Polizeiruf-Kritik: „Totes Rennen“ Seltsam blutleer

Von Bettina Hartmann 

Die Magdeburger Ermittlerin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) ermittelt in „Totes Rennen“ im Wettmilieu. War das Anschauen des „Polizeiruf 110“ einen Sonntagabend wert? Unser Schnellcheck.

Verfolgungsjagd in Magdeburg Foto: MDR/HA Kommunikation 10 Bilder
Verfolgungsjagd in Magdeburg Foto: MDR/HA Kommunikation

Stuttgart - Was taugt „ Totes Rennen“? Der neue „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg im Schnellcheck.

Die Handlung in zwei Sätzen Ein spielsüchtiger, hoch verschuldeter junger Mann wird tot am Elbufer aufgefunden – und Hauptkommissarin Doreeen Brasch (Claudia Michelsen) muss ins Wettmilieu abtauchen, wo ihr selbst der Absturz droht. Konfrontiert wird sie bei ihren Ermittlungen mit allerlei zwielichtigen Personal, unter anderem mit dem so charmanten wie dubiosen LKA-Mann Hannes Kehr (Michael Maertens).

Zahl der Leichen Drei

Auf Solopfaden „Wieso laufen uns eigentlich immer die Kollegen weg? Liegt das an mir?“, fragt Brasch ihren Chef. Und in der Tat, zwei Kollegen und einen Polizeipsychologen hat sie bereits vergrault. Nun ist sie also allein unterwegs. Schlimm? Nein, zum einen stehen ihr der Chef sowie der neue Innendienstler Günther Márquez (Pablo Grant) zur Seite. Zum anderen hatten die ständigen Kabbeleien mit den Kollegen ohnehin genervt.

Bester Satz „Ich wette nur da, wo ich selber geschoben habe“ – das glaubt man dem zweilichten Zocker Micky Puhle sofort. Martin Semmelrogge gibt den schmierigen Kleinganoven gewohnt souverän. Schön, dass er endlich mal wieder im Fernsehen zu sehen war.

Blödester Satz „Milan war ein Junkie. Seine Droge war das Spiel“, sagt die Ehefrau des Toten zur Kommissarin. Entschuldigung, aber wer redet so geschwollen im echten Leben? Noch dazu, wenn der Mann gerade tot aufgefunden wurde?

Unser Fazit Ob Claudia Michelsen als Kommissarin, Felix Vörtler als ihr Chef, Michael Maertens als LKA-Mann oder Martin Semmelrogge als Spieler: an den Schauspielern liegt es nicht, dass dieser „Polizeiruf“ seltsam blutleer daher kommt. Die Drehbuchautoren wollen menschliche Abgründe aufzeigen, doch meist bleibt’s beim Klischee. Eine Szene allerdings wirkt nach: als Brasch verletzt und gedemütigt aus dem K.o.-Tropfen-Rausch erwacht. Von solch bewegenden Momenten, die ohne große Worte auskommen, hätte man sich mehr gewünscht. Stattdessen wirken die meisten Dialoge auswendig gelernt. Und vor allem die in Rot getauchten Traumsequenzen kommen arg bedeutungsschwanger daher.

Spannung Note 3; Logik Note 4