Polizeimeldungen 2016 in Kreis Ludwigsburg Amok, Chlorgas und alte Schuhe

Auch die Polizei hatte im Jahr 2016 einiges zu tun. Foto: dpa
Auch die Polizei hatte im Jahr 2016 einiges zu tun. Foto: dpa

Nicht nur politisch blicken wir auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Die Polizei im Landkreis hatte ebenso viel zu tun. Dabei gab es viele tragische Meldungen, aber auch einiges Kurioses.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Kreis Ludwigsburg - Chlorgasalarm, ein geplanter Amoklauf und eine Bombendrohung: Das ausgehende Jahr war auch für die Polizei anstrengend. Wir blicken zurück auf die spektakulärsten Meldungen und die dümmsten oder dreistesten Diebe.

Januar bis März

Hoch hinaus im neuen Jahr wollte offenbar ein 28-Jähriger in Remseck: Nach durchzechter Silvesternacht wollte dieser noch bei einem Freund weiterfeiern. Weil dieser ihn aber nicht hereinließ, kletterte der Besucher dem Freund aufs Dach.

Ebenfalls Besuch von der Polizei bekam ein 19-Jähriger in Kornwestheim am Neujahrstag. Anwohner hatten beobachtet, wie er mit einer Waffe in seiner Wohnung herumfuchtelte. Spezialkräfte eines Einsatzkommandos rückten an, die Polizei riegelte das Haus ab. Bei der Hausdurchsuchung stellte sich dann heraus: es war nur eine Softair-Waffe. Einen ähnlichen Großeinsatz löste dann im Februar ein alkoholisierter 35-Jähriger in Gerlingen aus, als er mit einer Softair-Waffe seelenruhig durch die Stadt spazierte.

Nicht minder dreist zeigten sich Diebe in Korntal-Münchingen Mitte Januar, als sie ein Blitzgerät der Polizei während der laufenden Verkehrskontrolle klauten.

April bis Juni

Im April war Bietigheim-Bissingen Tatort eines Mordes: Der Betreiber einer Stuttgarter Kampfsportschule wurde am 12. April von einem Unbekannten erschossen. Lange tappte die Polizei im Dunkeln, bis sich wenigstens Hinweise auf einen weißen VW Caddy als Fahrzeug des Täters verdichteten. Aber auch diese Spur half nicht weiter, ebenso wie eine ausgesetzte Belohnung von der Heilbronner Staatsanwaltschaft in Höhe von immerhin 10 000 Euro. Bis heute ist der Fall ungeklärt.

Eine filmreife Verfolgungsfahrt lieferten sich Mitte Mai vier 16-Jährige mit der Polizei zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim. Der Kleinwagen war einer Polizeistreife aufgefallen, weil zwei der Jungs auf dem Autodach saßen. Als die Verfolgungsjagd begann, saßen alle vier dann wieder im Auto und ignorierten sämtliche Aufforderungen der Polizei, anzuhalten. In Kornwestheim konnten die Beamten das Fahrzeug schließlich einkesseln.

Ende Mai ging in Vaihingen/Enz offenbar ein Tierliebhaber auf Beutezug: fünf Zierhasen und drei Meerschweinchen stahl der Unbekannte aus Laufställen in zwei Hinterhaus-Gärten im Stadtteil Horrheim.

Einen spektakulären Unfall produzierten drei junge Männer am 22. Mai in Kornwestheim, als sie mit einem Mercedes unterwegs waren. Der Fahrer bog zu schnell in eine Linkskurve und verlor die Kontrolle über den Wagen: Er kam von der Fahrbahn ab und schanzte eine zweieinhalb Meter hohe Böschung hinab – insgesamt 16 Meter weit – und prallte auf einen Container. Alle drei Insassen wurden schwer verletzt.

Eine unschöne Hochzeit erlebte ein Paar in Oberriexingen im Mai: Als das Fest in einem Vereinsheim zu Ende war, gingen alle nach Hause und ließen die Geschenke dort. Am nächsten Tag war aus allen Briefumschlägen das Geld entwendet worden.

Eine weitere Verfolgungsjagd gab es Ende Mai in Ludwigsburg. Dieses Mal war es ein zum Wohnmobil umgebauter VW, der quer durch die Innenstadt raste. Als die Beamten ihn fassten, stellte sich heraus: der 28-Jährige hat keinen Führerschein. Außerdem entdeckten die Polizisten bei der Wohnungsdurchsuchung mehrere Cannabis-Pflanzen. Ähnlich spektakulär verlief eine Verfolgungsjagd in Bönnigheim, bei der die Beamten zwei Einbrecher auch nicht durch Schüsse auf die Reifen des Fluchtwagens aufhalten konnten.

