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Portugal Mit Wappen und Wams

Von Claudia Piuntek aus Porto 

In dem bei Porto gelegenen Städtchen Santa Maria da Feira wird mit 500 000 Besuchern das größte Mittelalterspektakel Portugals gefeiert.

Mittelalterliches Lagerleben können die Besucher im portugiesischen Santa Maria da Feira hautnah erleben.  Foto: Piuntek
Mittelalterliches Lagerleben können die Besucher im portugiesischen Santa Maria da Feira hautnah erleben. Foto: Piuntek

Porto - Auf dem Marktplatz vergnügen sich Edelmänner, Minnesänger und Schabernack treibende Gaukler. Die hellen Stimmen aufgeputzter Burgfräuleins dringen aus den uralten Gemäuern des Kastells, während unten auf dem Turnierplatz Ritter in schweren Rüstungen ihre Schwerter klirren lassen. Rund um den Mittelaltermarkt zeigen Jongleure und Feuerschlucker ihr Können. Durch die engen Gassen ziehen gefesselte Mohren, verhüllte Haremsdamen und Lanzenträger am staunenden Publikum vorbei.

Bevor all die Knappen und Hofnarren im portugiesischen Santa Maria da Feira zur Höchstform auflaufen, haben die bestens ausgestatteten Kostümverleihe des 12 000-Einwohner-Städtchens alle Hände voll zu tun. Ob Tänzerin, Dirne oder Henkersknecht, während des Mittelalterfestes Viagem Mediaval (29. Juli bis 9. August) übernehmen viele eine tragende Rolle in dem Historienspektakel, auf das jeder Einwohner stolz ist. „Vorigen Sommer war ich ein kirchlicher Würdenträger, dieses Jahr gehe ich als Knochenhauer“, sagt João Sousa, der im echten Leben eine Kaffeebar betreibt. Wochenlang bereiten sich die Bewohner von Santa Maria da Feira auf das riesige Volksfest vor, schmücken ihre Häuser mit mittelalterlichen Wappen.

Hier lustwandeln Edeldamen mit ihren Kavalieren

Aber nicht nur zugucken, auch mitmachen sollen die Festivalgäste: Bevor sie es sich bei Spanferkel mit Honigwein oder Sangria gutgehen lassen, können Besucher auf dem 33 Hektar großen Gelände ihre Fertigkeiten im Bogenschießen und Papierschöpfen testen. Hier lustwandeln Edeldamen mit ihren Kavalieren, ein Stück weiter, gleich hinter den kämpfenden Reitersleuten, sind Falkner bei der Arbeit - Anfang August haben Tempelritter und Männer im Wams das Sagen in Santa Maria da Feira. Jäh in die Gegenwart versetzt werden Reisende, wenn sie vor oder nach dem Besuch des Mittelalterspektakels in dem in Deutschland noch wenig bekannten denkmalgeschützten Städtchen die Hafenstadt Porto besichtigen.

Grandiose Aussichten über Dächer, Meer und Douromündung bieten die Bogenbrücke Ponte Dom Luís I sowie der 76 Meter hohe Glockenturm der barocken Clérigos-Kirche (www.torredosclerigos.pt). Lohnenswerte Ziele sind auch das Altstadtviertel Ribeira, der Börsenpalast und die zur schönsten Buchhandlung der Welt gekürte Livraria Lello e Irmão (Rua das Carmelitas 144). Weltruhm aber erlangte die an der Mündung des Douro gelegene Stadt wegen ihres süffigen Portweins. In der Kellerei Cálem (www.calem.pt) können Touristen den roten, weißen und neuerdings auch roséfarbenen Süßwein kosten. Der Portwein-Vorgänger Vinho de Lamego wurde an diesem geschichtsträchtigen Platz übrigens schon im Mittelalter produziert.

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