Drei- statt Zweischichtbetrieb in Leipzig
In Leipzig wird von Mitte August an für ein Jahr im Drei- statt im Zweischichtbetrieb produziert. Darauf hatten sich Unternehmen und Betriebsrat bereits vor Corona verständigt. Die Entscheidung habe weiter Bestand, sagt der Sprecher nun.
Porsche will den durch die Verbreitung des Coronavirus bedingten Produktionsausfall rasch kompensieren: „Natürlich wollen wir so viele Fahrzeuge wie möglich wieder aufholen. Schritt eins war, dass wir innerhalb kürzester Zeit die Produktion wieder auf unser Normalniveau hochgefahren haben. Im zweiten Schritt haben wir gemeinsam mit dem Betriebsrat weitere Sondermaßnahmen wie beispielsweise zusätzliche Schichten an einzelnen Samstagen vereinbart“, sagt Produktionsvorstand Albrecht Reimold unserer Zeitung.
Neustart am 4. Mai
Es sei ein „enormer Kraftakt“ gewesen, innerhalb von knapp vier Wochen wieder die reguläre Auslastung zu erreichen. „Stellenweise sind wir sogar ein bisschen besser unterwegs als vor dem Produktionsstopp“, sagt der Manager. Er bewertet die zusätzlichen Schichten als geeignetes Mittel, „die Produktion noch flexibler zu steuern, um die Nachfrage zu bedienen“. Der Betriebsrat war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Porsche hat am 4. Mai wieder zu fertigen begonnen, nachdem die Produktion wegen der Corona-Pandemie sechs Wochen lang geruht hatte. In Zuffenhausen baut Porsche täglich in zwei Schichten die Modelle 911, 718 (Cayman, Boxster) und den Elektrosportwagen Taycan. In Leipzig werden Panamera und Macan gefertigt.
Die Porsche-Mitarbeiter produzieren gemäß der coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln; nach und nach wolle man sich dem Normalbetrieb wieder nähern, sagt der Porsche-Sprecher. Begünstigt wird die Entwicklung auch dadurch, dass die Beschäftigten in der Produktion schon im Mai nicht mehr kurzgearbeitet haben. Von der Zwangspause war laut Porsche etwa ein Drittel der Belegschaft betroffen – die Mitarbeiter waren in Kurzarbeit und haben zudem Arbeitszeitkonten und Resturlaub abgebaut, wie Reimold kürzlich im Interview mit unserer Zeitung dargelegt hatte. In Zuffenhausen waren demnach mehr als 7000 Mitarbeiter aus dem Produktionsbereich zu Hause, im Leipziger Werk habe die produktionsfreie Zeit etwa 3000 Mitarbeiter betroffen.
Corona-Zwangsstopp hat Kunden nicht vergrault
Öffentliche Kritik daran, dass Porsche als einer der profitabelsten Autobauer der Welt über das Mittel der Kurzarbeit überhaupt staatliche Hilfe in Anspruch nehme, will Reimold nicht gelten lassen: „Die Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren viel Geld in die Sozialkassen eingezahlt, es ist nur gerecht, dass sie in der aktuellen Situation Geld aus diesen Kassen erhalten“, hatte er im Interview betont.
In den Taycan, Porsches ersten rein elektrisch betriebenen Sportwagen, setzt das Unternehmen große Hoffnungen. Die Auftragsbestände seien gut, sagt Reimold. Der sechswöchige Zwangsstopp hat die Kunden offensichtlich nicht vergrault: „Besonders freut uns, dass kein Kunde in den vergangenen Wochen vom Kauf zurückgetreten ist“, sagt der Vorstand. Für den Taycan gibt es laut Porsche mehr als 15 000 Bestellungen, die Produktion sei bereits auf 20 000 Exemplare ausgelegt.
Die Volkswagen-Tochter fertigt ihre Autos größtenteils auf Bestellung. Sie werden also nicht auf Halde produziert, wie dies bei anderen Herstellern oft der Fall ist. In China und den USA läuft es etwas anders. Porsche-Händler bestellen Fahrzeuge, die in puncto Farbe und Ausstattung beliebt sind. Kunden kauften dann die Autos direkt vom Hof, so der Porsche-Sprecher. Gerade in China wolle der Kunde nicht ein halbes Jahr auf sein Fahrzeug warten. „Das Geschäft auf unserem größten Markt China ist wieder erfreulich gut angelaufen“, sagt Reimold zur aktuellen Entwicklung in dem Land.
Autoexperte sieht mögliche Probleme auf Porsche zukommen
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bescheinigt Porsche mit dem Taycan „eine schöne Wachstumsgeschichte“. Der Chef des Forschungsinstituts CAR an der Universität Duisburg-Essen sieht aber insgesamt in den nächsten Monaten mögliche Probleme auf die Zuffenhausener zukommen. „In China ist Porsche gut unterwegs. Aber problematisch könnte es in anderen Ländern werden.“ Die USA hält Dudenhöffer für einen Wackelkandidaten, vor allem dann, wenn Präsident Donald Trump das Thema Strafzölle gegen europäische Autohersteller wieder stärker verfolge. Anders als Daimler und BMW beispielsweise hat Porsche keine US-Standorte und könne deshalb in Trumps Visier geraten. Auch die stark vom Coronavirus betroffenen Länder Italien und Großbritannien, das zudem mit der EU über die Ausgestaltung künftiger Handelsbeziehungen über Kreuz liegt, „fallen als relevante Absatzmärkte vielleicht aus“, meint Dudenhöffer. „Insgesamt werden neue Aufträge schwieriger hereinkommen.“
Reimold bewertet die Lage Porsches denn auch als „weltweit extrem unterschiedlich“ und hält sich mit Prognosen für das Gesamtjahr zurück. Dafür sei es zu früh, der Produktionschef sagt aber: „Wir trauen uns zu, im zweiten Halbjahr noch mehr Schwung zu bekommen.“