Porschestraße Mönsheim nach Flacht „Wir leben von Porsche“ – Landrat verteidigt kontroversen 8-Millionen-Ausbau

, aktualisiert am 29.01.2026 - 16:25 Uhr
Porsche pfuscht, Enzkreis kuscht – die Kritik am Ausbau der Porschestraße zwischen Flacht und Mönsheim reißt nicht ab. Foto: Simon Granville

Die Kreisstraße wurde symbolisch freigegeben, bleibt aber noch ein paar Tage gesperrt. Während Politiker das umstrittene Projekt trotz der Kosten loben, verstummen die Kritiker nicht.

Bei strahlendem Sonnenschein und eiskalten Temperaturen wurde mit vielen Gästen die Straße zwischen Flacht und Mönsheim freigegeben. Eigentlich. Denn erst ab dem 4. Februar dürfen wieder Fahrzeuge auf dem ausgebauten Teilstück der Kreisstraße, die in den Kreis Böblingen weiterführt, rollen. Das Wetter habe die rechtzeitige Fertigstellung verhindert, das eine oder andere Detail müsse noch erledigt werden, erklärte der Landrat des Enzkreises, Bastian Rosenau, am Dienstag.

 

Zusammen mit dem Landrat Roland Bernhard aus Böblingen, mit dem er zuletzt die sanierte, kreisübergreifende Straße zwischen Tiefenbronn-Lehningen und Hausen freigegeben hat, und im Beisein von Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden, Kreis- und Gemeinderäten, aber auch von Gegnern „dieses Luxusneubaus“, wie sie es nennen, eröffnete Rosenau symbolisch die Straße – mit einem Schnitt durch ein für diesen Moment gespanntes Absperrband.

Warum die Kreisstraße zwischen Mönsheim und Flacht Porschestraße heißt

2015 starteten die Überlegungen für einen Ausbau der gut zwei Kilometer langen, kurvigen und hügeligen Straße, die kurz vor Mönsheim von der Landesstraße L 1134 abzweigt in Richtung Weissach-Flacht. Ausgebaut wurde sie bis zur neuen Südausfahrt des Porsche-Entwicklungszentrums Weissach (EWZ), weshalb sich bei vielen der Name Porschestraße etabliert hat.

Die Landräte Bastian Rosenau (links) und Roland Bernhard (rechts) umrahmen hier Kritiker mit Protestplakaten – und verteidigen den kostspieligen Straßenausbau. Foto: Simon Granville

Die Firma Porsche sei damals gewachsen, der Verkehr habe zugenommen, und an der Straße hätten sich mit der Zeit immer größere Herausforderungen ergeben, sagte Bastian Rosenau. Die fünf Meter breite Strecke war in einem schlechten Zustand, es gab keinen frostsicheren Aufbau und keine standfesten Bankette. Zudem seien die Entwässerungseinrichtungen mangelhaft gewesen, so Rosenau.

„Dies war die erste Straße, für die wir wegen der Komplexität der nötigen Maßnahmen ein Planfeststellungsverfahren machen mussten“, sagte der Landrat aus Pforzheim. Schließlich ging es um Wasserschutz, vor allem für die Gemeinde Mönsheim, und es waren erhebliche Eingriffe in die Natur nötig. Und, weshalb auch jetzt Gegner des Ausbaus der Straße Präsenz zeigten: Wegen der Verbreiterung von ursprünglich fünf auf jetzt sieben Meter Breite plus Bankette ging es auch um private Grundstücke, die für den Ausbau zum Teil unfreiwillig abgegeben werden mussten. Widerspruchs- und Gerichtsverfahren waren die Folge.

