Pop zu Weihnachten Es muss nicht immer Bing Crosby sein

Der ansonsten völlig unbekannte DJ Paolo Monti mischt „Last Christmas“ und „Gangnam Style“. Unser Bild zeigt  einen Ausschnitt aus dem Video: Der Südkoreaner Psy rappt sich mit zwei schönen Frauen im Arm durch das weihnachtliche Schneegestöber. Foto: Screenshot
Der ansonsten völlig unbekannte DJ Paolo Monti mischt „Last Christmas“ und „Gangnam Style“. Unser Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Video: Der Südkoreaner Psy rappt sich mit zwei schönen Frauen im Arm durch das weihnachtliche Schneegestöber. Foto: Screenshot

Im CD-Regal stehen dieses Jahr Schmusesänger, Rockröhren und Psychedelika-Versionen von meist englischsprachigen Klassikern. Den Überhit der Adventssaison landen aber wieder einmal Wham – dank Psy und einem gewitzten DJ.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)
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Stuttgart - Gut zwei Wochen vor dem Fest haben die Radiosender auf Weihnachtsmodus umgestellt: Popsongs mit Heiligabendbezug kann man kaum entgehen. Was mit „White Christmas“ und „Little Drummer Boy“ bescheiden angefangen hat, ist in den vergangenen 30 Jahren zum eigenständigen Genre geworden. Weihnachtspop zeichnet sich durch eingängige Melodien, gefühlsbetonte (meist englische) Texte und den exzessiven Einsatz von Chören, Glockenspiel und sonstigen Klimperutensilien aus. Ansonsten ist stilistisch fast alles erlaubt, vom Schunkelsound über Benefizpop bis zum Hardrock.

2012 lassen sich in diesem Genre mehrere Trends feststellen. Zunächst: am besten verkaufen sich Klassiker, die in konventionellen Klangfarben eingespielt und von bekannten Sängern gesungen werden. Von den aktuellen Weihnachtsalben haben es Rod Stewart und Michael Bublé in die Charts geschafft; auf beiden findet man Berechenbares von „White Christmas“ über „Winter Wonderland“ bis „Silent Night“.

„Neu“ ist im Weihnachtspop relativ

Streng genommen handelt es sich nur bei Rod Stewarts Album um eine Neuerscheinung. Michael Bublé bringt sein im vergangenen Jahr veröffentlichtes „Christmas“ nochmal heraus, ergänzt um drei Songs. „Neu“ ist im Weihnachtspop ohnehin relativ: Die meisten Songs kennt man in- und auswendig; Neukompositionen sind selten. Deshalb kommt es bei Weihnachtsalben auf die Interpretation an.

Hier setzt auch der zweite Trend an: Psychedelische Aufnahmen im Stile der Sechziger und Siebziger. Hippieeske Versionen bekannter Weihnachtslieder liefern etwa The Polyphonic Spree. Das Musikerkollektiv aus Texas hat sein Album „Holidaydream“ komplett in Videofassung auf Youtube hochgeladen. Zu „Winter Wonderland“ sieht man etwa einen von Falten zerfurchten Santa Claus neben Schwarzweißbildern von Kindern im Schneetreiben.

Weihnachtssongs als Gesellschaftskritik

The Polyphonic Spree haben ihre Weihnachtslieder harmonisch verfremdet. Ganz ähnlich macht es der US-Singer/Songwriter Surfjan Stevens, der auf „Silver & Gold“ gleich 58 Songs veröffentlicht, die irgendwie mit Weihnachten zu tun haben. Auch hier geht nichts ohne Internetvideos: Man sieht zwei Moderatoren vor einem Kamin und Christbaum sitzen; so parodieren sie die im Fernsehen immer seltener zu sehenden Werbeclips für Best-of-CD-Boxen.

Man kann das als Zustandsbeschreibung der Welt deuten, die auch im Advent nicht mehr ganz in Ordnung ist, als Gesellschafts- und Konsumkritik. Vor allem hebt es sich aus dem Weihnachtspop-Einerlei hervor.




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