Porsche Siebte Baureihe wird ein Elektroauto

Porsche-Chef Müller ist gut gelaunt: Der Start ins neue Geschäftsjahr sei bestens gelungen. Bis Ende Februar seien deutlich mehr Autos   ausgeliefert worden als im Vorjahreszeitraum. Foto: dpa
Porsche-Chef Müller ist gut gelaunt: Der Start ins neue Geschäftsjahr sei bestens gelungen. Bis Ende Februar seien deutlich mehr Autos ausgeliefert worden als im Vorjahreszeitraum. Foto: dpa

Porsche plant die Produktion eines Elektroautos. Noch gibt es allerdings keinen Vorstandsbeschluss.

Wirtschaft: Harry Pretzlaff (hap)
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Stuttgart - Eigentlich wollte Porsche-Chef Matthias Müller den Journalisten nur den Mund wässrig machen. „Wir werden in nicht allzu ferner Zukunft eine siebte Modellreihe vorstellen“, kündigte Müller bei der Vorlage der Bilanz an. Es gebe vielversprechende Pläne, aber noch keinen Vorstandsbeschluss, bat der Porsche-Chef um Verständnis, dass er mehr zu dem geplanten Wagen nicht sagen könne. Doch dann ist ihm im Laufe der Pressekonferenz irgendwie das Wort „Elektroauto“ herausgerutscht. Gegen „Ende der Dekade“, so Müller, solle der Wagen auf den Markt kommen. Die wichtigen Komponenten würden im VW-Konzern gemeinsam entwickelt.

Zum Produktionsstandort wollte sich Müller nicht äußern, sondern sprach vage von „einem Standort des VW-Konzerns“. Das schmeckt Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück überhaupt nicht. Hück warnt schon seit Längerem, dass im Stammwerk Zuffenhausen Ende des Jahrzehnts Arbeit fehle, wenn neben den Sportwagen 911, Boxster und Cayman nicht noch weitere Arbeit nach Zuffenhausen geholt werde. Denn das Unternehmen dreht Jahr für Jahr kräftig an der Produktivitätsschraube. „Es muss Arbeit reinkommen. Ob das eine weitere Baureihe ist oder über eine höhere Fertigungstief geschieht, dazu werde ich mich nicht äußern“, sagte Hück der Stuttgarter Zeitung. Ohne ein zusätzliches Modell oder eine höhere Fertigungstiefe gäbe es langfristig ein Beschäftigungsproblem.

Der Betriebsrat befindet sich gerade in Sondierungsgesprächen für eine neue Vereinbarung zur Standortsicherung in Zuffenhausen. Die derzeitige Vereinbarung läuft zur Jahresmitte aus. Hück stellte klar, er werde nur eine neue Vereinbarung unterschreiben, wenn darin auch die Zusage enthalten ist, dass Arbeit nach Zuffenhausen komme, entweder über erhöhte Fertigungstiefe oder die Produktion neuer Fahrzeuge. Für den Standort Zuffenhausen müsse auf längere Sicht zumindest ein moderates Wachstum der Produktion garantiert werden, so Hück.

Die Belegschaft wird weiter aufgestockt

Der Betriebsratschef warnte den Vorstand zugleich, sich vorschnell auf einen anderen Standort festzulegen und nur Scheinverhandlungen über eine Produktion in Zuffenhausen zu führen. „Dann werden wir demonstrieren, wie schnell Schluss sein kann mit Produktivität und Flexibilität“, drohte der Betriebsratschef.

Die Belegschaft des Autoherstellers soll nach Angaben von Porsche-Chef Müller in diesem und auch in den kommenden Jahren weiter aufgestockt werden. Seit 2010 ist die Zahl der Stellen um 70 Prozent auf mehr als 22 400 Mitarbeiter gestiegen, allein im vergangenen Jahr seien 3000 neue Jobs geschaffen worden, so Müller. Bis 2018 sollen etwa 25 000 Mitarbeiter an Bord sein.

Der Start ins neue Geschäftsjahr sei bestens gelungen, sagte der Porsche-Chef. Bis Ende Februar seien weltweit bereits fast 31 000 neue Fahrzeuge ausgeliefert worden, ein Drittel mehr als in den ersten beiden Monaten des Vorjahres. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass die ersten Exemplare des neuen kompakten Geländewagens Macan erst im April vergangenen Jahres an den Start gegangen ist. Der Zuwachs in den ersten Monaten dieses Jahres ist also überzeichnet. Der neue Macan hat wesentlich dazu beigetragen, dass 2014 das bisher erfolgreichste Geschäftsjahr von Porsche war. Der Wagen sei „begeistert am Markt aufgenommen“ worden, so der Porsche-Chef. Bis Dezember wurden 45 000 Macan verkauft. Ohne dieses Modell wäre der Absatz zurückgegangen. In diesem Jahr sollen insgesamt 72 000 Macan verkauft werden. Der Absatz und der Umsatz sollen auch insgesamt zulegen. Erstmals sollen mehr als 200 000 Wagen mit dem Rössle-Wappen Käufer finden.

Am Renditeziel wird festgehalten

Beim Blick auf die Entwicklung des Gewinns wollten die Vorstände indes keinen neuen Rekord versprechen. Im vergangenen Jahr lag die operative Umsatzrendite vor Steuern bei 18 Prozent, weit über den Werten der anderen deutschen Autobauer. Es sei ein ambitioniertes Ziel, 2015 wieder ein Ergebnis auf Vorjahresniveau zu erreichen, sage Finanzvorstand Lutz Meschke. Das Unternehmen halte aber an dem strategischen Renditeziel von 15 Prozent fest. Meschke verwies auf Belastungen der Ertragsrechnung durch Investitionen in die Erhaltung und den Ausbau der Standorte. Zudem gibt das Unternehmen viel Geld für alternative Antriebe aus. Die Kosten können jedoch nicht an die Kunden weitergegeben werden. So liegen die Kosten eines Wagens mit Plug-in-Hybridantrieb laut Meschke um 10 000 Euro über den Kosten des Schwestermodells mit Verbrennungsmotor. Beim Cayenne beispielsweise würden die Varianten mit diesem Antrieb jedoch zum gleichen Preis verkauft wie jene mit Dieselmotor. Auch der Panamera wird mit Hybridantrieb angeboten. Derzeit werden laut Meschke etwa zehn bis 15 Prozent einer Baureihe mit Hybridantrieb verkauft.

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