Autobauer unterstützt Stuttgarter Start-up Porsche sieht neue Chancen im Bereich Smart Home

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Die Digitaltochter von Porsche unterstützt das Start-up Home-iX aus Stuttgart. Die Existenzgründer wollen Autobauern den Weg zur Vernetzung des Autos mit dem Zuhause ebnen.

Aus dem Wagen heraus wird die Heizung hochgefahren und das Garagentor geöffnet. Foto: Porsche
Aus dem Wagen heraus wird die Heizung hochgefahren und das Garagentor geöffnet. Foto: Porsche

Stuttgart - Der Autobauer Porsche streckt seine Fühler in neue Gefilde aus. Über die Tochtergesellschaft Porsche Digital GmbH hat der Sportwagenbauer eine Partnerschaft mit dem Stuttgarter Start-up Home-iX geschlossen. Gegründet wurde dieses Unternehmen im vorigen Jahr von den früheren Porsche-Mitarbeitern Mehmet Arziman und Heiko Scholtes. Die beiden Informatiker, die zuvor schon bei Daimler viel Know-how über die Vernetzung von Fahrzeugen erworben hatten, wollen Geschäftschancen erschließen, die entstehen, weil das Auto und das Zuhause immer stärker vernetzt werden. „Autohersteller können ihr Angebot mit Dienstleistungen in einem ganz neuen Bereich vergrößern. Wir wollen sie beim Einstieg in diesen Smart-Home-Markt unterstützen“, sagt Arziman. Dazu gehört beispielsweise, dass aus dem Auto heraus bei der Heimfahrt von der Arbeit die Heizung hochgefahren wird, das Garagentor sich öffnet oder der Lieblingssong gespielt wird, wenn man nach Hause kommt.

Smart Home bringt hohes Wachstum

Experten sehen beim Smart Home in Deutschland große Wachstumssprünge. Derzeit sind nach einer Untersuchung des Verbands der Internetwirtschaft (Eco) und der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little in zwei Millionen Haushalten vernetzte Geräte im Einsatz. In fünf Jahren werden es demnach bereits acht Millionen Haushalte sein. Der Markt soll sich bis 2022 verdreifachen. Den größten Teil des Marktes machen der Studie zufolge Lösungen rund um Energiemanagement, Licht- und Fenstersteuerung aus. Die attraktiven Wachstumsperspektiven haben dazu geführt, dass sich bereits eine Vielzahl von Unternehmen in diesem Bereich tummeln.

Bisher gibt es nach Darstellung der beiden Gründer jedoch das Problem, dass die einzelnen Geräte nach unterschiedlichen technischen Standards arbeiten. Das Stuttgarter Start-up will diese Fragmentierung beseitigen, indem die verschiedenen Angebote auf einer Plattform gebündelt und ein digitaler Marktplatz für Dienstleistungen rund um das vernetzte Leben geschaffen wird. Das soll Autoherstellern damit quasi einen „einheitlichen Schlüssel“ zu den Geräten der vielen Smart-Home-Anbieter wie Apple, Google, Amazon oder Bosch anbieten. „Wir wollen dabei die Rolle eines neutralen Vermittlers spielen“, sagt Arziman.

Porsche will ein digitales Ökosystem schaffen

Porsche-Digital-Chef Thilo Koslowski sieht beim Smart Home große Chancen für den Stuttgarter Sportwagenhersteller. „Mit der starken Marke und der starken Klientel haben wir die Möglichkeit, die Digitalisierung dazu zu nutzen, die Grenzen des Produkts, der Industrie und der Tätigkeitsfelder zu erweitern“, sagt Koslowski. Ziel sei ein digitales Ökosystem rund um das Auto. Wie das dann genau gesteuert wird, lässt Koslowski offen: „Das kann eine App sein oder können neue Geräte sein, mit denen wir uns dann in Zukunft beschäftigen. Da gibt es viele Ansätze“, meint der Chef der Porsche-Tochter.

Porsche Digital unterstützt die Existenzgründer in einer sehr frühen Phase auf mehrfache Weise. Sie hat eine Beteiligung von zunächst zehn Prozent an dem Jungunternehmen erworben. Zudem werden den Gründern Büros bereitgestellt, sie können auf Beratungsleistungen (Coaching und Mentoring) zurückgreifen und haben den Auftrag für ein Pilotprojekt erhalten, mit dem sie sich dann Investoren präsentieren und auch andere Autohersteller als Kunden gewinnen können.

Der Pfadfinder für die digitale Welt

Die im vergangenen Jahr gegründete Porsche Digital GmbH spielt für den Autohersteller die Rolle eines Pfadfinders für die digitale Welt, indem sie Trends aufspürt, Partnerschaften und Beteiligungen eingeht oder Prototypen für neue Angebote entwickelt und testet. Im vergangenen Jahr hat die Porsche-Tochter bereits eine Beteiligung an dem Kölner Start-up Evopark erworben. Die App von Evopark zeigt freie Plätze in Parkhäusern und navigiert Autofahrer direkt dorthin. Eine Karte ersetzt Parktickets. Schranken öffnen sich automatisch. Abgerechnet wird am Monatsende. In diesem Sommer hat Porsche Digital zudem einen zweistelligen Millionenbetrag in die israelischen Venture-Capital-Fonds Magma und Grove investiert, die unter anderem in Start-ups investieren, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen. Darüber hinaus ist Porsche Digital auch am Venture-Capital-Fonds E-Ventures beteiligt, der unter anderem Risikokapital für eine Vielzahl von Internetfirmen bereitstellt. Porsche Digital habe mittlerweile 40 Mitarbeiter, sagt Koslowski, der nach einem Betriebswirtschaftsstudium zunächst im Marketing von Audi arbeitete, bevor er 1997 für das Technologie-Beratungsunternehmen Gartner den Automobilbereich im Silicon Valley aufbaute. Auch Porsche Digital hat mittlerweile eine Schwestergesellschaft im Silicon Valley. Weitere Standorte sind Berlin und Ludwigsburg. In Deutschland soll die Belegschaft ebenso wie im Silicon Valley auf 100 Mitarbeiter aufgestockt werden. Ein Standort in Asien soll folgen.

In Ludwigsburg ist das Unternehmen derzeit noch Untermieter beim IT-Berater MHP, der ebenfalls zum Sportwagenbauer gehört. Doch nebenan sind bereits die Handwerker zugange. Ein Investor verwandelt hier ehemalige Fabrikhallen in einen modernen Campus mit historischem Flair. An diesem Standort sollen einmal 700 Porsche-Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen an Themen rund um die vernetzte Mobilität arbeiten. Die ersten haben ihre Büros bereits bezogen.