24.10.2010 - 15:07 Uhr
Der Filbinger-Bub wächst in Freiburg und Stuttgart mit vier Schwestern und einem Vater auf, der nach dem Krieg politisch Karriere macht. Hans Filbinger wird CDU-Stadtrat in Freiburg, Landtagsabgeordneter in Stuttgart, baden-württembergischer Innenminister und 1968 erster Mann im Land. Zwölf Jahre lang bleibt er Ministerpräsident und fährt Traumernten für seine Partei ein. 1976 verbucht die CDU bei der Landtagswahl 56,7 Prozent.
Seinen Sohn schickt der Ministerpräsident zu den Jesuiten nach Sankt Blasien. Auch drei Töchter gehen auf katholische Internate. Sonntags steht der Kirchgang an. Das gehört zu den Ritualen, an denen nicht gerüttelt wird. Matthias Filbinger, der einzige Sohn, wird zu Hause mit konservativen Werten gedüngt.
"Die Geschichte hat meinen Vater eingeholt"
Der Vater macht bürgerliche Politik und ist oft unterwegs. Vor der großen Verwaltungsreform, die nicht jedem Bürgermeister behagt, klappert der Ministerpräsident Hunderte von Rathäusern ab. Die Filbingers versuchen eine normale Familie zu sein. Als RAF-Terroristen Politiker und Wirtschaftsbosse ins Visier nehmen, herrscht Sicherheitsstufe eins. Der Landesvater, inzwischen stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU, gilt mit seiner Familie als extrem gefährdet. Die Filbingers werden rund um die Uhr bewacht. Sonntags muss der Sohn seinen Wochenplan an die Staatsschützer schicken. Bei Kinobesuchen mit der Freundin sitzen zwei kompakte Herren hinter ihm, denen nichts entgeht.
Im Sommer zieht es die Familie in die Berge. Auch 1978, als eine heftige Kontroverse um Filbingers Amt als Marinerichter entbrennt. Vom Schriftsteller Rolf Hochhuth als "furchtbarer Jurist" bezeichnet, der an einem Todesurteil gegen einen fahnenflüchtigen Matrosen beteiligt gewesen sei, strengt der Ministerpräsident eine Unterlassungsklage an. Hans Filbinger sieht sich als Opfer einer Rufmordkampagne.