Poller in Waiblingens Fußgängerzone Stadt will Durchgangsverkehr stoppen

An dieser Engstelle beim Marktplatz will die Stadt versuchsweise versenkbare Poller anbringen, um den unerlaubten Durchgangsverkehr auszubremsen. Foto: / Gottfried Stoppel

Autos, Busse, Lastwagen: die Waiblinger Fußgängerzone trägt ihren Namen nicht wirklich zu Recht. Die Stadt will den Durchgangsverkehr verringern. Was heißt das für die Anwohner?

Wer durch die Fußgängerzone in Waiblingen spaziert, fragt sich bisweilen, ob diese ihren Namen zu Recht trägt. Denn neben berechtigterweise fahrenden Linienbussen, Lieferanten und Anwohnern sind etliche weitere Fahrzeuge in der Zone unterwegs, obwohl diese für den Autoverkehr eigentlich gesperrt ist. Manch einer, der beispielsweise vom Alten Postplatz zur Kreuzung beim Beinsteiner Tor möchte und den Schlenker über die Talstraße oder die AOK-Kreuzung vermeiden will, nimmt verbotenerweise die Route via Kurze Straße und am Rathaus vorbei.

 

Er könne das vom Fenster seines Büros aus regelmäßig beobachten, berichtete der Baubürgermeister Dieter Schienmann in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses. „Die Fußgängerzone verdient ihren Namen nicht unbedingt“, bestätigte der städtische Verkehrsplaner Tristan Seiwerth. Ein Antrag der Initiative Waiblingen klimaneutral, eine Verkehrsberuhigung der Fußgängerzone zu forcieren, kommt da gerade recht. Die Fußgängerzone komplett für Autoverkehr zu sperren, ist allerdings nicht möglich.

Poller erkennen registrierte Kennzeichen

Die Stadt wolle keinen großen Verwaltungsaufwand generieren und das Problem zunächst mit „punktuellen Maßnahmen“ angehen, erklärte Dieter Schienmann. Der Vorschlag, verstärkt zu kontrollieren, lässt sich laut Verwaltung angesichts von Personalmangel und einer großen Anzahl von Ausnahmegenehmigungen nicht umsetzen. Potenzial sieht die Stadt hingegen in Pollern, die mit Transpondern ausgestattet werden und mittels Kennzeichenerfassung regeln, welches Fahrzeug in die Fußgängerzone darf und welches draußen bleiben muss.

Der Plan ist, stufenweise vorzugehen und zunächst den vom Marktplatz Richtung Beinsteiner Tor führenden Abschnitt der Kurzen Straße mit einer Absperrung zu versehen. Für die Engstelle beim Marktbrunnen zwischen der Buchhandlung Taube und der Unteren Apotheke wären schon zwei versenkbare Poller ausreichend, sagte Tristan Seiwerth. Dieses System habe auch den Vorteil, dass die Poller während des Wochenmarkts oder anderer Veranstaltungen auf dem Marktplatz im Boden versenkt werden können. Von den beiden Pollern an dieser Stelle erhofft sich die Verwaltung bereits einen spürbaren Effekt, sprich: deutlich weniger Durchgangsverkehr.

Denkbar sind Absperrungen an drei Standorten in der Altstadt

Falls dies nicht eintritt, sollen weitere Poller an der Kreuzung der Kurzen Straße mit der Zwerchgasse platziert werden. Der Durchgangsverkehr aus Richtung Postplatz und vorbei am Rathaus könnte so gestoppt werden. Wer berechtigterweise den Bereich ums Marktdreieck ansteuere, dem stehe die Route über die Schmidener Straße und die Zwerchgasse offen, sagte Seiwerth.

Sollte auch diese Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg bringen, hat die Stadt noch ein drittes As im Ärmel – nämlich weitere, in diesem Fall feste Poller, die am Eingang der Langen Straße ungefähr auf Höhe der Bäckerei Kauffmann angebracht werden. Diese Maßnahme sei jedoch die letzte Option und „noch in weiter Ferne“, erklärte Tristan Seiwerth.

Die Kosten für die Poller am Standort 1 beim Marktbrunnen bezifferte er mit 42 000 Euro, ungefähr die gleiche Summe komme für die Montage und Verkabelung noch oben drauf. Die jährlichen Wartungskosten seien hingegen überschaubar und bewegten sich bei rund 500 Euro im Jahr. Der kleine Haken: Die Kennzeichen der Fahrzeuge, die durch die Fußgängerzone fahren dürfen, müssen ins System eingepflegt und auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Dass die Verwaltung diese Aufgabe an einen externen Dienstleister vergeben will, kam nicht bei allen Stadträten gut an. Peter Abele (CDU) zum Beispiel lehnte eine solche Auslagerung ab: „Ich sehe da die Verwaltung in der Pflicht.“

Was ist, wenn die Technik versagt?

Das Vorhaben an sich bezeichnete Abele als „guten Ansatz“, auch aus den anderen Fraktionen gab es lobende Worte für das Konzept. Die Ausschussmitglieder stimmten denn auch allesamt dafür, einen Versuch mit zwei versenkbaren Pollern am Standort 1 zu starten. Monika Winkler (Alternative Liste) lobte den Vorstoß als „gute Lösung“, Matthias Kuhnle (FW/DFB) bezeichnete ihn als „einzige Möglichkeit, Abkürzer zu stoppen“.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder auch darüber, dass es einen Notfallplan geben muss, falls beispielsweise die Technik versagt oder das Kennzeichen eines Busses der dort verkehrenden Linie 208 nicht in der Datenbank hinterlegt ist und der Poller oben bleibt. Für letzteren Fall gebe es auch die Möglichkeit, eine Fernbedienung im Fahrzeug dabei zu haben, mit der sich der Poller steuern lasse, sagte Tristan Seiwerth.

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