Kurdenproteste in Stuttgart Darum kreist ein Polizeihubschrauber über der Demonstration

Von Wolf-Dieter Obst 

Geknatter im Abendhimmel: Der Polizeihubschrauber ist jetzt bei den abendlichen Demonstrationen gegen die türkische Militäraktion nicht mehr wegzudenken. Eine Alternative dazu war noch nicht ausgereift.

Hat die Demonstranten im Blick: Polizeihubschrauber im Abendhimmel (Symbolbild). Foto: dpa/Wolfram Kastl
Hat die Demonstranten im Blick: Polizeihubschrauber im Abendhimmel (Symbolbild). Foto: dpa/Wolfram Kastl

Stuttgart - Der Polizeihubschrauber wird offenbar zum Stammgast im Abendhimmel über der Stadt: Seit Sonntag unterstützt die Hubschrauberstaffel den Polizeieinsatz während der täglichen Demonstrationen in der Innenstadt. Tausende protestieren gegen die türkische Militäroffensive gegen Kurden im Norden Syriens – und immer wieder kommt es am Rande zu vereinzelten Zwischenfällen. „Der Hubschrauber ist angefordert worden, weil man von oben die beste Übersicht hat“, sagt Roland Fleischer vom Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen.

Ein Ende des täglichen Einsatzes ist vorerst nicht abzusehen. Die Flüge gehören mit zu den Aufgaben der Staffel, die sonst auch nach flüchtigen Straftätern oder vermissten Personen sucht. „Die Besatzung liefert die Bildübertragung für den Einsatzleiter“, sagt Fleischer. Die moderne Kameratechnik im Hubschraubermodell Airbus H 145 liefere aus allen Höhen hervorragende Bilder – auch bei Dunkelheit, so Fleischer. Mit der neuen Generation könne immer öfter auch bei Nacht geflogen werden.

Bei Dunkelheit unübertroffen

Das zeigt auch die Statistik: Im vergangenen Jahr gab es 777 Nachteinsätze – eine Steigerung um mehr als zehn Prozent. In diesem Jahr dürften es kaum weniger werden. Allein am Sonntag war der Hubschrauber über Stuttgart zwischen 18 und 20.30 Uhr in der Luft.

„Es ist wichtig, dass man bei einer Lage, die bei Dunkelheit leicht unübersichtlich wird, schnell reagieren kann“, sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach. In den vergangenen Tagen hatten sich nach Demonstrationsende immer wieder einzelne Gruppen abgesetzt und in der Stadt verteilt, warfen mit Böllern und Gegenständen. Die Polizei registrierte mehr als 20 Verletzte in den eigenen Reihen.

Und warum keine Drohnen?

Doch warum gleich ein ganzer Hubschrauber? Könnten nicht auch Drohnen die Arbeit erledigen – jene unbemannten Luftfahrtsysteme, die bereits seit über zwei Jahren getestet werden? Hier zeigt sich, dass die Fluggeräte offensichtlich noch nicht so ausgereift sind wie gedacht. Besonders bei Dunkelheit gibt es offenbar noch Hürden zu überwinden. Die Stuttgarter Polizei hat sie jedenfalls nicht im Einsatz.

Beim Thema nächtlicher Fluglärm verspricht der Dienstherr der Hubschrauberstaffel und Präsident des Präsidiums Einsatz, Ralph Papcke, „die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“. Wie hoch oder tief der Hubschrauber fliegt, bestimmt allerdings nicht die Besatzung. Die richtet sich nach den Wünschen des Polizeineinsatzleiters am Boden.

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