Die Feuerwehr musste Messie-Habseligkeiten aus Wohnung und Treppenhaus in der Hohentwielstraße löschen. Foto: SDMG
Bewohner des Hauses in der Hohentwielstraße, in dem es Ende Januar gebrannt hat, erneuern ihre Vorwürfe. Das Vertrauen in die Behörden haben sie verloren, sagen sie.
Für die Bewohner des Hauses in der Hohentwielstraße im Stuttgarter Stadtteil Heslach ist eines klar: So wie es war, kann es mit der mutmaßlichen Messie-Miteigentümerin nicht weitergehen. In der Dachgeschosswohnung über ihnen war in der letzten Januarwoche ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr verhinderte Schlimmeres, die schlimmsten Befürchtungen der Nachbarn hingegen wurden wahr.
Der Feuerwehreinsatz förderte auch zutage, dass in der Wohnung, in der eine 72-jährige Frau lebte, Chaos herrschte. Mehrere Nachbarn berichten von teils unhaltbaren Zuständen, von Müllbergen im Treppenhaus, Lärm, auch handgreiflichen Auseinandersetzungen. Regelmäßig hätte es Streit gegeben, andere Parteien seien von der Frau bedroht und beleidigt worden. Die Behörden wussten davon – verhindert haben sie die Katastrophe nicht. So sehen es zumindest die Nachbarn.
Nachbarin Ruzica G. hat jahrelange Querelen hinter sich, die Situation sei viel zu lange „unzumutbar“ gewesen. Regelmäßig habe sie in den vergangenen rund fünf Jahren die Polizei gerufen. „Irgendwann kommt man sich blöd vor, und das wird auch unglaubwürdig“, sagt sie. Es sei so weit gegangen, dass ein Polizist zu ihr gesagt habe: „Dann müssen sie halt ausziehen.“
Nachbarn in Heslach denken ernsthaft an Auszug
Diesen Schritt erwägen nun tatsächlich mehrere Parteien in dem Haus für den Fall, dass die Frau in deren Wohnung es gebrannt hatte, dorthin zurückkehren sollte. „Falls sie zurückkommt ziehen wir aus“, sagt Ruzica G. „Zumindest müssen wir uns das ernsthaft überlegen.“
Einen Eindruck davon, was die Nachbarn mitgemacht haben, gibt ein Gerichtsentscheid. Das Urteil ist rechtskräftig und liegt unserer Redaktion vor. Gegen die Frau erging im Oktober 2022 ein Strafbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung, sie musste eine Geldstrafe zahlen. Sie hatte auf einen der Nachbarn mehrere Keramikteller geworfen, einer davon traf den Mann am Hinterkopf. Er erlitt eine fünf Zentimeter lange Platzwunde.
So vollgemüllt war das Treppenhaus teilweise. Foto: privat
Polizei wegen Straftaten vor Ort
Laut Polizei waren Beamte in den vergangenen zwei Jahren mindestens vier Mal an der Adresse in der Hohentwielstraße im Einsatz. Wegen Unterschlagung, Beleidigung, einmal aus ihrer Sicht auch ohne triftigen Grund. Im vergangenen Juni waren Ordnungshüter „wegen des Verdachts einer hilflosen Person in Wohnung im Gebäude“, teilt ein Sprecher mit.
Es sei aber niemand in der Wohnung gewesen. Dass diese vermüllt war, sei aber augenscheinlich gewesen – deshalb informierten die Beamten das Amt für öffentliche Ordnung. Es war nicht der einzige Hinweis an die Stadt.
„Wir wünschen uns, dass eine Lösung gefunden wird“
Mails belegen, dass sich die Nachbarn über Jahre immer wieder an die Verwaltung gewandt haben. Oft wurden sie vertröstet, immer wieder wiesen sie auch darauf hin, dass Kinder im Haus wohnten, die dadurch belastet würden. Ihre Hilferufe verhallten, sagen sie. Die Stadt sieht das anders: Den Hinweisen sei nachgegangen worden, „ordnungsrechtliche Maßnahmen“ hielt man „für nicht erforderlich“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Sie verweist in dem Zusammenhang auf die Privatsphäre, die auch in solchen Fällen als hohes Gut zu achten sei.
Ein Bild aus der Brandnacht: Feuerwehrleute haben allerlei aus dem Dachfenster befördert. Foto: Archiv/SDMG
Brief an Ordnungsbürgermeister Maier
Was in den vergangenen Jahren vorgefallen sei, habe ihr Vertrauen in die Behörden erschüttert, sagt Ruzica G. Spätestens nach dem Brand müsse doch klar sein, dass die Frau nicht alleine leben könne. „Wir wünschen uns, dass eine Lösung gefunden wird“, sagt Ruzica G.
Christian M., der ebenfalls in dem Haus wohnt, hat nach dem Brand einen Brief an Ordnungsbürgermeister Clemens Maier geschrieben. Darin fasst er die Sorgen der Nachbarschaft zusammen und weist nochmal hin auf die Versäumnisse der Ämter, die es aus Sicht der Nachbarn gab. Auch er spricht von einem „Vertrauensverlusts in die Sachbearbeitungsebene“ und bittet um ein Gespräch. „Ich möchte, dass solche Fälle anderswo in der Stadt künftig ernster genommen werden“, sagt Christian M. unserer Redaktion. Eine Antwort aus dem Rathaus hat er bislang nicht erhalten.
Der zivilrechtliche Weg gegen eine laut Hausgemeinschaft unzivilisierte Miteigentümerin steht den Bewohnern natürlich ebenfalls offen.
Dieser Artikel erschien erstmals am 12. Februar 2026 und wurde am 13. Februar aktualisiert.