Pop-up in Stuttgart Romulo Kurányi hat genug von dunklen Zeiten

Romulo  Kurányi bereitet sich in seiner neuen Pop-up-Galerie im früheren Café Nast  (danach war hier die Stuttgart-Factory) auf die Eröffnung am Freitag vor. Foto: /bo
Romulo Kurányi bereitet sich in seiner neuen Pop-up-Galerie im früheren Café Nast (danach war hier die Stuttgart-Factory) auf die Eröffnung am Freitag vor. Foto: /bo

Die Pandemie sorgt in der City für Leerstand vieler Geschäfte. Dies wird zur Chance von Pop-up-Mietern. Romulo Kurányi eröffnet eine Galerie im früheren Café Nast. Diesmal will er die Corona-Regel streng befolgen. Ein bunter Aufbruch soll dunklen Zeiten folgen.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Wirt im H’ugo’s war er, im längst geschlossenen Promi-Lokal mit der Trüffel-Pizza, und führte danach zwei Eisläden in Degerloch. Manche nannten ihn nur den „kleinen Bruder vom Kevin“ – er ist der Halbbruder des früheren Fußballstars Kevin Kurányi. Mit all dem soll nun endgültig Schluss sein.

Romulo Kurányi zündet die nächste Stufe, um seine Karriere als Pop-Art-Künstler weiter nach oben zu bringen. Am Freitagabend eröffnet der 32-Jährige im früheren Café Nast, in dem zuletzt das Designgeschäft Stuttgart-Factory zuhause war, auf über 300 Quadratmetern eine Pop-up-Galerie. „After Darkness comes the light“, so heißt die Ausstellung, die er gerade zwischen Königstraße und der Bar Tatti aufbaut. Dunkel war’s in der Pandemie lang genug, jetzt soll das Leuchten zurückkehren.

In seiner Einladung an die Stuttgarter Partyszene und an Kunstfans zur Vernissage steht ganz groß. Man solle unbedingt den Nachweis einer der 3 Gs samt Maske mitbringen! Seine Fehler von Januar sollen sich auf keinen Fall wiederholen. Damals machte er mit zu vielen Partygästen in seiner Degerlocher Atelier-Garage Schlagzeilen. Nachdem die Polizei das illegale Treffen aufgelöst hatte, entschuldigte er sich öffentlich dafür.

Stuttgart-Factory ist ins Bohnenviertel gezogen

Nicht alle Geschäfte, die im Lockdown schließen mussten, haben wieder aufgemacht. In der Stuttgarter City ist der Leerstand groß. Viele Eigentümer tun sich schwer, neue Mieter zu finden. Lieber überlassen sie ihre Räume zu besonderen Konditionen Zwischennutzern, als dass ausgeräumte Läden ein trostloses Bild abgeben. Romulo Kurányi hat den Ort seiner Pop-up-Galerie auf einem Immobilienportal im Netz gefunden. Die Miete zahlt er vor allem mit einem Werk, das er auf einer der Ladenwände malt und das für immer bleiben soll.

Aus den Räumen an der Neuen Brücke 3 sind kürzlich die Designer Renate Renner und Tobias Siewert mit ihrer Stuttgart-Factory nach über vier Jahren ausgezogen. „Wir haben uns entschieden, unser Konzept zu verändern“, sagt Siewert, „und uns auf die Mode meinerseits und auf die Projektarbeiten, die Renate durchführt, zu konzentrieren.“ Projektarbeiten könnten vom Schreibtisch aus geführt werden – daher seien die Räume im früheren Café Nast nur für Mode viel zu groß. Die Stuttgart-Factory ist ins Bohnenviertel an die Esslinger Straße 8 in einen kleineren Laden umgezogen. Der Modedesigner rühmt die „kreative Umgebung im Bohnenviertel“ – die Innenstadt „mit den ganzen Baustellen“ sei gerade „eher schwierig“.

Der Kunstverkauf über Online war nur ein schwacher Ersatz

In seiner Pop-up-Galerie will Künstler Romulo Kurányi täglich von 10 bis 20 Uhr da sein. Sehr froh ist er, dass der direkte Kontakt mit möglichen Käufern wieder möglich wird. Die persönlichen Begegnungen, die wichtig seien für den Kunstbetrieb, hätten ihm sehr gefehlt. Der Kunstverkauf über Online könne da nicht mithalten.

„Meine Kunst ist eine emotionale Liebesgeschichte“, erklärt „Romu“, wie ihn seine Freunde nennen. Seine Handschrift ist Pop-Art mit klaren Linien und vielen Köpfen. Die Gesichter mit gesamter Gefühlsbreite fallen meist so aus, wie sich der Deutsch-Brasilianergerade fühlt. Mal sind es lustige, fröhliche Gestalten, mal wirken diese traurig und nachdenklich. Jeder Kopf ist anders. „Es kommt immer auf die Betrachter an“, sagt er, „was sie daraus lesen.“

Im Alter von zehn Jahren ist er nach Deutschland gezogen

Was die einen als lebensfroh wahrnehmen, sei für andere eher melancholisch oder depressiv. Seine Werke laden dazu ein, lange und genau hinzuschauen. Immer wieder entdeckt man Neues. „Meine Inspiration kommt aus den Facetten und der Vielfalt der Menschen unterschiedlicher Herkunft, da ich multikulturell aufgewachsen bin“, sagt Kurányi , der im Alter von zehn Jahren nach Deutschland gezogen ist. Die Gefühlswelt will er mit Linien, Punkten, Kreisen und Farbenfesthalten – und seine „Liebesbeziehung zur Kunst“ mit allen teilen.

Infos

Öffnungszeiten
Die Pop-up-Galerie von Romulo Kurányi startet am 17. Juli an der Neuen Brücke 3 und ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Stuttgart-Factory
Die Designer Renate Renner und Tobias Siewert, die bisher in den früheren Räumen des Cafés Nast waren, sind ins Bohnenviertel an die Esslinger Straße 8 (Eingang in der Wagnerstraße) umgezogen.




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