Porsche- und Mercedesmuseum Wie fühlt sich ein Sportwagen an?

Von Petra Mostbacher-Dix 

Am Tag der Menschen mit Behinderungen bieten das Porsche- und das Mercedes-Benz-Museum spezielle Führungen an. Der Andrang ist nicht immer groß, aber die Angebote sind vielfältig. Wir haben uns umgeschaut.

Ingrid Ettmayer-Flecks testet eine Einstiegshilfe für Rollstuhlfahrer. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky, Julian Rettig
Ingrid Ettmayer-Flecks testet eine Einstiegshilfe für Rollstuhlfahrer. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky, Julian Rettig

Stuttgart - Der Schrei kommt tief aus dem Innersten. Die Arme schnellen in die Luft, die Hüften wackeln fast wie beim Tanzen: Albert Singer zeigt seine Kata, seine Übung gegen einen imaginären Gegner, mit der er 2016 die Weltmeisterschaft im Para Karate für Behinderte gewann. Zuvor führte er mit Michael Lesic, Vizeweltmeister von 2014, eine gemeinsame Kata vor. Die beiden Para-Sportler, die im Karate-Verein Vaihingen an der Enz trainieren, waren zu Gast im Porsche-Museum. Dieses bot über das Wochenende – anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember – ein umfangreiches Programm.

„Tatort“-Kommissar stellt Projekt vor

Schauspieler Richy Müller, Kommissar des Stuttgarter Tatorts, sprach über sein Engagement für die „Arche IntensivKinder“, auch eine Vorführung von „Der Berg“ des Internationalen inklusiven Jugendtheaters der Freien Bühne unter der Leitung von Ismene Schell stand auf dem Programm. Vertreter des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Fachgruppe Württemberg, stellten ihre Hunde vor: Fachgruppenleiter Jürgen Viesel hatte seinen Labrador Oran, sein Stellvertreter Bernd Lörcher seine Schäferhündin Halla dabei. Die zeigte, wie sie ihr Herrchen sicher über Treppen und um Hindernisse herum führt. „Eine Ausbildung zum Blindenhund dauert bis zu einem Jahr“, so Lörcher. „Früher wurde vor allem der Schäferhund als Blindenhund ausgebildet, heute sind es auch Rassen wie Riesenschnauzer, Retriever und Labrador.“

Ein Stockwerk tiefer wurden derweil Menschen mit Sehbehinderungen durch die Ausstellung geführt. Mit Handschuhen konnten sie die Porsche-Modelle fühlen oder bekamen an einem Werkzeugwagen Materialien in die Hand, darunter Pleuel aus Titan, Aluminium und Stahl. „Da sehen Sie, wie man Gewicht sparen kann“, so eine Porsche-Mitarbeiterin. Ein Teilnehmer schmunzelte: „Das ist ein Unterschied wie zwischen Feder und Backstein.“

Spezielle Fahr- und Einstiegshilfen

Blindenführungen bot auch das Mercedes-Benz Museum zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung an. Indes mangelte es – zumindest vormittags – an Teilnehmern. Doch da war schon Ingrid Ettmayer-Flecks im Museum unterwegs. „Nicht wegen diesem Tag“, so die Rollstuhlfahrerin. „Ich komme öfter. Heute wollte ich mich über die Möglichkeiten eines behindertengerechten Fahrzeugs informieren. Bei uns steht bald ein Neukauf an.“ Sie testete denn auch die V- und die B-Klasse mit Fahrhilfen ab Werk, die im Foyer bereit standen. Dort hatte zudem der Württembergische Behinderten- und Rehabilitationssportverband (WBRS) einen Stand. „Wir haben 25 Sportarten im Programm“, so Andreas Escher, WBRS-Leistungskoordinator: „Wir finden für jeden Menschen mit Behinderung eine passende Sportart.“

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