Polizistin aus Stuttgart pilgert „Die Füße sind das geringste Problem“

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Mit kleinem Gepäck und einer großen Mission hat sich die Julia Zimmermann zu Fuß auf den Weg quer durch Spanien gemacht. Sie hat eine beachtliche Spendensumme für krebskranke Kinder erwandert.

Angekommen: Julia Zimmermann vor der Kathedrale in Santiago de Compostela Foto: Julia Zimmermann 12 Bilder
Angekommen: Julia Zimmermann vor der Kathedrale in Santiago de Compostela Foto: Julia Zimmermann

Stuttgart - Die Stuttgarter Polizistin Julia Zimmermann ist 1007 Kilometer auf der Via de la Plata, einem Jakobsweg, von Sevilla bis Santiago de Compostela gewandert. 37 Tage lang war sie unterwegs. Sie widmeten ihren ganzen Jahresurlaub und weitere freie Tage einem guten Zweck. „You can help“ heißt ihr Projekt, mit dem sie Hilfe für krebskranke Kinder und deren Familien unterstützen will: Sie suchte Sponsoren, die für jeden gewanderten Kilometer Geld spendeten. Mit einem durchgelaufenen Paar Wanderschuhe im Gepäck und 15 000 Euro auf dem Spendenkonto flog sie am Mittwoch von Spanien zurück. Ab kommender Woche tut die 30-Jährige wieder Dienst im Polizeirevier an der Theodor-Heuss-Straße in der Innenstadt.

Frau Zimmermann, 1000 Pilger haben 1001 Tipps gegen Blasen an den Füßen. Was raten Sie?

Zimmermann: Ich schwöre auf Hirschtalg. Aber da muss man früh anfangen: Man sollte vier bis acht Wochen vorher eine richtige Hirschtalgkur machen. Unterwegs haben wir immer nach der Hälfte der Strecke frische Socken angezogen. Aber am Ende hatte ich auch Blasen. Ohne geht es kaum. Grundsätzlich sollte man aber seine Schuhe eingelaufen haben.

Sind Sie mit einem Paar durchgekommen?

Ja, tatsächlich. Aber die kann ich jetzt auch wegwerfen. An der Ferse sind sie durch, da sieht man schon die Pappe. Ich hatte sie tatsächlich neu mitgenommen. Aber da ich das gleiche Modell schon mehrfach hatte, wusste ich, wie ich sie unterwegs einlaufen kann.

Die Füße leiden unterwegs am meisten vom ganzen Körper, oder?

Die Füße sind das geringste Problem. Ich hatte unterwegs eine Erkältung und einmal eine Magen-Darm-Sache. Das war übel, weil da ist man dann schon geschwächt, will und muss aber weiter. Die letzten 150 Kilometer waren dann nicht so schön.

Woher holt man dann die Kraft, trotz Wind und Wetter – zum Teil sind sie hüfthoch durch Schnee gewandert – weiterzumachen?

Ich glaube beim Jakobsweg hat das Mentale den größten Anteil. Es gehen viele pilgern, die gar nicht trainiert sind, die kommen auch an. 70 bis 80 Prozent findet im Kopf statt bei diesem Weg.

Wenn Sie krank waren oder angeschlagen oder Blasen hatten – was stand dann im Vordergrund bei der mentalen Motivation, das Projekt oder der Kampf gegen den inneren Schweinehund?

Im Vordergrund stand das Projekt. Es geht ja schließlich um was, wir wollen Geld sammeln für Kinder, die krank sind. Aber so ganz getrennt kann man das nie betrachten. Es ist immer ein Gesamtpaket.

Manchmal sah es schon anstrengend aus: Auf manchen Fotos sah man, dass der Weg lange an Straßen entlang ging.

Das lag an der Jahreszeit. Wegen des Wetters und des Schnees waren manche Abschnitte gesperrt und wir mussten auf der Straße wandern.

Wie kommt man darauf, im Januar auf den Jakobsweg zu gehen?

Ich musste das Projekt verschieben. Ursprünglich wollte ich im August los. Aber da hatte ich es im Rücken, weil ich meiner Oma in Sachsen Wasserkisten als Vorrat in den Keller getragen hatte. So kam der Termin zustande. Ich bin nun auch recht froh, denn im Sommer hat es auf der Via de la Plata manchmal mehr als 40 Grad und keinen Schatten. Da war es jetzt doch wesentlich angenehmer. Wir hatten super Wetter, nur einmal Regen und zweimal hat es kurz geschneit.

Wie erfolgreich war das Spendensammeln?

Es sind 15 000 Euro geworden. Das ist mehr, als ich mir hätte vorstellen können. Das Gefühl während der Reise war phänomenal, dass die Leute dabei sind und auch Geld geben für mein Projekt „You can help“. Ich freue mich, dass ich damit richtig helfen kann.

Auf was freuen Sie sich jetzt?

Auf Kollegen, Familie und Freunde. Jetzt hab ich noch eine Woche Zeit, um „auszulaufen“ und mich einzugewöhnen. Von Montag an sitze ich dann wieder überwiegend im Büro. Ich bin im Ermittlungsdienst im ersten Revier und befasse mich mit Betrugsfällen.

„You can help“ hat Julia Zimmermann Anfang 2018 ins Leben gerufen. Sie will damit Geld sammeln und drei Projekte in Stuttgart unterstützen. Das Geld ist zum Teil gedacht für das Blaue Haus, einen Rückzugsort für Familien mit krebskranken Kindern nahe dem Olgäle. Ein weiterer Anteil ist zur Unterstützung der Theatertherapie im Olgahospital gedacht. Außerdem soll einem kranken Kind, der zehnjährigen Vivien, eine Delphintherapie ermöglicht werden.

Die 30-jährige Polizistin Julia Zimmermann ist im Ermittlungsdienst des Polizeireviers Theodor-Heuss-Straße tätig. Sie hat ihren gesamten Jahresurlaub von 2018 plus einen Teil des diesjährigen Urlaubs dem Projekt „You can help“ gewidmet, um den Jakobsweg Via de la Plata zu gehen. „You can help“ rief sie ins Leben, nachdem sie an Weihnachten 2017 mit ihrer Oma den Film „Dieses bescheuerte Herz“ über einen schwer herzkranken Buben. Dieser ging ihr so zu Herzen, dass sie beschloss, etwas für kranke Kinder zu tun.

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