Was man aus seinem Namen alles ableiten kann, das erfährt Jürgen Heßler derzeit.

Weil der Stadt - Eigentlich war es ein zufälliges Business-Meeting, so wie sie Jürgen Heßler als Unternehmens- und Personalberater viele absolviert. Zehn Jahre ist es her, da hatte er in Frankfurt Kontakt mit einem Herrn namens Raymond Gann. Gann? So hieß Heßler ebenfalls, bis er den Namen seiner Frau angenommen hatte. Aus dem Zufallstreffen wurde ein Schlüsselmoment, der Jürgen Heßler seitdem beschäftigt, tief in die Geschichte führt, Brücken baut, weltweite Kontakte beschert. „Solche Spurensuchen kann man sicherlich mit jedem Namen anstellen“, ist er überzeugt.

 

Die Ganns sind eine in Weil der Stadt tief verwurzelte und verzweigte Familie, in die Heßler vor 60 Jahren hineingeboren wurde. Ihn hat es im Ort nicht gehalten, nach dem Studium der Außenwirtschaft war er viel unterwegs, heute lebt er in Darmstadt. Das gleicht ein bisschen dem, was Raymond Gann ihm vor zehn Jahren erzählt hatte. Dessen Vater war britischer Soldat und kam in den 50er Jahren nach Hamburg, wo er eine Deutsche geheiratet hatte.

Da war das Interesse geweckt. Es gab also weltweite Spuren – die Neugier von Jürgen Heßler war geweckt. „Raymond kannte das Buch zur Gann-Geschichte und die Gann Historical Society in Amerika“, erinnert er sich. Was für europäische Ohren ungewöhnlich klingt, ist in den USA aber durchaus üblich. Menschen gleichen Namens schließen sich zu Vereinen und Gesellschaften zusammen.

Eine eigene „Gann Gazette“

Vordenkerin ist Joy Gann Brown, eine 80-jährige Lady. Sie hat sich lange mit der Geschichte des Namens beschäftigt und 2003 schließlich ihr dreihundertseitiges Buch „Die Ganns 1200 n. Chr. bis 1800 n. Chr – eine Reise über 600 Jahre und 6000 Meilen“ veröffentlicht. Außerdem gibt es in Amerika eine eigene Zeitung, die „Gann Gazette“. „Das alles fand ich richtig spannend“, erzählt Jürgen Heßler. „Deshalb habe ich gleich auch in die eigene Familiengeschichte geschaut.“

Genealoge, also Stammbaum-Forscher, ist er nicht. Das hatte sein 2014 verstorbener Bruder Ralf-Peter Gann erledigt, der die Spuren der Familie bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt hatte.

Einen Beweis, dass die Merklinger Ganns mit den amerikanischen Ganns von Joy Gann Brown verwandt sind, gibt es freilich nicht. Auch wenn in der Zwischenzeit ungewöhnliche Mittel eingesetzt wurden. „Das ist wahrscheinlich auch typisch amerikanisch“, überlegt Jürgen Heßler. Mittels Gentests hat man nämlich die Verzweigungen zu entschlüsseln versucht. Joy Gann Brown berichtet per Mail von den Ergebnissen: „Die DNA-Analyse hat gezeigt, dass die Familie von Raymond Gann und viele Ganns in den USA einen gemeinsamen Vorfahren haben, aber wir konnten bisher nicht feststellen, wer dieser Vorfahr war“, schreibt sie. Ein Mitglied der deutschen Ganns hat seine DNA bislang noch nicht untersuchen lassen.

„Ich suche nach Leuten, die neugierig sind und ein bisschen verrückt“

„Es ist faszinierend, wie akribisch sich manche Leute mit der Herkunft ihres Namens beschäftigen“, sagt Jürgen Heßler, der diese Botschaft jetzt auch nach Deutschland, speziell nach Weil der Stadt, tragen will. Im örtlichen Mitteilungsblatt hat er schon nach Mitstreitern gesucht, die selbst mit den Ganns verwandt sind oder sich allgemein dem Thema Namensforschung nähern wollen. „Ich suche nach Leuten, die neugierig sind und ein bisschen verrückt“, sagt er. Das sei auch eine Botschaft an die heutige Gesellschaft, in der manche meinen, die Nation sei unveränderlich, immer schon da gewesen – und durch Migranten bedroht.

„Flucht gibt es nicht erst seit der Syrien-Krise“, nennt Heßler ein Beispiel. Die Erforschung ergab zum Beispiel, dass die süddeutschen Ganns, die sich in Weil der Stadt häufen, sehr wahrscheinlich im 17. Jahrhundert mit den Waldensern aus den Alpenregionen Italiens, Frankreichs und der Schweiz eingewandert sind. „Und mir hat man noch 1970 als Kind erklärt, dass wir Ganns – auf beiden Seiten gegenüber in der Unteren Talstraße in Merklingen – nicht miteinander verwandt seien“, sagt er kopfschüttelnd.

Wer mit Jürgen Heßler zu diesem Thema Kontakt aufnehmen will, kann sich per Telefon 01 52 / 3 53 04 16 an ihn wenden.