Porsches Elektrostrategie Der große Sprung steht noch bevor

Die Taycan-Produktion in Zuffenhausen konnte 2022 nicht immer mit den Bestellungen mithalten. Es fehlten Kabelbäume und Halbleiter. Foto: Porsche AG/CB

Porsche steht im Jahr nach dem Börsengang glänzend da. Wenn die ehrgeizige Elektrostrategie aufgehen soll, muss jedoch noch viel passieren. Davon darf die E-Fuels-Debatte nicht ablenken, meint Matthias Schmidt.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Matthias Schmidt (mas)

Porsche pflegt seine Symbole, wie schon das Börsenkürzel der Aktie zeigt: P911. Nicht, dass noch jemand vergisst, wie das berühmteste Auto des Sportwagenbauers heißt. Wenn nun zur Verkündung des Jahresgewinns ein Video von Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche eingespielt wird, in dem er seine berühmten Worte von vor 13 Jahren wiederholt, ist das natürlich auch als Symbol zu verstehen. „Der Mythos Porsche lebt und wird nie untergehen“, versprach er einst der Belegschaft, als Porsche dem VW-Konzern eingegliedert wurde.

 

Heute bedeutet derselbe Satz: Porsche ist selbstbewusst zurück – mit mehr Eigenständigkeit nach dem erfolgreichen Börsengang und gleichzeitig mit dem höchsten Gewinn der Firmengeschichte.

Das Luxussegment erweist sich als krisenfest

Zwar haben auch Währungseffekte einen Teil dazu beigetragen. Entscheidend aber ist, dass diejenigen, die sich einen Porsche leisten können, sich auch weiterhin einen leisten wollen – weitgehend unbeeindruckt von den Inflationssorgen anderer und den steigenden Preisen für die Sportwagen aus Zuffenhausen. Das Luxussegment erweist sich als krisenfest. Das macht seinen Reiz für die Hersteller wie auch für die Anleger aus.

Bisher ist nur der Taycan als vollelektrisches Auto verfügbar

Das Führungsduo Oliver Blume und Lutz Meschke kann den Weg der Transformation mit breiter Brust weitergehen. Ein Spaziergang wird es trotzdem nicht. 2030 sollen 80 Prozent aller neuen Porsches reine Stromer sein. Das einzige Modell dieser Kategorie ist bisher der Taycan, von dem wegen fehlender Kabelbäume und Halbleiter jedoch 16 Prozent weniger verkauft wurden als 2021. Immerhin: an Aufträgen fehle es nicht, versichert Porsche. Der entscheidende Sprung jedoch muss mit Modellen gelingen, die erst ab 2024 auf den Markt kommen.

Noch ist die ehrgeizige Elektrostrategie mehr Absichtserklärung als Gegenwart. Oliver Blumes nachvollziehbares Credo, dass sich Elektrifizierung und klimafreundliche E-Fuels für Verbrenner im Sinn des Klimaschutzes ergänzen und nicht in Konkurrenz stehen, könnte noch auf die Probe gestellt werden. Bei neuen Autos ist der batterieelektrische Antrieb die überlegene Technik. Da steht Blume im Wort.

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