Karriere bei der Polizei Die Polizei bittet zum Elternabend

Die Polizei beantwortet Fragen von Eltern, deren Töchter oder Söhne den Beruf ergreifen wollen. Foto: Soeren Stache/dpa (Symbolbild)

Normalerweise ist es kein gutes Zeichen, wenn die Polizei Erziehungsberechtigte zum Gespräch bittet. Bei diesem Angebot geht es jedoch um die berufliche Zukunft des Nachwuchses.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Normalerweise ist Feuer unterm Dach, wenn die Polizei die Eltern zum Gespräch bittet. Denn dann hat der noch nicht volljährige Nachwuchs etwas ausgefressen. Nicht so in diesem Fall: Wenn die Polizei am Donnerstag, 10. Juli, zum Elternabend ins Polizeipräsidium Stuttgart bittet, dann sind das Eltern von Töchtern und Söhnen, die sich dafür entschieden haben, Gesetzeshüterinnen und -hüter zu werden nach der Schule. Die Polizei informiert an diesem Abend die Erziehungsberechtigten über den Beruf – und was diese Berufswahl für den Nachwuchs bedeutet.

 

Ein besonderes Angebot für die Generation Z

Warum die Eltern und nicht die Kinder? „Die Generation Z hat eine viel stärkere Bindung an die Eltern als frühere Generationen. Die Eltern sind also auf eine Art und Weise Influencer, die einen gewissen Einfluss auf die Berufswahl haben“, erklärt der Einstellungsberater Michael Lippert vom Polizeipräsidium Stuttgart. In anderen Worten: „Wenn die Eltern hinter der Berufswahl stehen, dann ist mehr Zug dahinter“, sagt er. Zudem beschäftigen die Eltern ganz andere Fragen als die Interessierten. Sie wollen wissen, wo ihre Kinder während der Ausbildung sind, wie die Zimmersuche läuft und vor allem auch: Ist es gefährlich? „Wir laden die Eltern alleine ein, weil sie nicht frei fragen können, wenn der Sohn oder die Tochter daneben sitzt“, sagt Lippert. Außerdem wollen die jungen Leute „alle zur Kripo oder Reiterstaffel“. Man vermittele den Eltern, welche Spezialistinnen und Spezialisten darüber hinaus gesucht sind. „Zudem haben wir auch bei den Elternabenden immer junge Leute dabei, die gerade in der Ausbildung oder im Studium sind. Die können es dann richtig gut rüberbringen“, sagt der Berater von der Polizei.

Es ist schon der zweite Elterninformationsabend in Stuttgart

Die Einstellungsberatung des Polizeipräsidiums Stuttgart bietet den Elternabend zum zweiten Mal an. „Ende Februar hatten wir 45 Teilnehmende, jetzt haben sich schon mehr als 20 angemeldet“, sagt Lippert. Auch das Feedback nach der ersten Veranstaltung habe ihn bestätigt, dass der Elternabend eine gute Idee ist: „Besonders gefreut hat uns, dass jemand bei den anonymen Rückmeldungen schrieb: ,Ich habe jetzt weniger Vorbehalte gegen den Beruf und kann mir vorstellen,dass meine Tochter hier gut aufgehoben ist.’“

Neben der Sicherheit und der Wohnsituation kommen auch immer Fragen nach dem Gehalt sowie nach den Karrierechancen. „Letzteres kann man natürlich nicht pauschal beantworten, das liegt im am einzelnen“, sagt Lippert. Keine Frage sei die nach der Gleichberechtigung. „Wir haben einige Frauen in Führungspositionen. Das Verhältnis ist noch nicht ganz 1:1. Vergangenes Jahr hatten wir einen Jahrgang für den gehobenen Dienst mit 53 Prozent Frauen und 47 Prozent Männern. Normalerweise liegt das bei 60 Prozent Männer zu 40 Prozent Frauen“, sagt der Berater. Es gibt den mittleren Dienst, den gehobenen und den höheren. „Für den höheren Dienst wird man ausgesucht, das ist kein Automatismus – das ist aber wie überall in anderen Berufen auch, wenn man an die Spitze will“, sagt Lippert.

Worauf wird bei der Einstellung Wert gelegt?

Manche Fragen könne er nicht eindeutig beantworten. Etwa, worauf bei der medizinischen Untersuchung Wert gelegt wird. „Wir sind Polizisten und keine Mediziner. Wir haben einen polizeiärztlichen Dienst. Wenn es um Dinge wie Diabetes oder die Sehleistung geht, treffen wir keine Aussage. Deswegen gibt es ja die ärztliche Untersuchung“, erläutert Lippert. Wer mal in der Jugend kriminell ausgerutscht ist, muss den Traum vom Polizeiberuf nicht grundsätzlich streichen. „Wir lassen uns die Akte kommen. Wenn es eindeutig eine einmalige Jugendsünde war, dann ist das nicht per se ein Ausschlussgrund.“ Aber: Gewalttaten, Drogen- und Sexualdelikte „sind ein Killerkriterium“, betont der Beamte. Tätowierungen darf man haben, sie müssen aber im Dienst abgedeckt werden. Auch hier komme es immer auf den Einzelfall an. „Wir hatten mal einen mit einer Kalaschnikow auf dem Rücken – das lässt natürlich Rückschlüsse zu“, sagt Lippert. Und manche unterziehen sich auch einer langwierigen Prozedur, um Jugendsünden verschwinden zu lassen: „Eine Anwärterin hat die Handrücken tätowiert gehabt und ließ sich das weglasern, nur damit sie zur Polizei kann“, berichtet der Polizist.

Elternabend mit Anmeldung

Termin
Der nächste Elterninformationsabend der Stuttgarter Polizei ist am Donnerstag, 10. Juli 2025, von 19 bis 21 Uhr.

Anmeldung
Für den Abend in den Räumen des Polizeipräsidiums ist eine Anmeldung erforderlich unter stuttgart.berufsinfo@polizei.bwl.de. Es kommt dann eine Antwort mit Details zum Abend.

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