Polizeiruf-Kritik: „Der Verurteilte“ Ein mörderisches Paar

Kommissarin Brasch beobachtet die Vernehmung von Annegret Wegner. Foto: MDR/Stefan Erha 7 Bilder
Kommissarin Brasch beobachtet die Vernehmung von Annegret Wegner. Foto: MDR/Stefan Erha

Im Magdeburger „Polizeiruf 110: Der Verurteilte“ bekommt es die Ermittlerin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) mit Frauenmord und einem gewalttätigen Proll-Paar zu tun. Hat sich das Einschalten gelohnt?

Stuttgart - Was taugt „Der Verurteilte“? Der neue „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg in unserem Schnellcheck.

Die Handlung in zwei Sätzen Eine junge Altenpflegerin verschwindet nach einem Abend mit einer Internet-Bekanntschaft spurlos. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden; nachdem er widerruft und frei kommt, bleibt Hauptkommissarin Brasch gegen die Anweisung des Chefs am Fall, wird suspendiert und begibt sich in Lebensgefahr.

Zahl der Leichen Eine (okay, eigentlich zwei, aber der erste Mord lag schon ein paar Jahre zurück).

Musikauswahl Unter anderem mit Creedence Clearwater Revival, Amy Winehouse und Jimi Hendrix – also ziemlich abwechslungsreich. Dass allerdings Prolls wie der Gelegenheitsgärtner Marcus Wegner (Sascha Gersak) und seine Frau Annegret (Laura Tonke) ausgerechnet zu Leonard Cohens „Dance with me to the End of Love“ ausgelassen tanzen, ist wenig glaubwürdig.

Wohnungsausstattung Dass es bei jungen Pflegerinnen, alten Menschen und im Polizeirevier so aussieht, kann man sich gut vorstellen. Was den Wohn-Ess-Bereich der Dosenbier und Billig-Whisky trinkenden Wegners betrifft, gilt jedoch Ähnliches wie oben: sieht fast wie aus „Schöner Wohnen“ aus – und ist somit ebenfalls wenig glaubwürdig.

Das Täter-Paar „Der Mörder ist immer der Gärtner“ singt Reinhard Mey. Stimmt in diesem Fall nicht ganz. Klar ist jedoch: Sascha Gersak spielt Marcus Wegner so grobschlächtig-aggressiv wie beschränkt, Laura Tonke dessen Frau Annegret so verhuscht wie verschlagen. Und das Duo infernal erinnert entfernt an das Mörder-Pärchen Mickey und Mallory aus „Natural Born Killers“.

Das Finale Nachdem der Krimi lange Zeit auf Minimalismus setzt, geht es in der Schlussphase härter zur Sache. Für Zartbesaitete vermutlich zu hart. Dabei hätte die Geschichte sicher auch weiter mit Aussparungen funktioniert.

Unser Fazit Ob mit Kompagnon oder wie hier zum dritten Mal solo: Richtig auf Touren gekommen ist der Magdeburger „Polizeiruf“ mit Brasch immer noch nicht. Aber die Folge war definitiv eine der besseren aus der Reihe, da schnörkellos und solide. Nächstes Jahr wird der „Polizeiruf“ 50. Und Brasch ermittelt im 15. Fall. Vielleicht platzt ja zum Doppel-Jubiläum der Knoten.

Spannung Note 3

Logik Note 3




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