Für seine Reportagen über Organtransplantationen wurde er mit dem Hansel-Mieth-Preis, dem Grimme- Online Award und dem DGPh-Preis für Wissenschaftsfotografie ausgezeichnet. Er arbeitet unter anderem für Redaktionen wie Brand Eins, Capital, CNN International, Spiegel, Zeit, Fluter online, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Geo Wissen, Handelsblatt und den Stern.
Trotzdem ist Junker bodenständig geblieben, wie bei unserem Treffen in Stuttgart deutlich wird. Der mittlerweile in Dortmund lebende Fotograf besucht weiterhin regelmäßig seine alte Heimatstadt Stuttgart. Er ist in Zuffenhausen geboren und aufgewachsen, hat einige Zeit in einer WG im Lehenviertel gewohnt. „Nach meiner Ausbildung im Einzehlandel wusste ich, dass ich das nicht mein Leben lang machen möchte“, erzählt der 30-Jährige. „Ich hatte einen kreativen Freundeskreis in Stuttgart, viele davon haben an der ABK studiert. Ich wollte auch etwas Kreatives erschaffen und bin so zur Fotografie gekommen.“
"Ich lande immer bei medizinischen Themen"
Nach ersten Projekten zu Themen wie Hausgeburten und Organtransplantation kam im Frühjahr 2020 Corona und warf Junkers bisherigen Alltag, wie bei so vielen, komplett über den Haufen. „Mein Job bestand bis dahin darin, viele verschiedene Leute zu treffen und diese zu fotografieren. Das war in der Pandemie nicht mehr denkbar.“ Gleichzeitig habe er gespürt: „Da passiert gerade etwas, das hat es so noch nicht gegeben und das wird es auch erst mal nicht mehr geben.“
Junker macht die Pandemie zu seinem Thema und bekam damals die einmalige Chance, die erste Welle im Marienhospital in Stuttgart mitzuerleben und mit seiner Kamera zu begleiten. Daraus entstand das bekannte Fotoprojekt „There is glory in prevention“. Ein Teil der Bilder ist bis heute unter der Paulinenbrücke ausgestellt.
Wenige Wochen nachdem Patrick Junker sein erstes Corona-Fotoprojekt abgeschlossen hatte, steckte er sich selbst mit dem Virus an. Es folgten einige Monate, in denen er sich erholen musste – von der vielen Arbeit und der Krankheit. Mittlerweile habe er keine Probleme mehr, er sei wieder fit, sagt der Fotograf.
Andere haben da nicht so viel Glück. Bei manchen der Covid-19-Genesenen bleiben auch Monate nach ihrer Infektion Beschwerden, die ihre Lebensqualität stark beeinträchtigen. Bei manchen verschwinden die Beschwerden in den ersten drei Monaten wie von selbst. Andere Betroffene leiden schon über ein Jahr an Langzeitfolgen: Chronische Erschöpfung, Vergesslichkeit, Schmerzen, Geruchsverlust und ein ständiges Krankheitsgefühl sind einige davon.
Mehr Aufmerksamkeit für das Thema Long Covid
In seinem neuen Fotoprojekt greift Junker genau diese Thematik auf. In „Long Covid“ erzählen Menschen von ihrem Alltag, die seit über einem Jahr an den Folgen ihrer Covid-19-Infektion leiden. Dazu trifft Patrick Junker Betroffene, spricht mit ihnen, zeichnet Audiodateien der Gespräche auf und fotografiert die Menschen.
Das bewegendste Erlebnis? Das Treffen mit Luisa Meißner. „Wie sie zum Gespräch mit Stöcken als Gehhilfen kam, ganz zittrig und schwach und das mit gerade mal 23 Jahren, das hat mich sehr bewegt“, sagt Junker.
"Das positive Feedback der Betroffenen gibt mir wieder Mut"
Luisa Meißner machte ein Erasmus-Praktikum in Sevilla in Spanien und steckte sich dort mit dem Virus an. Sie verbrachte 32 Tage im künstlichen Koma und konnte erst dann zurück nach Deutschland geflogen werden. Durch Covid-19 und die Zeit auf der Intensivstation entwickelt Luisa die Symptome einer Ataxie, eine Störung der Kleinhirnfunktion. Ein Jahr nach ihrer Erkrankung kann sie nur wenige Meter mit der Hilfe von Stöcken gehen.
Luisa Meißners Geschichte und die der anderen Betroffenen können hier gelesen und angeschaut werden >>>
Außerdem sind Plakate der Porträt-Bilder in der Stuttgarter Innenstadt verteilt aufgehängt.
Die Recherche von Patrick Junker und die Homepage zu „Long Covid“ wurden von der Riff freie Medien aus Mitteln der Klaus Tschira Stiftung gefördert. BLOMST! hat bei der Organisation unterstützt.