Polizeiaktion in Stuttgart Überraschende Großkontrolle nach Bluttat am Josef-Hirn-Platz

Von Wolf-Dieter Obst 

Der Josef-Hirn-Platz im Stadtzentrum ist an Wochenenden oft das Ziel dubioser Nachtschwärmer. Nach einer Messerstecherei hat nun nicht nur die Polizei Flagge gezeigt.

Am 12. Januar hatte es auf dem Josef-Hirn-Platz eine blutige Messerstecherei gegeben. Foto: 7aktuell.de /MG
Am 12. Januar hatte es auf dem Josef-Hirn-Platz eine blutige Messerstecherei gegeben. Foto: 7aktuell.de /MG

Stuttgart - Eine Woche nach den blutigen Messerstichen auf dem Josef-Hirn-Platz in der Stuttgarter Innenstadt gibt es noch keine heiße Spur vom Täter – doch die Behörden haben den Ruf nach mehr Kontrollen erhört. Polizei, Stadt und Hauptzollamt haben in der Nacht zum Sonntag das Umfeld des berüchtigten Platzes beim Schwabenzentrum ins Visier genommen. Ein klares Signal sollte es sein. Messer wurden allerdings keine sichergestellt.

14 Gaststätten bekommen überraschenden Besuch

Das Signal der Großkontrolle traf vor allem 14 Gaststätten, Shisha-Bars und Imbisse rund um den Josef-Hirn-Platz. Außerdem wurden etwa 120 Passanten und 30 Lokalbesucher unter die Lupe genommen. „Dabei wurden vor allem die Personalien erhoben“, sagt Polizeisprecher Tobias Tomaszewski. Leibesvisitationen gab es nicht – dafür hätten jeweils begründete Verdachtsfälle vorliegen müssen. Möglicherweise mitgeführte Messer dürften wohl auch deshalb nicht gefunden worden sein – gleichwohl wurde bei einer Person ein Tierabwehrspray entdeckt.

Ausgangspunkt war eine blutige Gewalttat in der Nacht zum 12. Januar. Ein 23-Jähriger war mit seinen Begleitern gegen 4.30 Uhr an eine andere Gruppe geraten. Dabei entbrannte ein Streit – und am Ende wurde der 23-Jährige niedergestochen und schwer verletzt. Die Täter rannten davon. Die Polizei fahndete nach 20 bis 30 Jahre alten Männern mit dunklerer Hautfarbe, dunklen Haaren und dunklen Augen – vergebens. Auch nach der Befragung des Opfers ergaben sich keine Anhaltspunkte auf mögliche Bekanntschaften oder eine bestimmte Gruppe. Auch das Motiv bleibt unklar.

Jugendlicher in der Shisha-Bar

In den letzten Jahren hatte es in dem Quartier immer wieder spektakuläre Gewalttaten geben, besonders als sich Mitglieder von kurdischen oder türkischen Straßengangs beharkten. Ende April 2019 waren zwei junge Männer gar durch Pistolenschüsse verletzt worden. An Ermittlungen durch die Polizei zeigten sie aber kein Interesse. Der 20-jährige Schütze wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Was macht den Josef-Hirn-Platz zum Anziehungspunkt? Bei der Aktion schauten auch Vertreter der städtischen Gaststättenbehörde und der Lebensmittelüberwachung nach dem Rechten. Dabei wurden vier Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz festgestellt – unter anderem saß ein 16-Jähriger in einer Shisha-Bar. Eine Lokalität musste wegen fehlenden Aufsichtspersonals für die Spielautomaten und den Alkoholausschank geschlossen werden. Sieben weitere mussten teilweise schließen. Die Lebensmittelkontrolleure stellten verunreinigtes Getränkeeis sicher – ganze 64 Kilogramm.

Zoll beschlagnahmt geschmuggelten Tabak

Das Hauptzollamt fand besonderes Interesse am Shisha-Tabak. „Da finden wir oft geschmuggeltes Material“, sagt Zollsprecher Thomas Seemann. Dieses dürfe wegen eines zu hohen Glyceringehalts in Deutschland gar nicht in Verkehr gebracht werden. Dabei gehe es nicht nur um die Gesundheit der Raucher, sondern auch um Steuerhinterziehung. Die Zöllner fanden reichlich unversteuerten Tabak, „der einfach aus einem Eimer heraus verwendet wurde“, so Sprecher Seemann. Die Beamten beschlagnahmten zehn Kilo.

Von tatverdächtigen Messerstechern war bei der Aktion zwischen 18.30 und 1 Uhr nichts zu sehen. Das war auch nicht erwartet worden. „Auch nach der Aktion“, heißt es aus den Reihen der Ermittler, „gibt es keine heiße Spur.“

Sonderthemen