Porsche Tennis Grand Prix Sekt und Tenniscracks hautnah

Ganz wichtig: ein Autogramm von den Tennisstars Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der Grand Prix in der Porsche-Arena befindet sich nach der Pandemie wieder zaghaft auf dem Weg in die Normalität. Dass noch nicht so viele Zuschauer da sind wie früher, hat seine Gründe. Doch das vorhandene Bedürfnis nach dem Live-Erlebnis lässt für die Zukunft hoffen.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Normalerweise spielen sie das gepflegte Damendoppel im heimischen Club auf den Fildern. Nun aber steht wieder das nicht weniger wunderbare Dasein als Tennisfan auf dem Programm. Die Pandemie hat den Porsche Tennis Grand Prix im Jahr 2020 ausfallen lassen, ein Jahr später wurde geisterhaft ohne Zuschauer gespielt – eine furchtbare Phase war das! Der Sport ist jetzt aber wieder zurück und erlebbar.

 

Also sitzen die vier Frauen der Ü-60-Kategorie am frühen Nachmittag im Bewirtungsbereich neben dem Trainingsplatz. Stößchen! – sie fachsimpeln bei einem Glas Sekt über den Aufschlag von Aryna Sabalenka. Die Nummer vier der Weltrangliste trainiert keine 30 Meter entfernt von der munteren Runde. So war es immer, und so ist es nach der fiesen Coronapause wieder: In der Porsche-Arena und der Schleyerhalle frönen die Tennisliebhaber abwechselnd den kulinarischen Genüssen oder den Darbietungen der weltbesten Spielerinnen auf dem Platz. So nah kommt man an die Superstars, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, ja nie heran.

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Der Stuttgarter Tennis Grand Prix ist also wieder zurück – und der Turnierdirektor Markus Günthardt deshalb auch im Glück. „Wir durften am Mittwochabend einen sehr emotionalen Moment erleben“, sagt der Schweizer, „als Angelique Kerber spielte, hatten wir hier erstmals seit drei Jahren wieder eine Bombenstimmung.“

In der Tat saßen beim Erstrunden-Aus der besten deutschen Tennisspielerin gegen die Estin Anett Kontaveit 2255 Zuschauer in der Porsche-Arena. Die Ränge waren damit immerhin zur Hälfte gefüllt, in diesen Zeiten ist das schon ein kleiner Erfolg. „Komm, Angie, gib noch einmal alles!“ – so wurde die Kielerin vom Stuttgarter Publikum immer wieder angefeuert. Es half der Tennisspielerin zwar nicht weiter, doch war es für Günthardt der ganz entscheidende Augenblick und die Erkenntnis: Sein Turnier ist wieder einigermaßen da, es rückt an die Normalität heran. Der Turnierchef machte sich ja schon große Sorgen, dass zwar Zuschauer zugelassen sein würden, aber viel zu wenige am Ende dann auch kommen.

Wenig Werbung

Warum? „Wir haben leider kurzfristig, aber immerhin doch noch die Erlaubnis für eine 100-prozentige Zuschauerkapazität bekommen“, sagt Günthardt, denn nur wenige Wochen vor Turnierstart war noch gar nicht klar, ob überhaupt Publikum erlaubt sein würde. „Deshalb haben wir erst sehr spät mit dem Kartenvorverkauf beginnen können und auch wenig Werbung gemacht“, erläutert Günthardt sein Hauptproblem. Zwar gab es vor der Pandemie schon in der Wochenmitte Tage, an denen das Haus voll war. Doch die verspäteten Werbeaktivitäten und das Bedürfnis der Menschen, sich nach den lähmenden Coronabeschränkungen in den lang ersehnten Osterurlaub zu verabschieden, haben den ganz großen Ansturm bislang ausbleiben lassen. Gardasee statt Porsche-Arena – das war der Plan.

Die Turnierwoche fing in Stuttgart zaghaft an. Als es die Menschen Ostermontag bei Kaiserwetter in die Natur zog, saßen zwei Garderobenfrauen im Bauch der Arena gelangweilt hinter bestenfalls zwölf Jacken an den Haken. Im Verlauf der Woche steigerte sich die Zahl der Zuschauer dann bis zum vorläufigen Höhepunkt, der stattfand, als Kerber kam, sah – und verlor.

Ein wahres Feuerwerk

Nach ihr musste am späten Abend dann noch die Metzingerin Laura Siegemund auf den Platz, die bei ihrem Erstrundensieg gegen die Slowenin Tamara Zidansek ein wahres Feuerwerk entfachte. Da waren dann zu später Stunde deutlich weniger Zuschauer auf den Rängen des Centre-Courts – irgendwann will jeder mal ins Bett.

Und doch: Siegemund hat sie wahrgenommen, die tapfersten unter den Tennisfans. „Man spürt dieses Anfeuern und die Freude des Publikums, wenn es gut läuft“, sagt die Schwäbin, die wie alle anderen Spielerinnen froh darüber ist, dass wieder mitgefiebert und geklatscht wird. Schließlich hatten sich die Geisterkulissen im vergangenen Jahr in ihrer Trostlosigkeit auch auf die Psyche der Aktiven übertragen. Die Spielerinnen waren zwar auf das Match fokussiert, aber die doch sehr emotionale Bindung zu den Zuschauern, sie fehlte. Als der Grand Prix Anfang der Woche losging, gab es keine Sportlerin, die nicht kundtat, wie glücklich sie darüber ist, dass wieder Menschen auf den Plätzen sitzen.

Die Kinder toben

Sie sind aber nicht nur dort. Die Kinder toben in der Spieloase, die Hobby-Tennisspieler können die Geschwindigkeit ihres Aufschlags messen lassen. Wer nur 102 Kilometer pro Stunde schafft, war schon lange nicht mehr auf dem Tennisplatz. Und wer Wert darauf legt, von Aryna Sabalenka ein Autogramm abzustauben, der bekommt es auch. „Es ist für meinen Enkel. Und ihr Aufschlag ist wirklich spitze.“

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