Unter Applaus verließ Laura Siegemund den Stuttgarter Centre Court. Diesen Abschied hatte sich die Tennisspielerin bei ihrem Heimturnier aber ganz sicher anders erhofft. Es bleibt dabei: Eine deutsche Halbfinalistin gab es in Stuttgart seit 2017 nicht.

Trotz der verpassten Halbfinalchance überwog bei Laura Siegemund der Stolz über einen gelungenen Auftritt bei ihrem Heimturnier in Stuttgart. „Ich bin ganz überrascht von mir selber. Es überwiegt tatsächlich nicht der Frust. Bei mir überwiegt normalerweise oft der Frust“, sagte die schwäbische Tennisspielerin am Freitag nach ihrem verlorenen Viertelfinale. Mit 5:7, 3:6 war die Lokalmatadorin und einzige verbliebene deutsche Teilnehmerin zuvor gegen die ungesetzte Ljudmila Samsonowa aus Russland ausgeschieden.

Natürlich wusste Siegemund, dass sie damit eine große Möglichkeit auf ihr drittes Halbfinale beim wichtigsten deutschen Damen-Tennisturnier ausgelassen hatte. Das Final-Wochenende der mit 611 210 Euro dotierten Veranstaltung verspricht zwar Weltklasse-Tennis - aber ohne deutsche Beteiligung. Die Weltranglisten-Erste Iga Swiatek aus Polen bezwang die britische US-Open-Gewinnerin Emma Raducanu 6:4, 6:4 und tritt im Halbfinale am Samstag gegen Samsonowa an. Die andere Partie bestreiten die spanische Weltranglisten-Zweite Paula Badosa und Vorjahresfinalistin Aryna Sabalenka aus Belarus.

Siegemund kann nach ihrer langen Verletzungspause dennoch Selbstvertrauen mit in die kommenden Wochen auf ihrem Lieblingsbelag Sand nehmen. „Heute habe ich mich viel besser gefühlt als gestern und habe leider zu wenig draus gemacht. Nichtsdestotrotz ist es ein wirklich sehr guter Start gewesen“, fasste die 34-Jährige zusammen.

Nach ihrem Olympia-Aus in Tokio im vergangenen Sommer hatte sich die ehemalige Top-30-Spielerin am Knie operieren lassen und seitdem nur sieben Einzel bestritten. In Stuttgart nahm die Turniersiegerin von 2017 und Finalistin von 2016 dank einer Wildcard teil - und meldete sich in den ersten beiden Runden eindrucksvoll zurück.

Mit zwei Doppelfehlern startete Siegemund ins Match, fing sich aber schnell

Gegen die Weltranglisten-31. Samsonowa trat sie zu fehlerhaft auf, insbesondere im zweiten Satz. Sie wirkte nicht so entschlossen und konzentriert wie bei ihren vorangegangenen Auftritten. 38 leichtere Fehler waren Ausdruck mangelnder Konstanz. „Ich denke, es ist das beste Sandplatz-Tennis meines Lebens“, sagte dagegen Samsonowa.

Mit zwei Doppelfehlern startete Siegemund ins Match, fing sich aber schnell. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, in der Siegemunds erster Halbfinaleinzug seit fast drei Jahren bis zum Ende des ersten Satzes möglich schien. Unterstützt vom Publikum in der erneut nicht ausverkauften Halle führte die Metzingerin mit 5:4. Ihr erneuter Aufschlagverlust zum 5:6 leitete die Entscheidung ein.

Samsonowa hatte zuvor überraschend die tschechische Top-Ten-Spielerin Karolina Pliskova bezwungen. In Berlin hatte sie im vergangenen Sommer mit dem Titelgewinn auf Rasen auf sich aufmerksam gemacht.

Siegemund konnte sie im zweiten Satz nicht mehr in die Bredouille bringen. Die Zuschauer litten bei verschlagenen Bällen ein ums andere Mal mit ihr mit. „Ich hatte eine Möglichkeit, dass da was ging im ersten Satz, aber mir hat immer einen Meter Länge gefehlt oder mal zwei“, haderte Siegemund: „Aber insgesamt waren da sehr, sehr viele gute Sachen, auf denen man aufbauen kann.“

Seit ihrem Titelgewinn vor fünf Jahren stand keine Deutsche mehr in der Vorschlussrunde. Für die deutsche Nummer eins Angelique Kerber war das Erstrunden-Aus ein schmerzhafter Rückschlag gewesen.

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