Polizeieinsatz in Stuttgart Tierschützer lassen illegalen Hundehandel auffliegen

Die Hunde werden auf ein Alter von sieben bis acht Wochen geschätzt. Foto: Peta/d
Die Hunde werden auf ein Alter von sieben bis acht Wochen geschätzt. Foto: Peta/d

Im Internet finden Peta-Aktivisten Labradorwelpen, die zu verkaufen sind. Sie verabreden sich zum Schein mit den Anbietern. Die stehen plötzlich der Polizei gegenüber.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Im Tierheim Stuttgart sind zwei Labradorwelpen angekommen, um die sich das Personal Sorgen macht: Offensichtlich sind sie ihren Müttern viel zu jung weggenommen worden, um sie illegal zu verkaufen. Die Polizei beschlagnahmte die Welpen vergangenen Freitag nach einem Hinweis der Tierschutzorganisation Peta.

Mitarbeitende von Peta waren den Anbietern der Welpen im Netz auf die Spur gekommen. Sie vereinbarten zum Schein einen Termin für ein Verkaufsgespräch. Beim Spielplatz am Vogelsang im Stuttgarter Westen trafen sich die Aktivisten mit den Hundeverkäufern. Ein 48-jähriger Mann und eine 67-jährige Frau kamen mit einem Hundebaby zum vereinbarten Treffpunkt.

Den Welpen geht es den Umständen entsprechend gut

Der schwarze Welpe war augenscheinlich viel zu jung, um schon von seiner Mutter weggenommen zu werden. Die Aktivisten schätzten das Tier auf etwa zehn Wochen. Im Tierheim korrigierten die Mitarbeiterinnen diese Schätzung sogar nach unten, auf sieben bis neun Wochen. Laut den Tierschützerinnen und -Schützern von Peta habe ein aufgeblähter Bauch auf einen Wurmbefall hingedeutet. Ob dies der Fall war, müssen tierärztliche Untersuchungen im Tierheim noch zeigen. Es gehe den beiden Welpen aber „den Umständen entsprechend recht gut“, teilt Petra Veiel, die Sprecherin des Tierheims, mit.

Die Polizei beschlagnahmt die Tiere

Die Polizei war am Freitag gerufen worden, als die Peta-Leute bereits mit den Anbietern am Treffpunkt waren und einen der zwei Welpen in Augenschein genommen hatten. Eine Streife des Reviers Gutenbergstraße war gleich zur Stelle. Diese alarmierte noch eine Streife der Hundestaffel nach, sagt die Polizeisprecherin Elena Marino. „Die Leute von der Hundestaffel haben ja auch einen Blick für die Tiere, die ziehen sie auch vom Welpenalter an auf“, erläuterte Marino. Die Polizei beschlagnahmte das Tier und nahm sich die Frau und den Mann vor. Der Tiernotdienst der Stadt übernahm den Welpen und brachte ihn ins Tierheim. Währenddessen durchsuchte die Polizei die Wohnungen des Mannes, der in Sindelfingen lebt, und der Frau. An der Stuttgarter Adresse der 67-Jährigen kam ein zweiter schwarzer Labradorwelpe zum Vorschein, der gleich alt zu sein schien. Er kam ebenfalls ins Tierheim.

Die Nachfrage nach billigen Rassehunden ist groß

Das Phänomen ist für die Tierschützer im Stuttgarter Tierheim kein neues. „Leider kommen auf diesem Weg viele Hunde zu uns – leider bestehen Angebot und Nachfrage. Wenn es nicht so viele unvernünftige Menschen gäbe, die nach der „Geiz ist geil“-Mentalität Rassehunde im Internet kaufen würden, wäre der Markt für solche dubiosen Vermehrer nicht da“, sagt Petra Veiel. Die Tiere, die nicht nach den gängigen Regeln gezüchtet und aufgezogen werden, sind billiger zu haben als die von anständigen Züchtern. Hundebabys sollten normalerweise die ersten zwölf Wochen bei ihren Müttern bleiben. Das Tierschutzgesetz verbietet eine Trennung vor einem Alter von acht Wochen. Hält man sich nicht daran, kann das Tier krank oder verhaltensauffällig werden.

Gegen die Verkäufer, die die Hunde angeboten hatten, werde nun wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, wegen des Verdachts des versuchten Betruges und – aufgrund vorgelegter Impfpässe, die nach einer ersten Einschätzung der Polizei nicht korrekt waren, wegen Urkundenfälschung ermittelt, teilt die Polizeisprecherin Elena Marino mit.

Anfragen zwecklos: Die Hunde dürfen noch nicht vermittelt werden

Die Hundebabys sind im Tierheim zunächst zur Verwahrung untergebracht. Die Leitung bittet inständig, von Anfragen abzusehen, auch wenn man noch so verzaubert sei von den kleinen schwarzen Hunden. Noch sind die Hunde erstens zu jung, und zweitens aufgrund des Verfahrens noch nicht freigegeben. Das heißt selbst wenn sie alt genug wären, könnte das Tierheim noch gar nicht über sie entscheiden und sie auch an kein neues Frauchen oder Herrchen geben, betont die Sprecherin Petra Veiel. Was man im Tierheim anstelle von Anfragen aber brauchen könne, seien Spenden. Denn Tiere wie die beiden Labradorwelpen brauchen aufwendige Tierarztbehandlungen, Wurmkuren und Impfungen.




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