Polizeipräsident Reiner Möller Die objektive Sicherheitslage ist gut

Reiner Möller ist der Leiter des Polizeipräsidiums Aalen, das auch für den Rems-Murr-Kreis zuständig ist. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Statistik bescheinigt dem Polizeipräsidium Aalen und damit auch dem Rems-Murr-Kreis in puncto Sicherheit beste Kennziffern. Das allerdings deckt sich nicht immer mit dem Empfinden der Bürger, weiß Polizeipräsident Reiner Möller.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Gemessen an der sogenannten Häufigkeitszahl ist das Polizeipräsidium Aalen das drittsicherste Präsidium im Land.

 

Herr Möller, wie sieht die Sicherheitslage aus Sicht der Polizei im Rems-Murr-Kreis aus?

Die objektive Sicherheitslage ist gut, was sich insbesondere auch im mehrjährigen Vergleich bestätigt, beziehungsweise in der langfristig positiven Entwicklung zeigt.

Womit kann man das belegen?

Einerseits mit der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), andererseits mit der sogenannten Häufigkeitszahl (HZ), bei der die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten auf 100 000 Einwohner gerechnet wird. Im Fünfjahresvergleich lassen sich sowohl für den Rems-Murr-Kreis als auch für das Polizeipräsidium (PP) Aalen im Gesamten rückgängige Fallzahlen in der PKS feststellen. Selbiges trifft auch auf die HZ zu. Gemessen an dieser war das PP Aalen 2022 das drittsicherste Präsidium im Land und belegt landesweit damit einen Spitzenplatz. Auch lag der Rems-Murr-Kreis in den letzten fünf Jahren immer deutlich unter dem Landesschnitt.

Gibt es Sorgenregionen im Kreis?

Hotspots haben wir nicht. Wir führen regelmäßige Sicherheitsanalysen durch, um frühzeitig etwaigen Entwicklungen in Bezug auf sicherheitsrelevanter Aspekte mit maßgeschneiderten Konzeptionen entgegenzutreten. Auch temporäre Entwicklungen begegnen wir sofort. Wir holen dabei auch unsere kommunalen Partner und andere Sicherheitspartner mit ins Boot und stimmen gemeinsame Sicherheitskonzepte ab. So haben wir das beispielsweise erfolgreich in Schorndorf praktiziert, als dort vor wenigen Jahren eine Jugendgruppe vorübergehend ihr Unwesen trieb.

Klaffen persönliches Empfinden mancher Bürger und tatsächliche Faktenlage manchmal stark auseinander und woran liegt das?

Das ist in der Tat so. Auch ich werde bei Veranstaltungen und Vorträgen immer wieder auf bestimmte Dinge angesprochen und bekomme dabei mit, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger von der objektiven Lage abweicht. Ich halte es für wichtig, solche teils diametralen Begebenheiten sofort klarzustellen. Als Grund vermute ich die Berichterstattung in den Medien sowie die oftmals unreflektierten Weiterverbreitungen in den sozialen Netzwerken und damit einhergehende Verallgemeinerungen. Aktuelles Beispiel ist das Thema Vorfälle in Freibädern. Täglich in den Medien, damit bei den Menschen präsent, bei uns aber im Prinzip ohne Relevanz.

Welche Schwerpunkte zur Verbesserung des Sicherheitsgefühls setzt das Polizeipräsidium Aalen zurzeit?

Im Wissen, dass Straftaten im öffentlichen Raum das Sicherheitsempfinden der Menschen besonders beeinträchtigt, versuchen wir durch gezielte Erhöhung der sichtbaren Präsenz das Sicherheitsgefühl zu stärken. Weitere Handlungsschwerpunkte sind die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche, der politisch motivierten Kriminalität sowie die Bekämpfung der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Wir führen daneben regelmäßige Präventionsmaßnahmen durch. Zum Beispiel sind wir mit Infoständen auf Wochenmärkten unterwegs und informieren Seniorengruppen in Vorträgen über aktuelle Kriminalitätsphänomene wie den Schockanruf oder Enkeltrick. Kostenlose sicherungstechnische Beratungen bekommen Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende oder Vereine fortlaufend bei unseren Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen. Auch sind wir im Rems-Murr-Kreis mit interaktiven Theateraufführungen in Bezug auf Anrufstraftaten unterwegs. Dabei kooperieren wir auch eng mit den Kommunen sowie der Initiative Sicherer Landkreis. Begleitet werden unsere Maßnahmen zudem durch eine proaktive Öffentlichkeitsarbeit, in der wir regelmäßig Problemfelder und Kriminalitätsphänomene thematisieren sowie Verhaltenstipps und Präventionshinweise an die Öffentlichkeit geben.

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