Porschewerk in Stuttgart-Zuffenhausen Ein Psychiater war der erste Kunde

Von Bernd Zeyer 

Im Mai 1950 wurde im Zuffenhäuser Porschewerk erstmals ein Neuwagen abgeholt. Dahinter steckt eine interessante Geschichte: Zwei der Protagonisten haben später einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt.

Zur Feier des Tages wurde am 26. Mai 1950 eine Flasche Sekt geöffnet. Foto: /Porsche
Zur Feier des Tages wurde am 26. Mai 1950 eine Flasche Sekt geöffnet. Foto: /Porsche

Zuffenhausen - Fast auf den Tag genau vor 70 Jahren wurde in Zuffenhausen der erste Porsche-Neuwagen abgeholt. Am 26. Mai 1950 nahm der stolze Besitzer Ottomar Domnick seinen Porsche 356 in der Farbe „Fischsilber“ mit der Kommissionsnummer 5001 entgegen. Für den damals 43-Jährigen Facharzt für Psychiatrie war es ein Herzenswunsch, der erste Porsche-Kunde in Deutschland zu sein.

Wo Sportwagenfans heute eine Art Rundumbetreuung mit Museumsbesuch, Mittagessen und Werksführung bekommen, ging es vor sieben Jahrzehnten noch weitaus bescheidener zu: Der Grundstein für die Geschichte der Werksabholung wurde nämlich im Freien gelegt, und zwar auf einer Wiese in Sichtweite zum Werk 1. Bevor sich Ottomar Domnick damals selbst hinters Lenkrad setzte, nahm er aber auf dem Beifahrersitz Platz. Zunächst stand nämlich eine Abnahmefahrt auf dem Programm. Porsche-Mitarbeiter Herbert Linge zeigte dem neuen Besitzer, was der Wagen alles kann.

Der Mechaniker lebt heute noch

Sowohl Domnick als auch Linge erreichten in späteren Jahren einen gewissen Bekanntheitsgrad: Neben seiner Arbeit als Mediziner engagierte sich Domnick auch für die Künste, schrieb Drehbücher und produzierte Dokumentar- und Spielfilme. 1957 gewann er den Bundesfilmpreis und im gleichen Jahr den Bambi. 1989 verstarb Domnick. Herbert Linge lebt heute noch. Er war einer der ersten Auszubildenden bei Porsche, seine Lehre hatte er im April 1943 begonnen. Als Mechaniker kehrte er 1949 vom österreichischen Gmünd nach Deutschland zurück.

„Ich habe mit 14 Jahren in der ersten Lehrwerkstatt von Porsche begonnen. Wir waren damals sechs Mechaniker und zwei technische Zeichner. Ferdinand Porsche lief häufig mit wichtigen Gästen an unserer Werkstatt vorbei. Jedes Mal ließ er seine Gäste kurz warten und begrüßte uns. Das werde ich nie vergessen“, erzählt Herbert Linge heute. Der heute 92-Jährige kann sich noch gut an damals erinnern: „Domnick hat die Übergabe seines Porsche 356 richtiggehend zelebriert. Aber er kam ohnehin vorher schon jeden Tag vorbei, um zu sehen, wie weit wir mit der Arbeit waren. Auch Ferry Porsche schaute kurz vorbei, als der Arzt seinen Sportwagen in Empfang nahm.“

Filmdouble für Steve McQueen

In späteren Jahren war Linge maßgeblich am Aufbau des Porsche-Kundendienstnetzes im Ausland und besonders in den USA beteiligt. 1952 bis 1954 arbeitete er als Rennmechaniker für das Werksteam und fuhr später selbst Rennen. Linge kann heute noch auf der Kino-Leinwand bewundert werden: 1970 agierte er als Double für den Schauspieler Steve McQueen in dem Hollywood-Film „Le Mans“.

Immer noch kommen viele Kunden nach Zuffenhausen, um ihren Neuwagen persönlich in Empfang zu nehmen. Laut Tobias Donnevert, dem Leiter der Werksabholung, war das im vergangenen Jahr 2500 Mal der Fall. Momentan müssen die Gäste aber mit einer abgespeckten Tagesordnung Vorlieb nehmen. Die Coronakrise hat das Besucherprogramm ausgebremst.

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