Porsche leistet sich im Dorotheen-Quartier auf rund 300 Quadratmetern einen Laden, in dem das bloße Verkaufen in den Hintergrund tritt.

Die Traumfabrik ordnet jeder Hollywood zu. Für manchen Automobil-Liebhaber werden Träume dagegen in Zuffenhausen handfest bei Porsche fabriziert. Doch seit Donnerstagabend hat die Marke auch eine ideelle Traumfabrik. Im Dorotheen Quartier, dort wo bisher die Marke Tesla ihre E-Autos ins Schaufenster gestellt hatte, ist der Sportwagenhersteller jetzt mit einer besonderen Repräsentanz zu finden. Es ist ein sogenannter Brandstore (Markenladen) – und es ist weltweit der erste von Porsche. Im Mittelpunkt steht das Motto „Driven by Dreams“. Soll heißen: Es ist einerseits das Glaubensbekenntnis, von Träumen getrieben zu sein, aber man will auf dieser Handelsfläche auch Träume verkaufen.

 

Wertevermittlung einer Marke

„Hier kommen die Besucher auf völlig neuartige Weise mit der Marke in Kontakt. Gemeinsam mit bekannten und neuen Partnern präsentieren wir neben unseren Sportwagen eine große Bandbreite von Produkten und Eventformaten – alles mit Bezug zum Thema Träume“, sagt Alexander Pollich, Vorsitzender der Geschäftsführung Porsche Deutschland GmbH. Dieser Raum in der City soll den Antrieb und die innere Haltung des Unternehmens darstellen. Gleichzeitig sei es auch ein Bekenntnis zum Standort Stuttgart.

Im Gegensatz zu Mercedes hat Porsche damit ein Zeichen der lokalen und regionalen Identität gesetzt. Denn die Marke mit dem Stern betreibt schon geraume Zeit eine Fläche mit demselben Konzept – allerdings in München. Statt des klassischen Autohauses mit Produkten zum Anfassen, geht es in diesen Stores nicht vordergründig ums Kaufen. Natürlich können Kaufinteressierte in diesen Läden ihr neues Fahrzeug konfigurieren und vorbestellen, aber die eigentlichen Ziele lauten Kundenbindung, Markenaufbau und die Stärkung der jeweiligen Community.

Hinter dem Konzept steckt Liganova

Hinter dem Konzept steckt sowohl bei Mercedes als auch bei Porsche die Stuttgarter Ideenschmiede Liganova. „Die Fläche wird mehr sein als nur Ausstellungsraum für Produkte. Hier entstehen Markenräume und soziale Interaktionsflächen“, sagt Liganova-Geschäftsführer Mathias Ullrich, „das ist es, was die Menschen in die Städte zieht. Andere Menschen treffen, Inspiration erleben oder auch nur entertaint werden. Die größte Produktauswahl zu finden ist nicht mehr das primäre Ziel.“

Damit folgt auch Porsche dem allgemeinen Trend im Handel. Als Vorreiter gilt dabei der Edel-Yogahosen-Hersteller Lululemon, der ebenfalls im Quartier zu finden ist. Aber auch Sport-Scheck geht in Stuttgart mit seinem Pilot-Shop diesen Weg. Die Innenstadtlagen werden sich so laut Ulrich „zu Erlebniswelten des Handels verändern. Es wird mehr um Inspiration als um das direkte Kaufen gehen“. Kurzum: Es entstehen Traumfabriken.

Damit startete Porsche am Donnerstagabend mit einem Aufgebot an internationalen Stars. Wahrscheinlich hätte man sich auch Daniel Craig alias 007 leisten können. Stattdessen war seine deutsche Synchronstimme Dietmar Wunder da und bat alle, die Augen zu schließen, ehe er ins Mikro hauchte: „Mein Name ist Bond, James Bond.“ Und schon war das Kopfkino an – es wurde geträumt. Und genau darum geht es, wie die Experten sagen: Junge und neue Zielgruppen mit anderen Werten und Ideen abzuholen. Etwa mit einem „Connected-Walkable-Instagram-Space“, wie die Liganova-Entwickler den neuen Porsche-Store nennen.