Verkehrssicherheit

Neben Themen wie diesen Betrugsmaschen wird die Polizei in der Sprechstunde auch Fragen rund um die Verkehrssicherheit beantworten. „Senioren sind gleichzeitig sowohl Opfer als auch Verursacher“, sagt Volkert. So fühlen sich Senioren durch neue Verkehrsmittel, wie beispielsweise E-Scooter, verunsichert. Auf der anderen Seite verursachen sie selbst Unfälle, wie etwa ein 85-Jähriger im Oktober vergangenen Jahres. Er war auf dem Parkplatz des Bonus-Markts in Büsnau auf der Suche nach einer Parklücke. Dabei verwechselte er die Pedale und trat in seinem Automatikauto statt auf die Bremse aufs Gas. Er erlitt durch die Kollision mit der Fassade schwere Verletzungen.

„Das sind Einzelfälle, aber meistens sind die Folgen drastisch“, sagt Polizeihauptkommissar Volkert. Sein Anliegen ist es nicht, dass die Senioren ihren Führerschein abgeben: „Wir wollen dazu beitragen, dass sie im eigenen Auto sicher unterwegs sind.“ Technische Fahrassistenten können dazu beitragen, doch oft wissen die älteren Fahrer diese nicht zu bedienen. Volkert rät deshalb zum Beispiel zu einer Fahrstunde. So könnten Unfälle zukünftig vermieden werden.

Polizeisprechstunde Wie man sich vor Betrügern schützt, erfahren Senioren am Donnerstag, 19. März, in der Polizeisprechstunde. Polizeibeamte informieren in Zusammenarbeit mit dem Stadtseniorenrat Vaihingen im Uhlandsaal der Stadtteilbibliothek, Vaihinger Markt 6, nicht nur über Betrugsmaschen, sondern beantworten auch Fragen zu den Themen Einbruchschutz und Verkehrssicherheit. Die Teilnahme ist kostenlos. Los geht es um 15 Uhr.

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