Porsche Grand Prix in Stuttgart Tennisturnier vor ungewisser Zukunft

So viel Zeit muss sein: Tatjana Maria und Ylena In-Albon begegnen sich nach ihrer Erstrundenpartie herzlich. Foto: Baumann

Der beabsichtigte Neubau der Schleyerhalle betrifft auch den Tennis Grand Prix in der benachbarten Porsche-Arena. Das Turnier von 2026 an vorübergehend anderswo auszutragen, ist Teil der Gedankenspiele. Der Veranstalter betont indes: „Das Turnier gehört nach Stuttgart.“

Sport: Gregor Preiß (gp)

Die Veranstalter konnten sich zum Abschluss des Stuttgarter Turniers über ein echtes Traumfinale freuen: Iga Swiatek gegen Aryna Sabalenka. Die Nummer eins gegen die Nummer zwei der Welt. Tennisherz, was willst du mehr?

 

Turnierdirektor Günthardt: „Ich bin zufrieden. Aber es gibt immer Luft nach oben.“

Entsprechend zufriedenstellend fiel die Bilanz nach der 46. Auflage des Porsche Grand Prix in Stuttgart aus, der in seiner Tradition und Ausgestaltung als einzigartig bezeichnet werden darf. „Wir haben tolle Matches gesehen“, sagte Anke Huber. Stolz stellte die Sportliche Leiterin fest, dass sich erstmals seit fünf Jahren die zwei Bestplatzierten der Weltrangliste in einem Finale der Tour duellierten. Besser geht’s nicht. Mit Blick auf die Resonanz zog Turnierdirektor Markus Günthardt ebenfalls ein positives Fazit. „Was die Zahlen in der Halle als auch vor den Bildschirmen betrifft, bin ich zufrieden. Aber es gibt immer Luft nach oben.“

Das Ganze ist kein Selbstläufer. Veranstalter Porsche beschäftigt eine Vielzahl von Mitarbeitern, die das ganze Jahr über die Werbetrommel für ihr Turnier rühren. Sie reisen rund um den Globus, um die Stars der Szene freundlich an den kommenden Apriltermin in Stuttgart zu erinnern. Bei den US Open wurden ihnen sogar individuell gestaltete Flyer überreicht.

Das Turnier muss mit der Zeit gehen

Mangels deutscher Stars ist und bleibt das traditionell top besetzte Teilnehmerfeld das Zugpferd des Turniers. Nach der ersten regulären Austragung ohne Corona-Einschränkungen seit vier Jahren ist die Weltelite auch 2024 wieder in Stuttgart zu erwarten. Günthardt sprach von einer „gelungenen 3.0-Version der Veranstaltung“. Andere Schlägersportarten wie Padel wurden ins Programm geholt, um mit der Zeit zu gehen. Dazu: mehr Begleit-Events, mehr Unterhaltung. Tennis allein genügt den Ansprüchen an eine moderne Freizeitveranstaltung nicht mehr.

Was mittelfristig mit dem Turnier geschieht, das seine Ursprünge 1979 in Filderstadt und seine Heimat seit 2006 in der Porsche-Arena gefunden hat, steht in den Sternen. Der beabsichtigte Neubau der benachbarten Schleyerhalle tangiert auch die Traditionsveranstaltung. Die 1983 gebaute Halle dient als Ergänzung für Begleit-Events. Zudem sind Teile der Gastronomie und zwei zusätzliche Tennisplätze für Training, Qualifikation und Doppelwettbewerb dort untergebracht. Nach dem Willen der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart soll der in die Jahre gekommene Mehrzweckbau einer neuen Arena weichen. Gibt der Gemeinderat grünes Licht, könnte 2026 Baubeginn sein.

Veranstalter Porsche könnte das Turnier überall austragen

Für den Porsche Grand Prix würden sich dann große logistische und organisatorische Hürden auftun. Unüberwindbare Hürden? „Wir brauchen vor allem Flächen“, sagte Günthardt. „Eine Halle mit 20 000 Sitzplätzen bringt uns nichts.“ Sorge macht ihm vor allem die mögliche Umbauzeit von mehreren Jahren. Sie könnte zur Folge haben, dass das Turnier zumindest temporär an einem ganz anderen Standort ausgetragen werden könnte. In Deutschland, Europa oder sonst wo auf der Welt.

Auf etwaige Überlegungen angesprochen, sagte in.Stuttgart-Geschäftsführer Andreas Kroll: „Ich sehe das Turnier weiterhin in Stuttgart. Es könnte auch in der Bauphase hier stattfinden, und ich bin sicher, dass wir eine Interimslösung finden werden.“ Ein Gebäudekomplex hinter der Porsche-Arena könnte etwa für Trainingsplätze zur Verfügung stehen.

Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart ist zuversichtlich, eine Lösung zu finden

Das letzte Wort hat Porsche. Der Autobauer aus Zuffenhausen ist nicht nur Namensgeber und Sponsor, sondern besitzt auch die Lizenz als Ausrichter. Porsche kann das Turnier theoretisch überall austragen. Zur Zukunftsfrage erklärte Deniz Keskin, Leiter des Markenmanagements beim Sportwagenhersteller: „Das Turnier benötigt eine Infrastruktur, damit es funktioniert. Wir sind mit der Stadt permanent im Austausch und werden uns die Pläne genau anschauen.“ Zugleich betonte Keskin: „Der Porsche Tennis Grand Prix gehört nach Stuttgart.“

Anders als Konkurrent Mercedes, der sich vom Männerturnier auf dem Weissenhof ebenso zurückgezogen hat wie vom Reitturnier in der Schleyerhalle und der auch seine Aktivitäten beim VfB Stuttgart zurückfahren will, unterstreicht Porsche sein Bekenntnis zum Standort des Firmensitzes. Was nicht ausschließt, dass das Turnier ein paar Jahre lang anderswo stattfinden könnte.

Von 2026 an frühestens. So lange gilt für die Macher der Veranstaltung: Nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Nachdem der letzte Ball geschlagen ist, beginnt das Werben um die Stars für 2024 von Neuem.

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