Eher in die Kategorie „kurios“ fällt die Meldung von Anfang Juni, dass unbekannte Gebäck-Verächter im Kirbachtal bei Sachsenheim große Mengen altes Brot entsorgt haben. Mehrmals wurden säckeweise Fladenbrote und anderes Gebäck entsorgt.

Juli bis September

Mit Schneckentempo auf die A 81: Eine Schnecke behinderte im Juli an der Ampelschaltung der Anschlussstelle Ludwigsburg-Süd den morgendlichen Berufsverkehr, weil ihr Schleim einen Kurzschluss an einer Platine der Ampelanlage verursacht hatte.

Ende Juli gab es in Ludwigsburg Aufregung: Beim Abschlusskonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele ging eine Bombendrohung im Forum am Schlosspark ein. Das Konzert wurde abgebrochen und das Gebäude mit 1200 Menschen geräumt. Passiert ist indes nichts, die Polizei fand weder eine Bombe, noch denjenigen, der die Drohung ausgesprochen hatte.

Kurz darauf wurde bekannt, dass ein 15-Jähriger aus Gerlingen möglicherweise einen Amoklauf an seiner Schule geplant hatte. Die Polizei nahm ihn fest. Später stellte sich heraus, dass der Schüler in Kontakt mit dem Amokläufer in München gestanden hatte.

Eine teilweise gesperrte Innenstadt mussten die Ludwigsburger dann Mitte August erleben, als eine defekte Flasche mit Chlorgas etwa 150 Rettungskräfte rund um das Campusbad beschäftigte. 14 Tage später gab es einen ähnlichen Vorfall im Freibad Hoheneck. Zu Schaden kam aber in beiden Fällen niemand.

Diebesgut der ungewöhnlichen Art erbeuteten Unbekannte in Remseck Ende August: Sie stahlen einer Altkleiderfirma tonnenweise alte Schuhe. Klarer war die Motivation bei den Dieben, die in derselben Woche ein Ludwigsburger Juweliergeschäft ausraubten – und zwar mit Greifwerkzeugen durch ein gebohrtes Loch im Boden des Stockwerks darüber.

Einen großen Coup landete die Polizei Anfang September, als sie eine Frau aus Bietigheim-Bissingen festnahmen, die drei Supermärkte überfallen haben soll. In ihrer Wohnung in Ansbach entdeckten die Beamten ein großes Arsenal an Waffen.

In Steinheim spitzte sich Mitte September der Streit zwischen einem Theater und einem Anwohner zu: Weil ein lärmgeplagter Nachbar den Darstellen drohte, verlangten diese Polizeischutz.

Oktober bis Dezember

In Schwieberdingen waren Anfang Oktober Kaffee-Liebhaber am Werk: Sie stahlen eine ganze Lastwagenladung von Kaffeemaschinen. Deren Wert lag im sechsstelligen Euro-Bereich.

Knapp 20 Stunden lang hielt ein 39-jähriger in Ludwigsburg Mitte Oktober Polizei, Rettungskräfte und Anwohner in Atem, als er seine Mitbewohnerin nach einem Streit als Geisel nahm und mit einem Messer verletzte. Am Ende jedoch wurde der Mann von einem Sondereinsatzkommando überwältigt.

Am 11. November brannte ein Haus in Tamm. Feuerwehrmänner entdeckten dabei die Leiche eines 61-Jährigen, dessen Wohnung stark vermüllt war. Eine Woche später brannte wieder in Tamm eine stark vermüllte Wohnung. Der Bewohner zog sich aber nur eine leichte Rauchvergiftung zu.

Ende November meldete die Polizei einen Erfolg: Nach 17 Jahren wurde der Mord an Patrick P. aus Marbach aufgeklärt- dank der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Die drei ermittelten Tatverdächtigen leben jedoch alle nicht mehr.

In Kornwestheim eskalierte Anfang Dezember ein Familienstreit: Ein Vater schoss auf seine Tochter sowie deren Freund, traf sie an der Wange und den Freund an der Schulter. Nach der Flucht stellte sich der 46-Jährige der Polizei.




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