Polizistenmord in Heilbronn Die fürsorgliche Falschauskunft der Ermittler

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Bisher hieß es stets, der in Heilbronn schwer verletzte Polizist könne sich nicht erinnern. Nun taucht ein Phantombild auf, das nach seinen Angaben gefertigt wurde. Es zeigt nicht die verdächtigen NSU-Männer.

Der Gedenkstein für die getötete Polizeibeamtin am Tatort in Heilbronn Foto: Archiv
Der Gedenkstein für die getötete Polizeibeamtin am Tatort in Heilbronn Foto: Archiv

Stuttgart - Die Bundesanwaltschaft hält sich bedeckt. Nein, erklärte ein Sprecher der Karlsruher Behörde auf StZ-Anfrage, die Veröffentlichung der Phantombilder zum Heilbronner Polizistenmord werde man nicht kommentieren. Dafür habe man viel zu viel Respekt vor dem Grundrecht der Pressefreiheit, das „für den demokratischen Rechtsstaat von überragender Bedeutung ist“.

Gefallen kann es Generalbundesanwalt Harald Range indes nicht, dass die 14 Phantombilder von möglichen Tätern, Zeugen oder Beteiligten des Geschehens vom 25. April 2007 neuerdings im Internet zu sehen sind: Als erstes Medium hat die in Stuttgart ansässige „Kontext Wochenzeitung“ sie diese Woche veröffentlicht. Immerhin hatten die Sicherheitsbehörden bisher entschieden, sie unter Verschluss zu halten – aus Gründen, um die eine seltsame Geheimniskrämerei betrieben wird. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn schweigt unter Verweis auf die Abgabe des Verfahrens an die Bundesanwaltschaft, dort wiederum heißt es, zu den Beweggründen anderer Behörden könne man „naturgemäß keine Stellung nehmen“.

Keinerlei Ähnlichkeit mit den NSU-Männern

Fragen an Range und seine Behörde wirft vor allem ein Bild auf, das einen jungen Mann mit ebenmäßigen Gesichtszügen, akkurat geschnittener Frisur, leicht dunklem Teint und starkem Bartschatten zeigt. Es wurde nach Beschreibungen des Polizeibeamten Martin A. gefertigt, der das Attentat auf der Heilbronner Theresienwiese anders als seine Kollegin Michèle Kiesewetter schwer verletzt überlebt hatte, und soll einen der beiden Täter zeigen.

Indes, die abgebildete Person hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit jenen beiden Männern, die die Bundesanwaltschaft für die Täter hält: Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), die im November 2011 in Erfurt starben. So steht es in der Anklageschrift zur NSU-Mordserie, die derzeit vor dem Oberlandesgericht München verhandelt wird; angeklagt sind die Gefährtin der beiden toten Tatverdächtigen, Beate Zschäpe, und vier weitere Beteiligte.