Eigentlich hätten in wenigen Sekunden die Handschellen klicken sollen. Am Mittwoch kurz nach 9.30 Uhr hätte ein Verdächtiger festgenommen werden sollen. Beamte der Kripo hatten den Mann, der in einem Göppinger Auto auf der Autobahn 8 unterwegs war, bis zur Raststätte in Gruibingen (Kreis Göppingen) beschattet. Doch dann gab der Verdächtige Vollgas.
Bei der Festnahme des dringend Tatverdächtigen, nach wochenlangen Ermittlungen um den Tod einer 79-jährigen Frau, deren Leiche an Karfreitag in ihrem Haus entdeckt worden war, kam es zu einem Unfall mit einem Schwerverletzten und mehreren Zehntausend Euro Schaden.
Die Suche nach dem Täter führt in die Familie
Die Kriminalpolizei richtete eine 25-köpfige Ermittlungsgruppe ein, die sich des Tattags wegen Ermittlungsgruppe Freitag nannte. Gerichtsmedizinische Untersuchungen am Osterwochenende hatten ergeben, dass sich die Verletzungen stumpfer Gewalt wohl nicht mit dem Ablauf eines häuslichen Unfalls in Einklang bringen lassen. Die Beamten sammelten Zeugenaussagen aus der Zeit zwischen Gründonnerstag und Karfreitag und ermittelten im persönlichen Umfeld der 79-Jährigen.
Die Spur führte zu einem 48-Jährigen, den die Ermittlungsbehörden als Angehörigen der Frau bezeichnen. Nach Informationen unserer Zeitung soll es sich um den Sohn der Getöteten handeln. Nachdem die Beamten genügend Beweise gesammelt hatten, die den Tatverdacht erhärteten, erwirkte die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht einen Haftbefehl.
An der Raststätte passiert es dann
Der Tatverdächtige sollte allerdings nicht zu Hause festgenommen werden – die Polizei verfolgte eine andere Taktik. Zivilkräfte verfolgten den 48-Jährigen, der einen auffälligen gelb-goldfarbenen VW Golf steuerte. Der Wagen, der mit dem Logo eines Energieversorgers versehen, aber offenbar kein Firmenfahrzeug ist, war auf der Autobahn 8 Richtung München unterwegs. Was dann passierte, bedarf noch der Ermittlungen. „Das Auto bog dann auf das Gelände der Raststätte Gruibingen ab“, sagt Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier. Die verfolgenden Beamten seien hinterher, aber „noch nicht offen an ihm dran“ gewesen. Der Fahrer habe zunächst angehalten. „Die Kollegen waren noch nicht an ihn herangetreten, als der Fahrer plötzlich mit überhöhter Geschwindigkeit davonfuhr“, sagt Biehlmaier.
Mit dem Hubschrauber in die Klinik
Hatte der 48-Jährige seine Verfolger bemerkt? Hatte er in Verzweiflung seinen Wagen gegen ein Hindernis fahren lassen wollen? Der VW Golf prallte gegen eine Straßenlaterne und überschlug sich. Die Feuerwehr rückte an, um den eingeklemmten Fahrer aus dem Wrack zu befreien. Ein Rettungshubschrauber brachte den Schwerverletzten in eine Klinik. Wann er zu dem Geschehen in Hohenacker befragt werden kann, ist unklar.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels konnte der Eindruck entstehen, dass die Ermittlungen in dem Mordfall durch die Verhaftung bereits abgeschlossen seien. Der Artikel wurde diesbezüglich konkretisiert.