Wer eine Dose benötigt, geht ins Kaufhaus oder den Supermarkt, wo Massenware zuhauf angeboten wird. Beim Einkauf in den Stuttgarter Königsbau Passagen könnte man stattdessen einen Abstecher ins Obergeschoss machen. Auch dort gibt es Dosen, allerdings aus edlen Metallen und formschön. Es sind Einzelstücke der Stuttgarter Goldschmiedin Ulrike Bunte. Sie gehört zu der kleinen Truppe, die den Leerstand im Königsbau auf besondere Weise nutzt und in den kommenden Wochen Kunst ausstellt – in einer Pop-up-Galerie mitten im Einkaufstrubel des Königsbaus.
Kein Erfolg im klassischen Betrieb
Die Idee hatte Peter Wichmann. „Ich habe bisher versucht, über Kunstvereine, Galerien oder Kunstmessen meine Produkte zu vermarkten“, erzählt der Stuttgarter Bildhauer, „aber alles war entweder finanziell nicht zufriedenstellend oder zwischenmenschlich schwierig.“ Also hat er beschlossen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und sich dabei von einem Projekt in Leonberg inspirieren lassen. Dort gab es im Leo-Center bereits eine Pop-up-Galerie, in der Künstler und Kunsthandwerker gemeinsam ausstellten.
Das Risiko ist überschaubar
Die Ladenfläche in den Königsbau-Passagen, die Wichmann nun mit anderen Künstlerinnen und Künstlern angemietet hat, habe mehrere Jahre leer gestanden, erzählt er. Deshalb haben die Kreativen sie jetzt zu günstigen Konditionen bekommen. Wer hier ausstellt, muss einmal in der Woche die Galerie betreuen. „Dadurch entstehen keine Personalkosten“, sagt Peter Wichmann. Obwohl sie in die Beleuchtung hätten investieren müssen, seien die monatlichen Kosten „so niedrig, dass es sich lohnt, das Risiko einzugehen“.
Schmuck mit Muscheln
Jeden Monat wird eine neue Ausstellung konzipiert. Den Auftakt macht Peter Wichmann selbst, der mit Ton arbeitet. Aus seinen Tonsockeln scheinen sich menschliche Gestalten herauszuarbeiten, emporzuwachsen – eine Art Menschwerdung, bei der sich die Individuen zur starken Masse formieren.
Die Künstlerin Ulrike Bunte zeigt nicht nur hochwertige Dosen, sondern auch auffallenden Schmuck, bei dem sie mitunter auch Muscheln verarbeitet. Der Heilbronner Klaus Flachsbarth ist mit Fotografie vertreten, aber so, wie das Gras am Fuß der Baumstämme magisch leuchtet, meint man, es mit Malerei zu tun zu haben.
Kunst zwischen Konsum und Kommerz
Damit machen die Künstler aus der Not eine Tugend. „Wir gehen mitten ins urbane Leben“, sagt Peter Wichmann, „ohne Berührungsängste zu Konsum und Kommerz.“ Drei Monate soll die Pop-up-Kunstgalerie nun bestehen, wenn es gut läuft, wird das Projekt fortgesetzt. „Wenn es nicht läuft, hören wir nach drei Monaten wieder auf“, sagt Peter Wichmann, „es ist auf jeden Fall einen Versuch wert.“
Temporäre Galerie bis 30. September, Königsbau-Passagen Stuttgart, 2. Obergeschoss, geöffnet Montag bis Samstag 12 bis 18 Uhr.