Als wichtiges Zeichen strich Blume heraus, dass Porsche mitten in der Corona-Pandemie und der großen Transformation der Automobilbranche eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung für die Stammbelegschaft bis zum Jahr 2030 abgeschlossen habe. Nach einer deutlichen Aufstockung der Belegschaft für die Produktion des im Herbst 2019 gestarteten ersten Elektroautos der Marke blieb die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr stabil bei rund 36 000 Mitarbeitern.
Porsche könnte erstmals mehr als 300 000 Autos verkaufen
„Wir bauen keine Jobs ab und trennen uns von keinen Tochtergesellschaften. Im Gegenteil. Wir investieren in unsere Mitarbeiter und in unsere Zukunft“, sagte Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke. Der Finanzchef hatte zuvor in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt, dass die Belegschaft in den kommenden Jahren nicht mehr so stark aufgestockt werde wie bisher. „Jetzt schauen wir genau hin, in welchen Bereichen wir noch zusätzliche Mitarbeiter benötigen“, so Meschke. Der Finanzchef nannte in diesem Zusammenhang die Zukunftsfelder Elektrifizierung, Digitalisierung und Softwareentwicklung.
Obwohl sich die Corona-Pandemie wieder stärker ausbreitet, zeigte sich der Porsche-Chef zuversichtlich für das laufende Jahr. „Wir sind mit einer hohen Drehzahl in das Jahr 2021 gestartet. Sowohl die Auslieferungszahlen als auch die Aufträge zeigen: Wir sind auf einem starken Kurs“, sagte Blume. Erstmals könnte der Stuttgarter Sportwagenbauer nach Einschätzung des Vorstandschefs in diesem Jahr mehr als 300 000 Autos verkaufen. Im vorigen Jahr gab es wegen Corona einen leichten Absatzrückgang auf 272 000 Wagen. Auch für die Ertragsentwicklung zeigte sich Finanzvorstand Lutz Meschke zuversichtlich. Trotz angespannter Wirtschaftslage soll erneut eine operative Umsatzrendite von 15 Prozent erreicht werden.
Bei der Rendite ist Porsche spitze in der Autoindustrie
Im Vorjahr erreichte diese Kennziffer für die Ertragskraft bei einem operativen Gewinn von 4,2 Milliarden Euro 14,6 Prozent und lag im strategischen Zielkorridor. Der Stuttgarter Sportwagenbauer bleibt damit einer der renditestärksten Autobauer weltweit und schneidet deutlich besser ab als die Premiumhersteller Audi, BMW oder Mercedes-Benz. Der Porsche-Umsatz erreichte den Rekordwert von 28,7 Milliarden Euro.
Nachdem im vergangenen Jahr trotz Corona-Pandemie wie geplant insgesamt gut 20 000 Wagen des Porsche Taycan, des ersten Elektroautos der Marke, verkauft wurden, sollen in diesem Jahr laut Blume zusammen mit dem Schwestermodell Taycan Cross Turismo – einer Mischung aus geräumigem Kombi, Coupé und Geländewagen – deutlich über 30 000 reine E-Autos verkauft werden. „Die Nachfrage ist toll, auch für den Cross Turismo“, sagte Blume.
Bis 2030 sollen 80 Prozent der verkauften Autos elektrisch fahren
In den kommenden Jahren will der Sportwagenbauer sein Angebot an Autos mit reinem Elektro- sowie Plug-in-Hybridantrieb massiv ausbauen. Im vergangenen Jahr wurde jeder dritte Porsche mit Hybrid- oder Elektroantrieb ausgeliefert, bis 2025 soll es jedes zweite Fahrzeug sein, bis 2030 mehr als 80 Prozent. Bis dahin soll Porsche über die ganze Wertschöpfungskette einschließlich der Nutzung des Fahrzeugs bilanziell CO2-neutral sein und somit unter dem Strich das Klima nicht belastet werden. „Damit übernimmt Porsche eine Vorreiterrolle in der Automobilindustrie“, sagte Blume.
Finanzchef Meschke ließ erneut erkennen, dass er mit einem Börsengang von Porsche sympathisiert. Die Vorteile eines solchen Schritts seien hinlänglich bekannt, diesen könne „man sich auch nicht verschließen, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt“, sagte Meschke.
Die Entscheidung über einen Börsengang liege allerdings allein bei Volkswagen, Porsche könne nur Argumente liefern. In einem Interview mit unserer Zeitung hatte Meschke zuvor gesagt, dass es grundsätzlich immer sinnvoll sei, einzelne Marken des VW-Konzerns an die Börse zu bringen, um deren Wert auch klar sichtbar zu machen. Im Moment spiegele sich der wahre Wert der einzelnen Tochtergesellschaften in der Bewertung des Multi-Marken-Konzerns Volkswagen nicht wider, so der Finanzchef.