Polizeiliche Kriminalstatistik Wie sicher ist Plochingen?

Die Aufklärungsquote im Polizeirevier Plochingen stieg auf 60,8 Prozent. Foto: /Philipp Braitinger

In den vergangenen Jahren wurden in Plochingen mehrfach Menschen auf offener Straße niedergeschossen. Gleichzeitig zeichnen die Zahlen zur Kriminalstatistik ein eher unspektakuläres Bild für die Stadt. Wie passt das zusammen?

Es lebt sich in Plochingen so sicher oder unsicher wie in vergleichbaren Städten. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates präsentierte der Leiter des Polizeireviers Esslingen, Rochus Denzel, die aufgearbeiteten Zahlen seiner Beamten aus dem vergangenen Jahr. Die Zahl der Straftaten in Plochingen ist demnach zwar im Vorjahresvergleich leicht gestiegen. Allerdings sei sie im Mehrjahresvergleich immer noch unterdurchschnittlich gewesen, so Denzel. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei insgesamt 851 Straftaten. Seit 2015 wurden in Plochingen durchschnittlich knapp 900 Vergehen pro Jahr von der Polizei bearbeitet.

 

Es gibt keinen Schwerpunkt der Kriminalität in Plochingen

Doch wie sicher lebt es sich nun in Plochingen? Dafür kann die sogenannte „Häufigkeitszahl“ herangezogen werden. Sie beschreibt die Zahl der Straftaten, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. In Plochingen beträgt sie 4586. Von den 851 Straftaten in Plochingen wurden 670 von der Landespolizei aufgenommen. Die restlichen 181 Straftaten fielen in den Zuständigkeitsbereich anderer Behörden wie beispielsweise der Bundespolizei oder des Zolls. Im Landkreis Esslingen, zu dem auch viele kleine Orte mit wenig Kriminalität zählen, beträgt die Häufigkeitszahl 3773. In Baden-Württemberg liegt die Zahl bei 4737. Spannend ist der direkte Vergleich mit der viel größeren Kreisstadt Esslingen – dort ist die bereinigte Häufigkeitszahl mit 4495 ein bisschen geringer als in Plochingen.

Es gibt keinen Schwerpunkt der Kriminalität in Plochingen. Besonders häufig wird mit genau 100 Fällen die sogenannte „Straßenkriminalität“ in der Statistik angezeigt. Darunter ist jedoch eine Vielzahl an unterschiedlichen Vergehen zusammengefasst. Dazu zählten im vergangenen Jahr beispielsweise Diebstähle aus Autos, Sachbeschädigungen oder gefährliche Körperverletzung.

Drogendelikte beschäftigen in Plochingen die Polizei ebenfalls. Allerdings sei der Wert – mit Ausnahme des Jahres 2021 - auf den niedrigsten Wert seit 2018 gesunken, betont Denzel. „Plochingen ist kein Drogenumschlagplatz oder gar ein Hotspot. Ähnlich große Kommunen haben ähnliche oder sogar höhere Zahlen der Rauschgiftkriminalität“, erklärte er.

Die Zahl der Rohheitsdelikte ist im Vergleich zu 2022 um fast 18 Prozent gestiegen. Als Rohheitsdelikte zählen beispielsweise Körperverletzung oder Raub. Allerdings, betonte Denzel, seien vor allem die leichten Körperverletzungen gestiegen, während schwere Taten wie Raub und gefährliche Körperverletzung rückläufig waren.

Die Aufklärungsquote stieg auf 60,8 Prozent. Das bedeutet, dass von zehn angezeigten Fällen etwa sechs gelöst werden. Dies ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren. Im Jahr 2019 lag die Aufklärungsquote bei 42,3 Prozent. Insgesamt wurden 421 Tatverdächtige ermittelt. Mehr als ein Fünftel der Tatverdächtigen waren unter 21 Jahre alt. Darunter waren 40 Heranwachsende (18 bis 21 Jahre), 34 Jugendliche (14 bis 17 Jahre) und 14 Kinder (jünger als 14 Jahre). Knapp 54 Prozent der Tatverdächtigen hatten keinen deutschen Pass.

Schüsse haben eine völlig andere Wirkung auf das Sicherheitsempfinden

Die Kriminalitätsstatistik zeichnet zusammengefasst ein eher unscheinbares Bild für Plochingen. Gleichzeitig ist vielen Einwohnern gut in Erinnerung, dass in der Stadt in den vergangenen Jahren mehrfach Personen, offenbar im Zuge eines Bandenkrieges, auf offener Straße niedergeschossen wurden. Statistisch fallen diese Taten allerdings kaum ins Gewicht. Dass die Schussabgaben eine völlig andere Wirkung auf das Sicherheitsempfinden haben als beispielsweise eine Sachbeschädigung, ist Denzel bewusst. „Selbstverständlich ist das eine andere Qualität“, erklärt er. Die Kriminalstatistik sage lediglich etwas über die Häufigkeit jener Fälle aus, mit denen sich die Polizei beschäftigt. Ein Gradmesser für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sei die Statistik nicht.

Im Polizeirevier Esslingen sind rund 150 Mitarbeitende beschäftigt

Zuständigkeit
 Das Polizeirevier Esslingen ist mit rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Sicherheit in den Städten Esslingen und Plochingen, sowie in den Gemeinden Altbach, Deizisau, Lichtenwald, Reichenbach und in den Schurwaldgemeinden Aichwald und Baltmannsweiler zuständig.

Organisation
Das Polizeirevier Esslingen gehört zum Präsidium Reutlingen. Dieses ist in den vier Landkreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und dem Zollernalbkreis für die Sicherheit zuständig. Neben dreizehn großen Kreisstädten sowie 110 Städten und Gemeinden mit insgesamt mehr als 1,2 Millionen Einwohnern zählen auch der Landesflughafen und die Landesmesse Stuttgart zum Zuständigkeitsbereich des Reutlinger Polizeipräsidiums.

Personal
Mit mehr als 2500 Mitarbeitern gehört das Reutlinger Polizeipräsidium zu den größten des Landes. Es gibt 14 Polizeireviere und 38 Posten.

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