Polizeikosten VfB Stuttgart Warum Rotspiele um ein Vielfaches teurer sind

Beim Spiel gegen Feyenood zeigte sich, dass die Rot-Spiel-Einordnung absolut richtig war. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart empfängt Maccabi Tel Aviv. Die Begegnung ist als Hochrisiko-Spiel klassifiziert worden. Und kommt das Land damit teurer als üblich. Die Hintergründe.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Das Polizeipräsidium Stuttgart bereitet sich intensiv auf die Europa League-Begegnung zwischen dem VfB Stuttgart gegen Maccabi Tel Aviv vor. Eine Hochrisiko-Partie steht an. Das wurde schon lange im Vorfeld kommuniziert und von Polizeiführer Carsten Höfler dieser Tage noch einmal bekräftigt: „Antisemitismus hat in Stuttgart keinen Raum – zu keinem Zeitpunkt und an keinem Ort. Der Schutz jüdischen Lebens hat für uns höchste Priorität. Ohne Ausnahme und ohne Relativierung“, wird Höfler in einer Mitteilung der Behörde zitiert. Man werde „auch komplexe und gefährliche Szenarien“ berücksichtigen und werde, „mit allen professionellen Fähigkeiten vertreten sein“, heißt es weiter.

 

Übersetzen lässt sich das wie folgt: Die Polizei wird das große Besteck herausholen. Denn zu erwarten sind nicht unbedingt randalierende Horden von Fußballfans. Auch wenn Maccabi für seine stramm rechten Anhänger auf den Tribünen bekannt ist und gut 2000 Fans des Clubs in Stuttgart erwartet werden, darunter auch die aktive Szene Tel Avivs. Vielmehr geht es aufgrund des Palästina-Konflikts auch um Kundgebungen, Gegendemonstrationen und Proteste abseits des Stadions in Bad Cannstatt, die für die Sicherheitsbehörden im Fokus stehen. Dazu kommt die nicht zu unterschätzende Gefahr eines extremistisch geprägten Angriffs auf die öffentliche Sicherheit.

Für die Hochrisiko-Einordnung ist auch die sogenannte Stadionallianz zuständig. Dies ist ein baden-württembergisches Pilotprojekt, hierbei geht es um die Zusammenarbeit von Clubs, Fanprojekten, städtischen Behörden und polizeilichen Sicherheitsbehörden bei der Organisation und Durchführung von Fußballspielen. Auch Uwe Stahlmann aus dem Stuttgarter Innenministerium ist bei dem Treffen dabei. „Die Beurteilung einer Spielkategorie durch die Polizei ist immer spezifisch. Da wird nicht pauschal geurteilt, sondern jedes Spiel am Gegner, der zu erwartenden Lage und anhand der Erfahrungen aus der Vergangenheit bewertet“, erklärt er den Beurteilungsprozess.

Polizeipferde zuletzt im Einsatz im Stadion beim Spiel gegen Feyenoord. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Auch wenn es sich beim Spiel am Donnerstag um einen internationalen Vergleich in der Europa League handelt, es greifen die gleichen Mechanismen wie im Vorfeld einer Bundesliga-Partie, die entsprechend als Hochrisikospiel klassifiziert wurde. Wie in der Vergangenheit bei Partien gegen Köln, Frankfurt, Dortmund oder Bremen – also Paarungen, die in den letzten Jahren immer eine Hochrisiko-Einordnung erfahren haben – gab es auch im Vorfeld des Spiels gegen Maccabi die entsprechende Beurteilung. So wie die letzte internationale Heimpartie gegen Feyenoord Rotterdam – die Geschehnisse rund um dieses Spiel belegten diese Maßnahme vollumfänglich – ist auch die Begegnung gegen Tel Aviv ein sogenanntes „Rot-Spiel“, also eine Hochrisiko-Begegnung.

Klar ist also auch: Die Kosten für die Gewährleistung des sicheren Rahmens rund um die Partie werden explodieren und die Kosten einer normalen Bundesliga-Partie um ein Vielfaches übersteigen. Zahlen des Innenministeriums, die unserer Redaktion vorliegen, zeigen auf, wie die Kosten bei Rot-Spielen in der Bundesliga aussehen. Stahlmann erklärt die Zahlen: „Die Grundlage der Berechnung von Kosten erfolgt über sogenannte Stundenpauschsätze. Die leiten sich aus der Verwaltungsvorschrift (VwV) Kostenfestlegung ab, inklusive Raum- und Ausstattungskosten sowie dem sächlichen Verwaltungsaufwand.“

Drohnenfahrzeug der Polizei Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Was arg sperrig klingt, liegt eigentlich klar auf der Hand: Je bedrohlicher die Lage, desto mehr Gerät und Personal. Dazu kommen entsprechende Einsatzmittel und Gerätschaften. Drohnenüberwachung, Reiter- und Hundestaffel, Wasserwerfer – all dies wird vorgehalten werden. Sowohl Tiere als auch Maschinen benötigen Menschen, die sie führen. Also noch mehr Beamte, die im Einsatz sein werden.

Kosten für Polizeieinsätze in Stuttgart zuletzt gesunken

Entsprechend höher sind die zu erwartenden Kosten. Weswegen sie Teil der Diskussion um die Kostenbeteiligung von Fußballvereinen sind, insbesondere bei Risikospielen. In Stuttgart sanken die Zahlen zuletzt deutlich. Die Kosten für den VfB-Spielbetrieb in Stuttgart lagen in der Saison 2024/25 bei nur noch 1,6 Millionen Euro (zuvor bei rund 2 Millionen. Euro).

Kosten füe Polizeieinsätze in Stuttgart (nur Bundesliga) Foto: Innenministerium BW/Lange

Ein Effekt, der klar auf die Stadionallianzen zurückzuführen ist. „Über die Stadionallianzen sind wir immer an einer Personalreduzierung interessiert. Wenn im Vorfeld alle Karten auf dem Tisch liegen und die Beteiligten konstruktiv miteinander arbeiten, dann haben wir das auch noch immer realisiert bekommen“, gibt sich Stahlmann zuversichtlich, dass das auch in Stuttgart zukünftig gelingen wird. Nur eben nicht an diesem Donnerstag. Dafür ist die Lage zu diffizil und im Vorfeld zu schwierig exakt einzuschätzen. Die Erfahrungen, wie zuletzt gegen Feyenoord, zeigen: besser man ist gewappnet.

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