Popförderung: Das Land macht ernst Baden-Württemberg wird Popländ

„Sind wir Popländ?“ fragte unsere Zeitung im Juli im Sparda Welt Eventcenter Kulturstaatssekretär Arne Braun und die Sängerinnen Fola Dada (links) und Jiska. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Eine Million Euro pro Jahr sind im Doppelhaushalt des Landes 2025/2026 für die Förderung von Popmusik vorgesehen. Am 10. Dezember berät das Kabinett über die Vorlage.

Dieser Dienstag, 10. Dezember, ist ein besonderer Tag für die Populäre Kultur in Baden-Württemberg. Erstmals sind im Doppelhaushalt 2025/2026 Mittel in Höhe von einer Million Euro pro Jahr vorgesehen. Wie und wofür sie verwendet werden, hat die Szene im Dialogprozess Popkultur mitbestimmt. Der Abschlussbericht mitsamt den Empfehlungen werden am 10. Dezember im Kabinett vorgestellt. Im Anschluss will sich auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zur Popländ-Initiative äußern.

 

Arne Braun (Grüne), Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, löst mit der Präsentation im Kabinett ein, was er Mitte Juli bei der Veranstaltung „Sind wir Popländ?“ unserer Zeitung im Sparda Welt Eventcenter angekündigt hatte. „Pop“, hatte Braun dort gesagt, „ist ein ganz zentrales Kultursegment, das in der Wahrnehmung der Politik bisher immer zu kurz kam.“ Es sei „ein Thema, das die Gesellschaft in all ihren Schichten durchdringt“, ein „unbedingt wirtschaftliches Thema“ auch. Tatsächlich verzeichnete die Musikindustrie in Baden-Württemberg vor der Corona-Pandemie ein Umsatzwachstum von jährlich bis zu sieben Prozent.

Jiska plädierte bei „Sind wir Popländ?“ für eine anhaltende Produktionsförderung Foto: lg/Ewska

Die Popländ-Initiative vereint offenbar den Anspruch, in der Kulturförderung jüngere und breitere Zielgruppen anzusprechen, mit dem Bemühen, über die Pop-Büros zielgerichtet vor Ort Musikschaffen mit und anhaltend zu ermöglichen. „Das erste Mal, dass wir Pop in dieser Form fördern“, hatte Arne Braun denn auch bei „Sind wir Popländ?“ auf eine Frage aus dem Publikum geantwortet „ist jetzt.“ Damit löst die Koalition aus Grünen und CDU auch eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag ein – dort wurde als Ziel die Stärkung der Popkultur und die Durchführung des Strategieprozesses zur Populären Kultur genannt.

Die Rahmenbedingungen verbessern

Vor allem diese sieben Punkte, sind in den Popländ-Foren der vergangenen zwölf Monate als zentral erkannt worden: „Das Machen fördern, Netzwerke stärken, Popkultur sichtbar machen, Know-how erweitern, Fair P(l)ay, Pop überall und Pop im Labor.“ Und wie schon im Sommer auf dem „Sind wir Popländ?“-Podium unserer Zeitung, bekräftigt Udo Dahmen, bis 2023 Geschäftsführer der Popakademie Mannheim und Berater der Popländ-Initiative des Landes: „Um die herausragende Position Baden-Württembergs als einem Vorreiter der populären Musik in Deutschland zu stärken und Musikschaffende wie Veranstaltende im Land zu halten, braucht es verbesserte Rahmenbedingungen.“

Zuvorderst dieses soll laut einem unserer Zeitung vorliegenden Fazit des Dialogprozesses Popkultur umgesetzt werden: die „Weiterentwicklung der (über-)regionalen Fördernetzwerke, insbesondere der Popbüros und des RegioNet-Programms der Popakademie Baden-Württemberg“ sowie die „Sicherung der Festival-Konferenz About Pop in Stuttgart als Netzwerktreffpunkt und Leuchtturm für Baden-Württemberg und Süddeutschland“. Auch ein Ausrufezeichen ist vorgesehen – die „Vergabe eines neuen Förderpreises Pop als landesweit sichtbare Auszeichnung“.

Fola Dada sieht auch in der Szene selbst Entwicklungspotenzial – durch mehr Kommunikation über die Generationen hinweg. Foto: lg/Ewska

Wie schwierig die Situation gerade für junge Musikerinnen und Musiker im Land ist, hatten bei unserer „Sind wir Popländ?“-Runde im Sparda Welt Eventcenter die Sängerinnen Jiska und Fola Dada skizziert. Jiska sprach dort von einem Mangel an Räumen – und vom Glück der Förderungen, die sie erhielt, zum Beispiel über die Initiative Musik. „Es gibt aber sehr wenig“, sagte sie. Und: „Hätte ich all das nicht gehabt, würde ich nicht mehr Musik machen. Es rechnet sich nicht.“ Und für Fola Dada brauchte es mehr „Safe Spaces“, mehr „finanziell gesicherte Laborsituationen“, um sich ausprobieren zu können.

Es gibt auch Ungeduld

Was im Abschlussbericht zum Dialogprozess Popkultur nur angedeutet wird: Es geht in diesem Feld auch um Glaubwürdigkeit. Es gibt durchaus Ungeduld mit der bisherigen Entwicklung, auch was etwa den Umgang von Behörden mit Popmusik-Beteiligten angeht. Daraus resultieren Erwartungen. Für Kulturstaatssekretär Arne Braun und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst geht es weit über die eine Million Euro Fördergelder pro Jahr denn wohl vor allem um dies: „Popkultur sichtbar zu machen“.

Weitere Themen