Polizei und Stadt in Backnang schlagen Alarm Immer mehr Straftaten

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Der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper spricht von „keinem guten Jahr“ für seine Kommune und fordert mehr Beamte, die in der Murrstadt regelmäßig auf Streife gehen sollten. Der Polizeichef sagte dazu: „Präsenz ist kein Allheilmittel.“

Vor allem die Zahl der Diebstähle  hat in Backnang zugenommen. Foto: Gottfried Stoppel
Vor allem die Zahl der Diebstähle hat in Backnang zugenommen. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Im beschaulichen Murrstädtchen Backnang ist die Zahl der Straftaten deutlich stärker angestiegen als in den allermeisten vergleichbaren Kommunen, auch stärker als im Rems-Murr-Kreis und im ganzen Land Baden-Württemberg. Der Leiter des Polizeireviers Backnang, Jürgen Hamm, hat kürzlich im Backnanger Gemeinderat die undankbare Aufgabe gehabt, diese Statistik mit den miesen Zahlen für das vergangene Jahr zu präsentieren. Er fand deutliche Worte und nannte in seinem Vortrag die Entwicklung von 2013 auf 2014 „besonders besorgniserregend“.

Während die Zahl der Straftaten im Land im Vergleich zum Vorjahr „nur“ um 3,2 Prozent angestiegen ist, schnellte sie in Backnang um 26,4 Prozent in die Höhe. Im Rems-Murr-Kreis wurden 12,5 Prozent mehr Straftaten registriert, im Revier Backnang – also in der Stadt und den umliegenden Gemeinden – um 17,2 Prozent.

Backnang „unrühmlichen Spitzenreiter“

Fachleute nehmen speziell die sogenannte Häufigkeitszahl ins Visier, eine statistische Größe, welche die Zahl der Straftaten je 100 000 Einwohner angibt. Ein paar Beispiele: für Backnang lag sie bei 7999, für Waiblingen bei 5989 und in Fellbach betrug sie 7087 sowie 4529 in Aalen. Hamm nannte Backnang den „unrühmlichen Spitzenreiter“ im ganzen Gebiet, für das das Polizeipräsidium Aalen zuständig ist. Besonders stark angestiegen sind in Backnang die Diebstähle, von 835 (im Jahr 2013) auf 1088 (2014), die Rauschgiftdelikte von 57 auf 159 und die Vermögens- und Fälschungsdelikte von 433 auf 503.

Laut Hamm waren rund 40 Prozent der Tatverdächtigen „Nichtdeutsche“. Die Frage aus dem Gemeinderat, ob diese Nichtdeutschen denn alle auch in Backnang wohnten, konnte er nicht beantworten. Gut möglich, dass es sich auch um ausländischen Banden handele. Hamm sagte augenzwinkernd, dass es weltweit betrachtet freilich viel mehr Nichtdeutsche als Deutsche gebe. Auch die Zahl der Gewaltdelikte sei in Backnang stark angestiegen, von 77 Fällen (2013) auf 96 (2014), in den Jahren vorher seien indes mitunter noch mehr Gewalttaten begangen worden. 2010 waren es 107.

OB Nopper: Kein gutes Jahr für Backnang

Warum ist das so? Warum nur liegt Backnang so weit vorne? Das wollten die Stadträte und der Oberbürgermeister Frank Nopper wissen. Eigentlich sind die Backnanger Lokalpolitiker ja gerne ganz vorne mit dabei, beim Thema Kriminalität freilich nicht. Der Revierleiter konnte keine wirklich befriedigende Antwort geben. Flapsig zusammengefasst könnte man sagen: nichts genaues weiß man nicht. Hamm meinte: Darüber lasse sich „trefflich sinnieren“. Die S-Bahn-Endhaltestellen und die Bundesstraße 14 seien womöglich mitverantwortlich für die vielen Straftaten, weil die Diebe und Räuber schnell nach Backnang und wieder weg kämen.

Als kein gutes Jahr für Backnang in Sachen Kriminalität bezeichnete Nopper das vergangene. Er forderte daher, dass die Zahl der Beamten des Reviers Backnang „um mindestens zehn Prozent“ aufgestockt werden müsse. Zurzeit gibt es 90 Stellen. Der Oberbürgermeister erklärte aber auch, die Polizei brauche „die volle bürgerschaftliche Rückendeckung bei ihrer schwierigen Aufgabe“. Eine erfolgreiche Bekämpfung der Kriminalität sei „oft auch von der Zivilcourage und der Solidarität“ der Bürger abhängig. Nachbarn und Passanten sollten nicht weg schauen, wenn sie verdächtige Beobachtungen machten, sondern sofort die Polizei informieren.

Polizeichef Hamm: „Polizeipräsenz ist kein Allheilmittel“

Aus den Reihen des Gemeinderats kam die Forderung, dass sich die Polizei häufiger zeigen müsse. Hamm sagte: „Polizeipräsenz ist kein Allheilmittel.“ Es sei in der Vergangenheit vorgekommen, dass die Beamten gezielt in einem Stadtbezirk unterwegs gewesen seien – und die Einbrecher hätten just in diesem Moment in einem anderen Teil der Stadt zugeschlagen.




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