Polizeiruf-110-Vorschau: „Der Ort, von dem die Wolken kommen“ Bessie und der Kerkerjunge

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Im „Polizeiruf 110“ aus München tritt ein neues Team an. Bessie Eyckhoff (Verena Altenberger) und ihre Kollegen gehören zur uniformierten Polizei. Ihr erster Fall wahrt die Tradition von Matthias Brandt alias Kommissar Hanns von Meuffels, dass aus München etwas Besonderes kommt.

Bessie (Verena Altenberger, rechts) versucht, Polou (Dennis Doms, links) zu verstehen.   Bessies Kollege   Cem (Cem Lukas Yeginer, Mitte) hält Abstand. Foto: BR/Roxy Film/Hendrik Heiden 14 Bilder
Bessie (Verena Altenberger, rechts) versucht, Polou (Dennis Doms, links) zu verstehen. Bessies Kollege Cem (Cem Lukas Yeginer, Mitte) hält Abstand. Foto: BR/Roxy Film/Hendrik Heiden

München - Er will oder kann kaum sprechen, hat schwere Verhaltensstörungen, einen vielfach geschundenen Körper: Der Halbwüchsige, den die Polizei im Münchner Süden aufgreift, ist ein Kerkerflüchtling. Aber wie umgehen mit dem armen Tropf (Dennis Doms), der sich Polou nennt? Kann und darf man ihn befragen, zurückführen in sein Trauma? Wie sind seine kryptischen Äußerungen zu deuten? Gibt es weitere Opfer? Ist Polou in seiner Angst und Wirrnis gefährlich?

Beim „Polizeiruf 110“ aus München war bislang Matthias Brandt als Hanns von Meuffels im Einsatz, als einsamer Ermittler, der schroff sein konnte, der aber für Opfer, für Gebeutelte, auch mal für Täter viel Einfühlungsvermögen aufbringen konnte. Jeweils vom Kinoregisseur Christian Petzold inszeniert, wurden das Sternstunden des deutschen Krimis. Wie legt man da eine Nachfolgeserie an? Auf diese Frage findet „Der Ort, von dem die Wolken kommen“ (Buch: Thomas Korte und Michael Proehl) viele gute Antworten.

Die von Verena Altenberger gespielte Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff ist zwar Kommissarin, aber uniformierte Revierpolizistin, ein Streifenhörnchen, wie das im Jargon heißt. Sie ist ebenfalls sowohl empathisch wie konfliktbereit, aber da, wo Meuffels von den eigenen Fehlern und Niederlagen belastet war, ist sie noch offen, zuversichtlich, unverbraucht. Hier gerät sie sofort in einen Konflikt mit Kollegen, dem Jugendamt, den Regeln. Der Regisseur Florian Schwarz („Das weiße Kaninchen“) inszeniert diesen modernen Kaspar-Hauser-Fall gekonnt in der Bildsprache des Horrorfilms, irgendwann überschreitet Eyckhoff die Grenze aus der harten Realität in härtere Fantasiereiche. Fans konventioneller Fälle werden ächzen, aber vielversprechender könnte Eyckhoffs Einstand kaum sein.

Ausstrahlung: ARD, Sonntag, 15. September 2019, 20.15 Uhr