Porträt Grün im Herzen

Von Simone Bürkle 

Seit September sitzt der 24-jährige Sebastian Kern im Bezirksbeirat. Engagement ist dem Studenten der Universität Hohenheim wichtig.

Lieber mit dem Fahrrad als mit dem Auto unterwegs: Sebastian Kern lebt seine grünen Ideale. Foto: Simone Bürkle
Lieber mit dem Fahrrad als mit dem Auto unterwegs: Sebastian Kern lebt seine grünen Ideale. Foto: Simone Bürkle

Plieningen - Wenn Sebastian Kern im Café sitzt, trinkt er Tee. Tee mit Milch, um genau zu sein. Muss er fast, bei dem Erbe. Seine Mutter ist Engländerin, der Vater Schwabe. Von seiner Mutter hat der 24-Jährige noch mehr mitbekommen als Teetrinken: Sie ist bei den Grünen, sitzt im Gemeinderat in Kerns Heimatort, dem hohenlohischen Öhringen. Auch der Vater war früher Stadtrat. „Ich komme aus einem sehr politischen Elternhaus“, sagt er. „Das hat mich geprägt.“

Seit September sitzt der Student der Agrarwissenschaften im Plieninger Bezirksbeirat. Er ist als Stellvertreter nachgerückt für Thomas Plagemann, der zum ordentlichen Mitglied ernannt worden ist. Für die Grünen. „Die Grünen sind die Guten“, sagt Kern. Dass er das ernst meint, ist hinter seinem Lächeln zu spüren. Seit er 16 ist, hat er ein grünes Parteibuch. Im Hohenlohe-Kreis gab es keine Grüne Jugend, also ist Kern bei den Alt-Grünen eingestiegen. Deren Grundsätze hat er früh im Leben mitbekommen. Eine Kindheit wie aus dem Öko-Bilderbuch, mit Holzspielzeug, viel Zeit draußen und ohne Plastikpistolen habe er gehabt, „nur die Waldorfschule hat gefehlt“, sagt er und lächelt.

Kern mag den neuen Typus der bürgerlichen Grünen

Dennoch: Sebastian Kern findet diese Art zu leben gut. „Ein klares Wertesystem“ ist es, was er schätzt, was er auch am neuen Typus der bürgerlichen Grünen mag, für den etwa Winfried Kretschmann steht. „Ich bin sehr naturverbunden, gehe gerne raus, mache mich mal schmutzig“, sagt er über sich. Ein Auto hat er nicht, will er auch nicht: „Solche Statussymbole sind mir nicht wichtig.“ Kern fährt lieber Fahrrad. Und wenn mal Geld übrig ist, gibt er es für gutes Essen oder eine Opernkarte aus.

Da ergibt es sich zwangsläufig, dass einer wie er, der daran glaubt, dass die Gesellschaft eine gerechtere werden kann, sich engagiert. Nicht nur im Bezirksbeirat: Kern macht bei der „Greening“-Gruppe auf dem Campus mit, setzt sich dafür ein, dass die Studenten wiederverwendbare Plastikbecher zum Kaffeetrinken benutzen und in einer Fahrradwerkstatt ihre Räder auf Vordermann bringen lassen können, damit sie nicht so viel mit dem Auto fahren. Er hat die Grüne Hochschulgruppe mitgegründet, mischt im Asta oder der Fachschaft Agrar mit. „Ich war immer plötzlich mittendrin, da kam eins zum anderen. Ich kann schlecht Nein sagen“, erzählt er. Es hört sich fast verlegen an.

OB-Wahlkampf als Feuertaufe

Nun also die Lokalpolitik. Seine Feuertaufe hat Kern schon bestanden. Der Student hat den OB-Wahlkampf für Fritz Kuhn in Birkach und Plieningen organisiert – und seine Aufgabe mit Bravour gemeistert: In Plieningen hat Kuhn, nach den traditionell starken Innenstadtbezirken, sein bestes Ergebnis eingefahren. Das Plakatekleben, das Diskutieren auf dem Wochenmarkt, die Veranstaltungen, „das hat sich gelohnt“, sagt Kern, und der Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Dass es im Bezirksbeirat meistens nicht so spannend zugeht, hat Sebastian Kern längst gemerkt. „Natürlich ist es langweilig, wenn eine Stunde lang über einen Gehweg diskutiert wird“, gibt er zu. Zumal für einen wie ihn, der sich selbst als ungeduldig bezeichnet. Trotzdem findet er es wichtig, mitzumachen, „Politik bedeutet eben nicht immer die großen Diskussionen. Aber die Kommunalpolitik ist am nächsten an den Menschen dran, da lässt sich am meisten verändern.“ Zum Beispiel, indem er sich dafür einsetzt, dass die Studenten mehr Gehör im Bezirk finden, vielleicht sogar bezahlbare Wohnheimplätze und bessere öffentliche Verkehrsmittel. Mit den Alteingesessenen in Sachen Ortskenntnis mithalten zu wollen, kommt ihm nicht in den Sinn: „Ich will mir nicht anmaßen, alles zu wissen, ich kann da noch viel lernen.“

Allzu lange bleiben wird er ohnehin nicht. Spätestens, wenn er sein Studium beendet, was wohl 2014 sein wird, will Kern wegziehen. Vielleicht will er mal für die grüne Landesregierung arbeiten, vielleicht aber auch an einem Arbeitsplatz, bei dem er nicht immer im Büro sitzen muss.

Die Politik kommt für ihn als Beruf nicht in Frage, „dafür bin ich nicht hart genug“, sagt der Mann, dessen Züge so lausbubenhaft wirken, dass man ihm eine Karriere im Haifischbecken der Politprofis in der Tat nicht zumuten möchte. Ganz ohne Engagement aber wird einer wie Sebastian Kern nie auskommen. „Politik ist mein Leben“, sagt er. Das wird wohl auch so bleiben.

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