Der Straßenausbau stand wegen der hohen Kosten auf der Kippe

Waren zunächst für eine einfache Sanierung der Straße zwei Millionen Euro als Kostenrahmen vorgesehen, so stieg dieser im Laufe des Verfahrens immer weiter auf inzwischen acht Millionen – wovon der Kreis Böblingen für sein 300 Meter langes Straßenstück 1,2 Millionen übernimmt. Kurz vor der nochmaligen Beschlussfassung im Enzkreis-Kreistag 2024 stand das Vorhaben wegen der hohen Kosten auf der Kippe. Doch dann ging es rasch voran: Im Herbst 2024 begannen unter Vollsperrung die umfangreichen Bauarbeiten.

Das Land Baden-Württemberg fördert den Ausbau der Kreisstraße mit 3,4 Millionen Euro. Ein ebenfalls gebauter Radweg als „Lückenschluss“ einer „nicht vorhandenen Radwegeverbindung“, wie die Gegner des Projekts sagen, wird zudem fast vollständig vom Land bezahlt. Vor allem Naturschützer und Grundstücksbesitzer hatten immer wieder gegen den Ausbau mobil gemacht. Sie forderten einen moderateren Straßenausbau auf nur sechs Meter Breite, der weniger Eingriffe in die Natur erfordert hätte, und auf den Verzicht des Radwegteilstücks, weil es für diesen gar keine richtige Anbindung gebe, erklärte Annette Michl jetzt noch einmal vor Ort.

Protest mit Bannern: „Schade ums Geld – unsere Kinder hätten sich darüber gefreut“

Joseph und Annette Michl, die Mönsheimer Gemeinderätin Simone Reusch, ebenfalls eine betroffene Grundstücksbesitzerin und Naturschützerin, sowie der Mönsheimer Gemeinderat Markus Rösler entrollten Banner mit den Aufschriften „K 4569 im Enzkreis – 8,5 Millionen Euro für Größenwahn“ und „Schade ums Geld – unsere Kinder hätten sich darüber gefreut“. Sie sei sehr traurig, sagte Annette Michl auf die Frage, wie sie sich fühle. „Es ist unfassbar, dass in der heutigen Zeit angesichts der Klimakrise eine solche Straße gebaut wird.“

Der Landrat Roland Bernhard verteidigte den Ausbau. Früher sei es vor allem im Begegnungsverkehr mit Lastwagen gefährlich gewesen. „Ich freu’ mich saumäßig, dass wir die Porschestraße jetzt in diesem Zustand haben.“ Man dürfe unterschiedlicher Meinung sein, so der Böblinger Landrat, „aber wir leben von Porsche und der Automobilindustrie“. Für das EWZ sei die Südzufahrt erforderlich.

Im weiteren Straßenverlauf hinter der Porsche-Zufahrt wird es wieder eng und kurvig

Wer sich erinnern möchte, wie die Kreisstraße früher aussah, muss einfach weiterfahren Richtung Flacht im Kreis Böblingen. Direkt hinter der Porsche-Zufahrt ist die Fortsetzung als K 1017 noch im ursprünglichen Zustand, eng und kurvig. Wie es mit dieser Strecke weitergeht, sei derzeit noch völlig offen, so Roland Bernhard. „Wir sind in der Phase der Priorisierung.“ Er wolle hier jetzt keine Hoffnungen wecken.

Während auf dem nicht ausgebauten Straßenstück Richtung Flacht das Tempo auf 70 und 50 begrenzt ist, darf auf der sanierten Straße nun vorerst ohne weitere Beschränkungen gefahren werden, also maximal mit 100. Es gelte eine den Verhältnissen angepasste Geschwindigkeit, sagte dazu Oliver Müller, der Leiter des Straßenverkehrs- und Ordnungsamtes beim Enzkreis.

Das sollten die Autofahrer auch bedenken, wenn sie sich der Einmündung des neuen Radwegs nähern, den die Radler dann auf der anderen Straßenseite in Richtung der Landesstraße nach Weissach fortsetzen müssen, um zur EWZ-Nordeinfahrt zu kommen. Denn einen Radweg Richtung EWZ-Südeinfahrt gibt es auf der für acht Millionen Euro ausgebauten Straße nicht.

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