Porträt Katja Bürkle Die Wurzeln einer „Widerspenstigen“

Von Dirk Herrmann 

Die Schauspielerin Katja Bürkle hatte ihre Anfänge in der Fellbacher Schultheater AG. Am Sonntag gastiert sie gemeinsam mit dem Tenor Matthias Klink im großen Ratssaal.

Katja Bürkle beeindruckt  auf der Bühne wie auf dem TV-Bildschirm. Foto: Veranstalter
Katja Bürkle beeindruckt auf der Bühne wie auf dem TV-Bildschirm. Foto: Veranstalter

Fellbach - Das Fellbacher Kulturleben erfährt kurz vor Jahresende einen weiteren Höhepunkt. Auf Einladung der Kulturgemeinschaft Fellbach – die seit vielen Monaten an diesem Coup arbeitet – gastieren am Sonntag zwei der in ihrem jeweiligen Genre bundesweit herausragenden und zurecht gefeierten Protagonisten im großen Saal des Rathauses. Es sind Matthias Klink, Tenor am Staatstheater Stuttgart und Sänger des Jahres 2018, und Katja Bürkle, eine der profiliertesten Schauspielerinnen Deutschlands. Für beide ist es eine Art Heimspiel – haben sie doch familiäre Wurzeln in Schmiden.

Bis 2008 konnten Theaterliebhaber Katja Bürkle noch auf der Bühne des Stuttgarter Schauspielhauses erleben

Während Matthias Klink in den vergangenen Jahren immer mal wieder hier bei Auftritten zu sehen und vor allem zu hören war – was angesichts seines Wohnorts Stuttgart-Heslach leichter zu organisieren ist, gab es Katja Bürkle in jüngerer Vergangenheit nicht auf hiesigen Bühnen zu erleben. In dieser jetzt anstehenden Konstellation ist es überdies eine ganz besonderes Programm: Geboten wird „Die Winterreise“ von Franz Schubert, ergänzt um Texte aus jener Zeit.

Matthias Klink Foto: Veranstalter

Bis 2008 konnten Theaterliebhaber Katja Bürkle noch auf der Bühne des Stuttgarter Schauspielhauses erleben, ehe sie nach München wechselte. Weshalb man annehmen darf, dass eher wenige Fellbacher sie in den vergangenen Jahren auf der Bühne erlebt haben. Eine kleine Entschädigung gab es vor einigen Monaten, als im Fernsehen die Inszenierung von Schillers „Räuber“ lief – mit Katja Bürkle als Karl Moor.

Auch wenn abgefilmte Theateraufführungen, auf der heimischen Couch begutachtet, nur selten mit der Atmosphäre einer Live-Darbietung inmitten eines gespannt lauschenden Auditoriums vergleichbar sind, so hatte diese Übertragung doch nachhaltige Wirkung: Bürkles Parforceritt durch Schillers Wahnsinnswerk, ihr gefühlt stundenlanger Marsch auf dem gigantischen Laufband, ihre Gefühlsausbrüche, ihr Sabbern und Schreien und Fluchen und Scheitern: All das war schlicht sensationell.

Und nun also der Ausflug in heimische Gefilde, nach Schmiden und Fellbach

Auch in „Hamlet“ überzeugte sie in einer mit nur drei Schauspielern besetzten Inszenierung. Nicole Golombek, Theaterkritikerin von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten und in ihren Anfängen bei der Fellbacher Zeitung tätig, urteilt in ihrem Porträt unter der Überschrift „Die Widerspenstige“: Katja Bürkle sei überragend. „Gespannt wie eine stramm aufgezogene Feder marschiert sie, eimerweise Blut auf den vergitterten Boden schüttend. Eisiger Blick. Man würde sich ihr nicht in den Weg stellen wollen.“ Doch sie zeigt in „Hamlet“ noch mehr: „Bürkle schreit sich dergestalt ihre Liebe aus dem Leib, dass man kaum zu atmen wagt.“ Fernsehzuschauer haben Katja Bürkle in den vergangenen Jahren aber immer wieder in besonderen Produktionen erleben können. Zuletzt am 15. September in der ARD als Psychologin Dr. Kutay im ersten bayrischen „Polizeiruf 110“ mit der neuen Ermittlerin Elisabeth Eyckhoff. Knapp sechs Millionen Zuschauer wurden gezählt. Oder als supercoole Untersuchungsausschuss-Vorsitzende im „Stuttgart-21-Tatort“ 2015, Titel „Der Inder“. Oder, nach Mitternacht ausgestrahlt, in Low-Budget-Produktionen wie „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.

Zwölf Jahre Leistungssport in der Rhythmischen Sportgymnastik

Und nun also der Ausflug in heimische Gefilde, nach Schmiden und Fellbach. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung vor vier Jahren erinnerte sie an ihr Engagement in der Schülermitverwaltung als stellvertretende Schülersprecherin: „Man hat Veranstaltungen im Jugendhaus organisiert, Filmabende, Konzerte, politische Veranstaltungen. Ich erinnere mich noch gut an die Menschenkette zwischen den beiden Fellbacher Gymnasien.“

Oder an die zwölf Jahre Leistungssport in der Rhythmischen Sportgymnastik, sechsmal die Woche zwei bis drei Stunden Training. Dieser „sehr selbstverständliche Umgang mit dem Körper“ kam ihr auch später bei der Schauspielerei zugute. Und sie spricht von der „ganz tollen Theater AG“ am Gymnasium, geleitet von „einem recht wunderlichen Musiklehrer namens Gustav Adolf Frank.“ Und, so ihre Ergänzung: „Matthias Klink, der heute zum Ensemble der Staatsoper in Stuttgart gehört, ist auch ein Spross aus dieser Theater AG.“

Immerhin, eine Wiederholung „wird erwogen“

So verknüpfen sich nun nach Jahrzehnten wieder einst in Fellbach gesponnene Fäden im gemeinsamen Premieren-Projekt im großen Ratssaal. Wobei, ganz aus dem Fellbacher Blickfeld war Katja Bürkle auch in den vergangenen Jahren nicht: Ihre lesbische Lebenspartnerschaft mit ihrer Schauspielerkollegin Silja Bächli mit Sohn und Tochter wird im Stadtmuseum beleuchtet. Und dann zeigte der Maler Hanjo Schmid im Frühjahr 2016 in der Galerie der Stadt großformatige Porträts von Katja Bürkle („mein ideales Modell“, wie er seinerzeit erklärte), mal beim Handstand oder völlig erschöpft nackt am Boden liegend. Nun ist sie nicht auf riesigen Gemälden zu erleben, sondern leibhaftig mit ihrer Mezzosopran-Stimmlage als Sprecherin auf der Bühne.

Von der Sportgymnastik zur Schauspielerei

Katja Bürkle wird 1978 geboren und wächst in Schmiden auf. Von 1997 bis 2001 studiert sie an der Staatlichen Hochschule für Darstellende Kunst und Musik in Stuttgart. 1998 kommt ihr Sohn auf die Welt. Als Sport wird auf der Homepage ihrer Agentur „Reiten, Rhythmische Sportgymnastik, Ski alpin“ genannt, außerdem „Ballett gut“ ergänzt. Die Stimmlage der 1,67 Meter großen Akteurin ist Mezzosopran. Dialekt: Schwäbisch. Zu ihren zahlreichen TV-Rollen gehört die Mitwirkung im „Polizeiruf 110“, mehrfach im „Tatort“, „Ein starkes Team“, „Unter Verdacht“, „Der Kriminalist“, und auch in der „Soko Stuttgart“ war sie zu sehen.




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