Porträt von Charly Hübner Der Unterschied zwischen Fernsehkamera und Bühne

Von  

„Der Witz ist, wir sind privat genau andersrum getaktet als im Film. Ich bin eher der Ruhige und Analytische, und Anneke ist mehr Rock ’n’ Roll“, sagt er über seine Kollegin Anneke Kim Sarnau. Beide hatten darum gebeten, Figuren entwickeln zu dürfen, die möglichst wenig mit ihnen zu tun haben: „Auf einer langen Reise in einem Schauspielerleben ist die Gefahr groß, dass du dann doch irgendwann bei dir landest. Also musst du dir immer wieder Stressoren schaffen, die das Spielerhirn fordern und dich nicht so schnell einrichten lassen mit einer Figur als alten Kumpel und Szenen, bei denen du dir sagst: ,Ach, da geh ich mal eben rein und sag meinen Spruch.‘“

Hübners „sportlicher Ehrgeiz“ ist herauszufinden: „Wie geht einer normal? Wie spricht einer normal?“ Und über allem stehe die zentrale Frage für einen Charakter: „Warum ist jemand so geworden, wie er ist?“ Wobei sich das Authentische, das Unmittelbare seines Spiels auf TV-Filme bezieht, die ein realistisches Bild zeichnen wollen. Auf der Metaebene im Theater und auf der Leinwand gehe es darum, durch Überhöhung zu verdeutlichen. Noch extremer sei es bei der Comedy mit dem Stilmittel Übertreibung. Das kann er ja auch: 2008 bekam er für „Ladykracher“ mit Anke Engelke den Deutschen Comedypreis.

Wenngleich Hübner auf vielen Hochzeiten tanzt – das „Geschenk des Senders“ für den Sonntagabend weiß er besonders zu schätzen. Als einer, der mit analytischem Blick die Arbeit der Kollegen durchleuchtet, sagt er, angesprochen auf solche, die in ihren Rollenkonstellationen erstarren: „Die suchen genau wie wir alle, aber manchmal sind die Mutterschiffe vielleicht schwerer zu bewegen.“ Durch die internationale Koproduktion „Transporter“ weiß er auch, wie anders und flexibel Fernsehen in den USA gemacht wird. Ob Hollywood ein Thema für ihn ist? Anfragen habe es schon gegeben, „aber ich sitze jetzt nicht zu Hause und warte auf den nächsten Anruf“.

Sein Lebensmotto: Es kommt, wie es kommt

Hübners Lebensmotto ist: „Es kommt, wie es kommt“, denn trotz der Vergangenheit mit ihrem „hätte nicht“ und „wäre nicht“ sagt er über die Zukunft: „Das Leben ist kein Konjunktiv, das ist nur das System, das sich mit seinen Fragen aufdrängt: Was passiert in drei Jahren? Was ist mit der Altersvorsorge?“ Bei ihm „wird der nächste Pfennig sofort in Lebensfreude investiert“. Der Mann wirkt rundum zufrieden. Das muss man ihm einfach glauben, so ungemein offen gibt er sich im Gespräch.

Nach allen Fragen und anderthalb Stunden bei Wasser und Rosé an einem der heißesten Tage des Jahres, an dem sich die Mittagshitze in der Gasse vor seinem Stuttgarter Hotel staut, schiebt Hübner hinterher: „Das ist auch eine Lehre aus dem Tod meines Vaters: Es war ein ganz schneller Tod, ein blöder Zufall, ein Aortenaneurysma. Er wollte noch so viel, aber irgendwie fehlte ihm jemand an der Seite, der sagte: ,Komm, wir machen das jetzt einfach!‘ Und an diesen Punkt will ich nicht kommen – wenn das Wollen größer wird als das Tun.“




Unsere Empfehlung für Sie