Porträt des Daimler-Truck-Konzernchefs Der Obertrucker

Martin Daum leitet Daimler Truck – und hat den Führerschein für das schwere Gerät zwei Mal gemacht. Foto: Daimler

Bodenständig, nahbar und mit Sinn für Humor: Martin Daum ist der Mann, der Anfang Dezember die Nutzfahrzeugsparte von Daimler abspaltet und an die Börse bringt.

Stuttgart - Unter den Chefs der Dax-Konzerne wird ihm das keiner nachmachen: Martin Daum kann mit einem schweren Lastwagengespann am Berg rückwärts in eine Lücke einparken. Die Qualitäten am Steuer eines Trucks musste der 62-jährige Manager beweisen, als er den Lkw-Führerschein gemacht hat.

 

Dem Chef der Nutzfahrzeugsparte von Daimler ist wichtig, dass er ein Gefühl für die Produkte hat, mit denen der Konzern Geld verdienen will: „Nur wenn man selber die Erfahrung hat, kann man mitreden“, sagt Daum im Gespräch mit unserer Zeitung. Den Lkw-Führerschein hat er gleich zweimal gemacht. Als er in die USA ging, wo er die Marke Freightliner in wenigen Monaten von einem Sanierungsfall zum Renditebringer im Konzern machte, erkannten die US-Behörden nämlich das deutsche Dokument nicht an.

Fahrt in neues Terrain

Als Manager steht Daum, der seit über drei Jahrzehnten schon im Konzern ist, das Stammwerk in Wörth leitete und viele Führungspositionen innehatte, jetzt ein Fahrmanöver in unbekanntes Gelände bevor: Mit der Abspaltung von der Pkw-Marke mit dem Stern am 1. Dezember muss die Nutzfahrzeugsparte alleine zurechtkommen. Künftig kann sie nicht mehr auf die Deckung im Konzern vertrauen – etwa wenn die Erträge im zyklisch laufenden Geschäft nicht so prächtig sind. Bislang wurden Scharten wiederholt von der Pkw-Luxusmarke ausgewetzt.

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Daum, ein bibelgläubiger Christ, in Karlsruhe geboren, der Bankkaufmann gelernt und danach Betriebswirtschaft studiert hat, lässt durchblicken, dass er erst einmal nachgedacht hat, bevor er für den Spitzenposten beim künftige Konzern zusagte, der – wenn alles gut geht – im Frühjahr in den deutschen Leitindex aufgenommen werden soll.

Börsengang am 10. Dezember

Wenn die Aktie von Daimler Truck am 10. Dezember erstmals an der Börse gehandelt wird, muss Daum die Investoren von seinem Kurs überzeugen. Er verspricht Anlegern eine höhere Rendite. Vor allem das Geschäft mit den Lastwagen von Mercedes-Benz war zuletzt ertragsschwach.

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Nur in den USA läuft Daimler gerade richtig gut. Bis 2025 soll die Rendite des neuen Konzerns zweistellige Werte erreichen und damit gleichziehen mit den Konkurrenten Scania und Volvo. Die Wende sei bereits eingeleitet, beteuert Daum: „Wir wachen ja nicht gerade erst auf und geloben Besserung.“ Vielmehr seien die Schwächen vor Jahren erkannt worden: „Wir sind auf gutem Weg und haben schon gewaltig an der Qualität, den Kosten und der Kundennähe gearbeitet.“

Abschied vom Diesel eingeläutet

Den Abschied vom Diesel hat Daum eingeläutet. Im Jahr 2040 will Daimler Truck nur noch emissionsfreie Fahrzeuge produzieren und fährt dabei zweigleisig: Gerade läuft die Serienproduktion des e-Actros in Wörth an, weitere E-Modelle sind bereits in der Pipeline. Auch ein elektrifizierter Stadtbus wird bereits gebaut. Für die Fernstrecke setzt Daimler Truck auf Wasserstoff: Ab 2027 sollen schwere Lastwagen mit Reichweiten von über tausend Kilometern mit Brennstoffzelle in Serie gebaut werden.

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Während in diesen Tagen der erste vollelektrische Lkw mit dem Stern an eine große Spedition ausgeliefert wurde und im nächsten Jahr in dreistelliger Stückzahl in Wörth vom Band läuft, hat Elon Musk im Lastwagenbereich noch nicht geliefert. Die vollmundigen Versprechungen Musks, 2018 den vollelektrischen Semi-Truck zu liefern, wurden bislang jedenfalls nicht eingelöst. Bei Daimler dagegen ist die Serienproduktion angelaufen. In 2022 soll eine dreistellige Stückzahl produziert werden.

„Ich bin nicht Superman“

Mit seiner ruhigen, bodenständigen Art unterscheidet sich Daum von manch anderem Konzernlenker. Das fällt gerade im Vergleich zu Ola Källenius, dem kühlen Zahlenmenschen an der Spitze des anderen Stuttgarter Dax-Konzerns, auf. Daum will ein nahbarer Chef sein. Er wird von Betriebsratschef Michael Brecht geschätzt, auch weil er früh das Gespräch sucht und offen ist für die Sorgen der Belegschaft bei der eingeläuteten Transformation. So nimmt man es Daum ab, wenn er sagt: „Ich habe nicht die Illusion, dass ich Superman bin. Ich kann nur so gut sein wie alle 100 000 Mitarbeiter des gesamten Unternehmens.“

Dabei ist er ein Manager, den man sich auch bei jedem Mittelständler gut vorstellen könnte: In Wörth griff er bei Workshops selbst zum Schraubschlüssel. Daum ist keiner, der nach Subventionen vom Staat rufen würde. Das Produkt, so lautet seine Überzeugung, muss den Kunden überzeugen. Von Abwrackprämien hält er nichts. Er ist überzeugt, dass es nicht die Aufgabe des Steuerzahlers ist, den Kunden beim Kauf eines Mercedes-Benz zu helfen. Dagegen mahnt er aber sehr entschieden – auch als Präsident des europäischen Branchenverbands Acea – mehr Geld vom Staat für den Aufbau der Ladeinfrastruktur an.

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Schwedin soll Kernmarke flott machen

In sein engeres Führungsteam hat Daum in diesem Jahr zwei Vorstände geholt, die im neuen Konzern besondere Verantwortung haben. Die gerade erst 42-jährige Karin Radström, die bei Scania abgeworben wurde, soll die Kernmarke Mercedes-Benz und den südamerikanischen Markt wieder flottmachen. Andreas Gorbach, der vorübergehend das Brennstoffzellen-Joint-Venture mit Volvo leitete, soll als Technikvorstand dazu beitragen, dass Daimler bei der Qualität besser wird und die Klagen der Kunden etwa über Bremse und Getriebe Geschichte sind.

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Daum hat Sinn für Humor, der von allen verstanden wird. Sein Witz fällt gelegentlich durchaus kernig aus. So sagte er jüngst: „Niemand kauft einen Lastwagen, weil er will, sondern weil er muss.“

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