Es wird nun doch kein Reiterhof errichtet. Das Baugesuch wurde am Freitag zurückgezogen. Gegen das Projekt hatte es heftigen Protest gegeben.

Weil der Stadt - Für die einen ist es ein Sieg, für die anderen eine verpasste Gelegenheit: Claudia Porsche hat am Freitag der Stadtverwaltung von Weil der Stadt (Kreis Böblingen) mitgeteilt, dass sie ihr Baugesuch für eine Pferdezucht im Landschaftsschutzgebiet Mönchsloh zurücknimmt. Dort sollten neben einem Wohnhaus mit 250 Quadratmetern auch Pferdeställe und eine Reithalle mit 1260 Quadratmetern entstehen – je nach Lesart zwischen zwölf und 30 Arbeitsplätze sollten entstehen. Den Ausschlag für den Rückzug des Baugesuches habe vor allem die lange Verfahrensdauer gegeben, außerdem seien verschiedene Rechtsfragen offen, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Der Hauptgrund für diesen Rückzug dürfte sich in den Kaufverträgen finden, welche die Porsches mit Grundstücksbesitzern geschlossen haben. Diese werden nur dann wirksam, wenn das Projekt auch genehmigt wird – ein Vorbehalt, der jedoch nach Informationen unserer Zeitung Ende der kommenden Woche ausgelaufen wäre. Dann wäre die Familie womöglich auf Grundstücken gesessen, auf denen sie gar nicht bauen dürfen.

Bei der Bürgerinitiative Mönchsloh ist diese Nachricht mit großer Freude aufgenommen worden. "Sehr viele Mitbürger sind der Familie Porsche für ihren Entschluss dankbar", schreibt die Initiative. Ihr Ziel sei nun erreicht, den offenen Höhenrücken auf dem Mönchsloh für künftige Generationen frei zu halten. Auf dieses Ziel habe man "in allen Aktivitäten sachlich" hingearbeitet.

Die Auseinandersetzung hat tiefe Gräben hinterlassen


Bürgermeister Hans-Josef Straub sieht das anders: "Bei den Protesten wurde vieles behauptet, was einfach nicht gestimmt hat." So habe Initiative jüngst behauptet, der Regionalverband müsse zu dem Projekt gehört werden – was nach Aussage des Planungsdirektors der Region, Thomas Kiwitt, falsch ist. Straub geht mit den Projektgegnern hart ins Gericht: "Wer selbst ein sauberes Verfahren fordert, sollte selbst sauber arbeiten und keine Lügengeschichten erzählen".

Der Grünen-Stadtrat Wolfgang Fischer sieht auch Fehler auf Seiten Straubs: So hätten dem Technischen Ausschuss, der dem Bebauungsplan zustimmte, nur unzureichende Unterlagen vorgelegen. Ein wenig trauert der Grüne nun der Möglichkeit nach, die von Stadt und Landratsamt getroffenen Entscheidungen durch das Regierungspräsidium überprüfen zu lassen. Denn durch den Rückzug des Baugesuches habe die Stuttgarter Behörde keinen Grund mehr, das seit gut vier Wochen laufende Prüfverfahren fortzusetzen, betont ein Sprecher.

Auch wenn seit Freitag das Mönchsloh-Projekt vom Tisch ist – die zum Teil heftige Auseinandersetzung hat in Weil der Stadt tiefe Gräben hinterlassen. "Man sollte Ratskollegen nicht unterstellen, dass sie nicht fähig sind, sich aus den vorgelegten Unterlagen eine Meinung zu bilden", sagt beispielsweise der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernhard Weisser. "Es wird interessant werden, wie wir künftig mit Bauprojekten im Außenbereich umgehen", sieht FDP-Rat Dietmar Spreer unruhige Zeiten auf den Gemeinderat zukommen. Wolfgang Fischer mag von einem Gegensatz zwischen den Grünen und der Verwaltung nichts wissen: "Wir haben doch bisher bestimmt 95 Prozent der Vorlagen der Verwaltung zugestimmt. Nur sind wir Gemeinderäte eben auch manchmal dazu verpflichtet, Nein zu sagen.