Popländ fördert Pop in BW Was die Pop-Million bewirken soll – und was nicht

Die oberschwäbische Band Provinz darf als Musterbeispiel heimischer Popförderung gelten. Hier ein Bild vom Konzert im März 2024 in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Eine Million Euro gibt die Landesregierung 2025 und 2026 für Pop aus. Das ist nicht radikal neu – und doch wichtig, findet der Staatssekretär Arne Braun. Ist es auch genug?

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Die grün-schwarze Landesregierung stellt die Popmusikförderung in Baden-Württemberg neu auf. Unter dem Label„Popländ“ schüttet das Programm „Perspektive Pop 2.0“ dieses und nächstes Jahr jeweils 400 000 Euro aus – für „Formate, die sonst keine Chance hätten, umgesetzt zu werden“, sagt der Kunststaatssekretär Arne Braun. Dazu zählen Live-Events sowie Musikproduktionen.

 

Noch bis 13. Juli kann man sich für die erste Tranche bewerben, pro Projekt gibt es maximal 20 000 Euro. Die in Stuttgart stattfindende About Pop als zentrales Branchentreffen hat einen Zuschuss sicher, außerdem soll es Weiterbildungsangebote für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz geben. Nicht gefördert werden dagegen größere Events wie das Maifeld Derby. Das Mannheimer Festival braucht statt 100 000 Euro nach eigener Aussage eher 300 000 Euro an Fördermitteln und pausiert mindestens 2026.

Wie bisher gefördert wird

Das „Popländ“ fügt sich mit seiner im Landesdesign gehaltenen knallgelben Website nicht nur optisch ins bisherige Regierungshandeln ein. Seit etwas mehr als zwanzig Jahren bildet die Popakademie in Mannheim den Popnachwuchs aus, und die ebenfalls Anfang der 2000er gegründeten Popbüros tragen die Förderung in die Fläche. Das Programm „Bandpool“ bringt Newcomer wie die aus der Nähe von Ravensburg stammende Band Provinz durchaus auf größere Bühnen.

So ganz in Butter war bislang trotzdem nicht alles, befand man im Kunstministerium. Ein Jahr lang horchten Ministerin Petra Olschowski und ihr Staatssekretär in der Branche nach, was fehlt. Das wichtigste Ergebnis ist das Förderprogramm „Perspektive Pop 2.0“– 2.0, weil es einen gleichnamigen Piloten schon 2021 gab. 38 von 62 während der Pandemie beantragten Liveprojekten wurden damals mit 1,2 Millionen Euro bezuschusst.

Seed-Money für Young Professionals

Damals wie heute betont das Ministerium, dass der ländliche Raum gleichermaßen bedacht werde. Covid-19 ist nicht mehr das Thema, die Branche aber offenbar weiter bedürftig. Neu ist das Verständnis von „Newcomer und Young Professionals“ als Start-ups, die „Seed-Money benötigen, mit dem sie ihre Startchancen verbessern“ – so wird der ehemalige Popakademie-Direktor und offiziell als „Popländ“-Berater beschäftigte Udo Dahmen in der Pressemitteilung zitiert.

Ist Existenzgründung wichtiger als künstlerische Qualität? „Letztere ist Grundvoraussetzung für eine Förderung. Wir sollten aber Kreativwirtschaft auch als hartes Politikfeld denken und die Leute nicht nur ausbilden, sondern in Lohn und Brot bringen“, findet Arne Braun. Die Kreativwirtschaft habe „eine große Kraft, auch finanziell, und ist ein wirtschaftspolitisches Feld mit einem ungeheuren Zukunftspotenzial“.

Zwei Millionen vs. 1,2 Milliarden

In Klassik und Jazz spielt diese Denkart freilich eine geringere Rolle – bei größeren Förderbudgets. Insgesamt sind im aktuellen Doppelhaushalt des Landes mehr als 1,2 Milliarden Euro für Kultur vorgesehen. Neben den 800.000 Euro Fördermitteln der „Perspektive Pop 2.0“ hat das Ministerium in diesem und im kommenden Jahr zusätzlich insgesamt 1,2 Millionen Euro für Personalkosten und sonstige Zuschüsse etwa zur About Pop vorgesehen. Für den großen Wurf reicht das eher nicht aus, und 20 000 Euro pro Einzelprojekt sind bestenfalls eine Anschubhilfe – zumal die Förderbedingungen explizit faire Löhne einfordern.

War im wohlhabenden Baden-Württemberg nicht mehr drin, vor allem gemessen an dem großen Aufwand mit dem ein Jahr dauernden Dialogprozess? „In diesen Zeiten ist es schwierig, die Regierungsfraktionen im Landtag davon zu überzeugen, Mittel für neue Förderinstrumente bereitzustellen“, sagt Staatssekretär Braun. Die FDP wollte die jährliche Pop-Million gar ganz streichen.

Jedes Bundesland fördert anders, deshalb ist der innerdeutsche Vergleich schwierig. Dem „Popländ“ am ähnlichsten ist das niedersächsische Programm „LAG Rock“, für das jährlich 200 000 Euro vorgesehen sind. Andere Länder gewähren Einzelprojekten ähnliche Fördersummen wie die „Perspektive Pop 2.0“.

Jurynamen nicht genannt

Der aus dem Dialog entwickelte Prozess enthalte auch mittel- und langfristige Handlungsempfehlungen. Besonders wichtig sei eine Verstetigung über das Jahr 2026 hinaus: „Das sollte das Ziel der Koalitionspartner sein.“ Ob sich ein etwaiger Ministerpräsident Manuel Hagel daran gebunden fühlt?

Auch kurzfristig ist noch einiges im Ungefähren. Der bei dem Branchentreffen About Pop im Mai angekündigte Popkultur-Preis wird noch konzipiert, soll aber dieses Jahr verliehen werden. Die Namen der Jury, die über die „Perspektive Pop 2.0“-Förderung entscheidet, will er nicht nennen und so Kungelei innerhalb der letztlich doch überschaubaren Szene im „Popländ“ vorbeugen.

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