Sportwagenhersteller aus Stuttgart Wie sich Porsche für die Zukunft wappnet

Von Anne Guhlich 

Der Sportwagenbauer Porsche verordnet sich ein Programm, das durch Effizienzsteigerung und die Erschließung zusätzlicher Geschäftsfelder sechs Milliarden Euro bringen soll.

Vorstandschef Oliver Blume will durchstarten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Vorstandschef Oliver Blume will durchstarten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Einführung der E-Mobilität wird bei den Autoherstellern in den kommenden Jahren große Löcher in die Bilanzen reißen. Nach Informationen unserer Zeitung startet der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche daher nun ein Ergebnisprogramm mit einem Volumen von sechs Milliarden Euro.

„Wir planen die Umsetzung eines Programms, das in den kommenden drei Jahren mehrere Milliarden Euro zum Ergebnis beiträgt“, bestätigte der Porsche-Chef Oliver Blume unserer Zeitung. Eine Summe wollte er nicht nennen. Doch laut Insidern soll das Programm vom kommenden Jahr an bis 2022 durchschnittlich zwei Milliarden Euro pro Jahr zum Ergebnis beitragen. Ein Großteil der insgesamt sechs Milliarden Euro soll demnach durch eine Steigerung der Effizienz etwa in der Produktentwicklung und der Fertigung sowie durch eine Senkung der Materialkosten gespart werden. Außerdem will sich das Unternehmen neue digitale Geschäftsmodelle erschließen. Eine Senkung der Personalkosten ist nicht vorgesehen.

Die Umsatzrendite soll stabilisiert werden

Momentan verbucht Porsche eine Umsatzrendite von 17,5 Prozent. Das ist zwar weit mehr als die Renditen anderer deutscher Hersteller, aber es ist auch das Ergebnis, das Volkswagen als Mutterkonzern von Porsche erwartet. Der Porsche-Vorstand fürchtet, dass die Umsatzrendite nach 2022 unter 15 Prozent sinken könnte, wenn Porsche nicht gegensteuert. Grund sind die hohen Aufwendungen für die E-Mobilität, die mit geringeren Erträgen einhergehen. Porsche hat sich bei der Elektromobilität in kürzerer Zeit mehr vorgenommen als die meisten Hersteller. Bei einer internen Veranstaltung sagte Blume, der Anteil von elektrischen Fahrzeugen soll bis 2025 bei 50 Prozent liegen. Dazu zählen nicht nur rein batterieelektrisch betriebene Modelle, sondern auch Hybridfahrzeuge. Intern heißt es bei Porsche, der Sportwagenbauer verdiene an einem E-Auto rund 10 000 Euro weniger als an einem Verbrenner.

Nachfrage nach dem Taycan ist stark

Im kommenden Jahr bringt Porsche mit dem Taycan seinen ersten rein batterieelektrischen Sportwagen auf den Markt. Die Nachfrage nach dem Tesla-Jäger ist offenbar groß. Nach Informationen unserer Zeitung verzeichnet das Unternehmen allein in Norwegen, wo Porsche ein Pilotprojekt mit Reservierungen gestartet hat, bereits 2000 Vorbestellungen – bislang setzt Porsche in Norwegen pro Jahr lediglich 600 Fahrzeuge ab. Die Elektromobilität drückt nicht nur auf die Zahlen von Porsche. Auch der Daimler-Konzern hat sich ein Sparprogramm mit einem Volumen von vier Milliarden Euro verordnet. „Durch die Elektromobilität steigt für die Autobauer der Druck auf die zukünftigen Renditen und der Zwang zu Kostenoptimierungen“, sagt Wolfgang Nieke, Betriebsratschef im Mercedes-Werk in Untertürkheim. Heute sei unklar, wie schnell die Stückzahlen von E-Fahrzeugen steigen werden. „Insofern werden die Automobilhersteller in der Einführung weniger verdienen als bei den Verbrennungsmotoren.“

Auch die Unternehmensberatung Alix Partners geht in einer Studie von sinkenden Margen in der Autoindustrie aus. Demnach haben die 13 weltweit größten Autohersteller 2017 mit 200 Milliarden Euro so viel investiert wie nie zuvor und planen, bis 2022 über 200 neue E-Modelle auf den Markt zu bringen. „Sie werden dabei viel Geld verlieren – nicht zuletzt deshalb, weil vergleichsweise geringe Absatzzahlen für die einzelnen Modelle zu erwarten sind“, so die Autoren der Studie.