Pop aus Pakistan Das Großtalent Abdullah Siddiqui aus Lahore

Abdullah Siddiqui ist einer jener  jungen Musiker, die gerade Pakistans Klangwelt auf den Kopf stellen. Foto: dpa/Khurram Siddiqi
Abdullah Siddiqui ist einer jener jungen Musiker, die gerade Pakistans Klangwelt auf den Kopf stellen. Foto: dpa/Khurram Siddiqi

Pop gibt es schon lange in Pakistan: gesungen auf Urdu, beeinflusst von Sufi-Musik. Der 20-jährige Abdullah Siddiqui aus Lahore greift das alles auf, aber er singt auf Englisch – und fiele in jedem Land er Welt als Ausnahmetalent auf. Einfach mal reinhören und staunen.

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Islamabad - Seit neun Jahren produziert der erst 20-jährige Abdullah Siddiqui schon Popmusik. Aus dem Untergrund hat sich der junge Sänger in die etablierte Szene Pakistans hochgearbeitet, viele nennen ihn ein Ausnahmetalent. „Ich habe einfach immer wieder versucht, meine eigenen Popsongs zu machen“, erzählt der 20-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Islamabad.

Angefangen hatte der begabte Musiker im Alter von 11 Jahren noch mit einfachster Software. Professionelles Training habe er nie gehabt. „Ich habe meistens nur verschiedene Gesangstechniken imitiert, die ich im Laufe der Jahre in Musik gehört habe.“ Siddiqui stammt aus der östlichen Stadt Lahore, die als Pakistans Kulturzentrum gilt. Inspiration fand er jedoch bei internationalen Popmusikern. Nur selten singt er in der Landessprache Urdu.

Musikwelt auf den Kopf gestellt

„Ich habe das Gefühl, dass Englisch meine Hauptsprache ist, obwohl ich hier geboren und aufgewachsen bin.“ Das habe auch Nachteile, sagt er. Der Mainstream sei vor allem durch Popmusik auf Urdu geprägt. Doch eine neue und junge Generation in Pakistan stellt die Welt der elektronischen Musik seit Jahren auf den Kopf. TV-Shows, gesponsert von großen Marken, haben die Musikwelt verändert. „Nescafé Basement“ oder „Coke Studio“ heißen etwa die Talentshows.

Pakistans Popmusik ist geprägt von Rock-Einflüssen und von Sufi-Musik, der mystischen Strömung des Islams. TV-Shows, Youtube und eine Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, hat die Szene verändert. Große Marken stecken dazu viel Geld in Musikshows, mehr noch als pakistanische Musiklabels, sagen Künstler in dem mehrheitlich muslimischen Land. Oft schafft es Popmusik heute auch in die Soundtracks pakistanischer Filmproduktionen.

Das Problem mit den Shows

„Pakistanische Popmusik kommt immer aus einer markenfinanzierten Fernsehshow“, sagt Siddiqui. „Wir haben begonnen, einige ihrer Begrenzungen zu erkennen“, so der Sänger. „Das System steht in gewisser Weise drastischer Innovation im Weg“. Die Produzenten ließen sich wenig auf Risiken und experimentelle Musik ein. „Deshalb begegnet man keiner Musik mit politischer Ausrichtung oder etwas Provokantem.“

Trotzdem wurden viele Talente mit den Shows gefördert und entdeckt, auch Siddiqui profitierte von seinen Auftritten. Songs unbekannter Musikerinnen und Musiker wurden so schon innerhalb kurzer Zeit millionenfach gehört. Trotz der Kritik an Shows, sehen auch Musiker wie Siddiqui, die von einer internationalen Karriere träumen, ihre Vorteile. „Wir haben noch keine Alternative entdeckt“, sagt der 20-Jährige.




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